Mit der BMW K 1200 S nach Wien

Mit der BMW K 1200 S nach Wien Mit der BMW K 1200 S nach Wien

Mit der BMW K 1200 S nach Wien

— 19.05.2006

Schatz, ich fahr zum Sport!

Mit einer BMW K 1200 S rollt man nicht ins nächste Fitnesscenter. Sondern von Hamburg nach Wien. Zum Vienna City Marathon.

Das stärkste Bike, das BMW je gebaut hat

Die besten Ideen kommen nach dem Essen. Wenn die Feuerzeuge klicken und die Teller in die Mitte des Tisches geschoben werden, ist Zeit für schlechtes Gewissen. Und gute Ideen. Einmal dem Körper was Gutes tun, eventuell Sport. Richtig schwitzen, den Randbereich zur Erschöpfung erleben. Denn eigentlich kennt das Leben nur noch den Lift im Büro und den Viertakter im Straßenverkehr. Wie könnte das Gegenteil aussehen? Klarer Fall: Ein Marathonlauf, besucht mit einem der aufregendsten Motorräder unserer Tage. Der K 1200 S, dem stärksten Bike, das BMW jemals auf fette Gummis gestellt hat.

Unter "stark" verstehen die Bayern aktuell einen quer eingebauten Vierzylinder-Reihenreaktor mit 167 PS. Für alle Nicht-Motorradfahrer: Das ist viel, sehr viel. Und an die Anschrift der Power-Biker: Ja, auch wir wissen ob der Gewalt einer Honda Fireblade oder einer Yamaha R1 Bescheid. Doch es soll ja auf Tour gehen, gemütlich mit Koffer am Heck, ohne Zeitdruck. Landstraße statt Rennstrecke. Wenn die abgefragten Koordinaten Ergonomie und Kraft lauten, heißt das Ziel allerdings BMW.

Die Tour soll gemütlich angehen, soweit waren Fotografin Brita auf der BMW R 1100 GS und ich einig. Also wenig Autobahn und viel Landstraße. Wer in Hamburg startet, lenkt sein Bike dann in Richtung Geesthacht. Und wirft hoffentlich nicht so wie Brita an der ersten Tanke den Helm zu Boden. Visier abgebrochen, ein neuer Kopfschutz ist gefragt und beim örtlichen Piaggio-Händler zwischen Fahrrad und Vespa-Roller auch rasch gefunden. Ich gucke mir in der Zwischenzeit lieber die jungen Geesthachterinnen an und stelle überrascht fest, daß das Atomkraftwerk dem blendenden Aussehen der jugendlichen Bevölkerung nicht geschadet hat. Naja, vielleicht liegt diese Wahrnehmung auch am Wetter, denn sonniger könnte es kaum sein.

Und deshalb geht es auch rasch weiter in Richtung Halle, wo der erste Touren-Tag sein Ende findet. Halle ist typisch für den Osten. Bestimmt kamen hier viele Fördergelder an, Ruinen finden sich aber immer noch ohne Ende. Musik spielt in der Geburtsstadt von Georg Friedrich Händel noch immer eine große Rolle, wie die zahlreichen Tuning-Mobile mit wummernden Baß-Boxen lautstark beweisen. Also ab nach Dresden, soll ja recht schön sein.

Keine gute Kombi: 167 PS und Schrittempo

Und in der Tat, als die dicke K die Stadtgrenze durchrollt, ist wenig von Armut zu sehen. Nette Fassaden und vor allem: eine wirklich prächtig renovierte Altstadt. Vor lauter Begeisterung parkten wir unsere Maschinen etwas illegal, was uns nach der Stadtbesichtigung einen netten Plausch mit den diensthabenden Politessen einbrachten. Warum auch immer, doch wir hatten Erfolg – und kamen mit einer freundlichen Verwarnung davon. Semper-Oper, Frauenkirche und Elbe-Ufer machen diese Stadt jedenfalls zu einer echten Empfehlung. Trotzdem: Unser Ziel heißt Wien, es geht also weiter.

In Richtung Prag. Also über das Erzgebirge, herrliche Serpetinen, aber leider unglaublich starker Verkehr. In dieser Situation macht die K 1200 S weniger Freude. Die Kupplung ist relativ streng zu bedienen, Stau bedeutet rasch einen Krampf in der linken Hand. Überhaupt: Wer sitzt schon gerne auf einem 167-PS-Teil und rollt im Schritttempo?

Der Grenzübertritt klappte frei von Verzögerungen, auf nach Tschechien. Kurz nach der Grenze beweisen zahlreiche junge und durchaus gutaussehende Damen echten Geschmack und winken mir. Überlegte angestrengt, ob ihnen die K so gut gefällt oder ob sie mich einfach für einen geilen Typen halten. Brita weckt mich aus dem Tagtraum und behauptet, es handelte sich um umsatzorientierte Prostituierte. Selbstverständlich wäre mir dieser Gedanke niemals gekommen.

Endlich freie Bahn. Stadtumfahrung von Prag, rauf auf die Autobahn. Der Vierzylinder macht den Begriff der "aktiven Sicherheit" sehr deutlich. Der gemeine Tscheche ist nämlich ein begnadeter Autofahrer. Er benimmt sich im Straßenverkehr, als gäbe es kein Morgen. Und für manchen folgt auch bestimmt kein weiterer Tag. Unfälle sind nicht selten, ebenso Beschleunigungsduelle.

Der Tag geht zu Ende, Quartier ist gefragt. Und am Rande der Autobahn auch bald gefunden. Eine auf den ersten Blick wenig freundliche Raststation, die uns aber noch verwundern sollte. Kondome sind auf Nachfrage an der Rezeption zu haben, doch eigentlich wollen wir nur Essen und Schlafen. Tschechien ist übrigens noch immer sehr preiswert. Kellner Marek begehrt für Gulasch, Pizza und sieben Bier ganze 17 Euro. Das Trinkgeld rührt Marek so stark, daß er uns auch gleich ein kostenloses Frühstück am nächsten Tag anbietet. Entgegen unserer Erwartung sind beide Maschinen noch da, die 15.200 Euro teure K 1200 S und unsere alte GS 1100 wurden von einem ausgewachsenem Schäferhund bestens bewacht.

An der Grenze zu Österreich noch schnell in den Duty Free, punkt 12.30 in Wien eingerollt. So macht Reisen Spaß!

Die K 1200 ist der bessere Marathon-Läufer

Über den Vienna City Marathon will ich nicht so viel sagen. Nur soviel: Training wäre gut gewesen. Wie auch immer, ich kam ins Ziel, gab allerdings nicht so ein gutes Bild ab wie die K auf der Autobahn.

Denn spätestens bei der Heimreise war klar: Es gibt eigentlich keine aufregendere Art, von Wien nach Hamburg zu reisen. Jede Steigung wird zum Vergnügen, die Beschleunigung kennt kein Ende. Es gibt kein Auto im Straßenverkehr, das der K 1200 S in Sachen Beschleunigung das Wasser reichen kann. 2,8 Sekunden auf 100 km/h sind einfach ein starker Wert, selbst Audi A8, BMW M5 und Porsche 911 durften dies zur Kenntnis nehmen. In der Höchstgeschwindigkeit sieht das wieder anders aus. Der 911 zieht mit der K mit, bei 280 km/h läuft das BMW-Herz gegen den Drehzahlbegrenzer. Dabei fühlt man sich keinesfalls unsicher, denn das Fahrwerk mit seinem langen Radstand ist mehr als eindrucksvoll. Die Duolever-Gabel mag für Fahrer anderer Marken etwas ungewohnt sein, sie vermittelt anfangs ein etwas indirektes Gefühl. Doch wer es kennt, will es nicht mehr missen.

Das verstellbare ESA-Fahrwerk ist ein großartiges Spielzeug auf langen Reisen, vor allem der Sport-Modus lockt gewaltig. Und der Bordcomputer ist seine 100 Euro Aufpreis wert, spielt er doch übersichtlich alle wesentlichen Betriebsdaten ein. Für die Strecke Wien-Hamburg benötigte ich keine zehn Stunden. Viel Zeit verbrachte ich davon an Tankstellen, denn unter sechs Liter teurer Super-Sprit ist bei diesem Kraftpaket nichts los. Doch man will nicht geizen, immerhin gibt es dafür wahre Beschleunigungsorgien. Es ist einfach ein Wahnsinn: Der Tacho klettert ohne Pause, die Kraft kennt kein Ende. 160, 180, 220, 240, 260. Hey Physik, was ist die Welt für ein Narrenhaus! Kann man nicht bei entsprechender Geschwindigkeit die Alterung aufhalten? Ich erinnere mich an die Relativitätstheorie und stelle fest: Bei artgerechter Behandlung wird die K 1200 S zum Jungbrunnen, einige Nanosekunden sollten doch bei 280 km/h möglich sein, oder?

Endlich daheim in Hamburg, jetzt nur artig am Boden bleiben. Ja, Schatz, ich war in Wien. Nein, Schatz, nix besonders. Ja, Schatz, gutes Wetter gehabt. Und natürlich, ich bin immer vorsichtig gefahren. Diese neue BMW hat ja sogar ABS, ein sehr solides Motorrad. Bin nur ganz selten etwas schneller gefahren, machte aber Spaß. Vielleicht sollte wir uns auch so ein Moped zulegen, kostet ja weniger als ein guter Neuwagen. Wirklich eine vernünftige Entscheidung, ist ja immerhin ein Zweisitzer! Ehrlich, ich würde mit einer neuen K dann auch öfters zum Sport fahren und besser in Form bleiben ...

Autor: Nikolaus Eickmann

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