Mitsubishi ASX gegen Nissan Qashqai: Test

Mitsubishi ASX Nissan Qashqai Mitsubishi ASX Nissan Qashqai

Mitsubishi ASX/Nissan Qashqai: Vergleich

— 17.01.2011

Crossover für den Großstadt-Dschungel

Mitsubishi ASX und Nissan Qashqai sind Trendsetter: hoch, kompakt genug für die City, gerade so viel Allrad wie nötig. Wer der bessere Allrounder ist, klärt das Duell der 150 PS starken Diesel.

Hohe Bordsteine. Steile Parkhausrampen. Schlaglöcher wie Meteoritenkrater. Manchmal ist der Großstadt-Dschungel ganz schön unwegsam. Gut, wenn man dann das richtige Auto hat. Okay, Spaß beiseite. Einen Geländewagen braucht in der City selbstverständlich keiner. Zu groß. Zu teuer. Und zu durstig. Aber reizvoll ist es schon, hoch einsteigen und in der Rushhour über den Vordermann hinwegblicken zu können. Gut, dass es Crossover-Autos gibt! Mit den modischen Grenzgängern zwischen Kompaktwagen und SUV sind wir für alles gerüstet. Fürs stressfreie Rangieren in der Tiefgarage. Für das Flanieren auf dem Boulevard. Und für die Landpartie zu Oma.

Überblick: Alle News und Tests zum Mitsubishi ASX

Selbstbewusste Optik: Der Mitsubishi reißt seine Kühlerschnauze ziemlich weit auf.

Angriffslustig reißt der neue Mitsubishi ASX die Kühlerschnauze auf. Nur Imponiergehabe? Oder verputzt er den beliebten Nissan Qashqai zum Frühstück? Mit Längen um 4,30 Meter liegen beide Kontrahenten zwischen VW Golf und Opel Astra, also mittendrin in der Kompaktklasse. Beim Platzangebot darf man daher zwar solide Grundversorgung erwarten – Wunder jedoch nicht: Die bulligen Karosserien täuschen. In der zweiten Reihe geht es vor allem im Mitsubishi recht eng zu. Wer sich durch die schmalen Türen in den Fond gefädelt hat, scheuert mit den Knien an den Vordersitzen. Dass sich die Lehne der Rückbank um ein paar Grad neigen lässt, steigert die Bequemlichkeit kaum. Für die Passagiere im Fond ist der Nissan das angenehmere Auto. Schon der Zustieg gelingt leichter; auch für Kopf und Knie ist mehr Platz. Vorn indes bietet der ASX deutlich mehr Komfort. Das Cockpit wirkt luftig; die Sitze sind breiter und bequemer als im Nissan, stützen den Körper seitlich besser ab. Zudem finden Piloten über 1,85 Meter schneller eine passende Position hinter dem Lenkrad. Im Qashqai lässt sich der Fahrersitz dazu nicht weit genug nach unten stellen.

Überblick: Alle News und Tests zum Nissan Qashqai

Straffer und spritziger: Bei den Fahrleistungen überzeugt eher der Qashqai.

Die Wandlungsfähigkeit beider Autos beschränkt sich auf die Möglichkeit, die Rücksitzlehnen geteilt umzuklappen. Beim Nissan entstehen auf diese Weise bis zu 1513 Liter Ladevolumen. Der Mitsubishi bietet mit seinen 1219 Litern dagegen kaum mehr Stauraum als ein Skoda Fabia – wohlgemerkt die Limousine, nicht der Kombi. Bei Leergewichten um 1600 Kilo führt an einem starken Diesel kein Weg vorbei – zumindest, wenn es zügig vorwärtsgehen und der Verbrauch im Rahmen bleiben soll. Aus seinem 0,2 Liter größeren Hubraum schöpft der Qashqai einen leichten Drehmomentvorteil. Sein wichtigerer Vorzug im Vergleich zum ASX ist jedoch die gleichmäßigere Leistungsabgabe. Schon ab 1500 Touren liefert der Nissan-Vierzylinder verwertbaren Schub. Das Mitsubishi-Triebwerk – nach jahrelangem Motoren-Zukauf bei VW und Peugeot erstmals wieder ein Eigengewächs – ist da noch voll damit beschäftigt, aus seinem tiefen Turboloch emporzukrabbeln. Erst bei 2000 Umdrehungen hat der wie eine Getreidemühle lärmende Lader dem ASX die Lungen ausreichend gefüllt. Störend auch der große Drehzahlsprung zwischen dem zweiten und dem dritten Gang: Wer im Stadtverkehr früh hochschaltet, fällt immer wieder ins Leistungsloch.

Dafür kann der ASX beim Verbrauch glänzen. Auf der Testrunde fuhr er mit 6,1 Litern einen vollen Liter Vorsprung heraus. Weniger zeitgemäß: der lange Bremsweg. Wer bei 100 km/h in die Eisen steigt, steht im Mitsubishi erst nach über 40 Metern – mehr als eine halbe Wagenlänge später als im Nissan. Zur Gelassenheit, die ihre Motoren vermitteln, passt die Fahrwerkauslegung der beiden Trend-Typen. Der Qashqai gibt sich insgesamt straffer, liegt dadurch stabiler in der Kurve als der ASX, steckt Querfugen oder Gullydeckel aber dennoch überraschend stoßfrei weg. Der Mitsubishi stelzt mit der Vorderachse etwas stuckerig über kleine Hindernisse hinweg. Seine Karosserie wiegt sich zudem stärker in den Federn und ist auf Buckelpisten daher ständig in Bewegung. Bei gemäßigter Gangart findet man das noch komfortabel. Bei zügigerem Tempo kann das Nachschaukeln auf Bodenwellen empfindlichen Naturen aber auf den Magen schlagen.

Diesel, Allrad, hohes Ausstattungsniveau: Da ist die 30.000-Euro-Grenze schnell geknackt. Allerdings fehlt an Bord dann auch nichts mehr. Mitsubishi spendiert sogar ein Navi. Etwas größere Löcher als der ASX reißt der Qashqai in die Haushaltskasse – nicht nur, weil er in der Anschaffung etwas teurer ist. Der Mehrverbrauch knabbert am Tankbudget, angesichts von größerem Hubraum und höherem CO2-Ausstoß langt der Fiskus stärker hin.
Fahrzeugdaten Mitsubishi Nissan
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette
Hubraum 1798 cm³ 1995 cm³
kW (PS) bei 1/min 110 (150)/4000 110 (150)/4000
Nm bei1/min 300/2000 320/2000
Vmax 198 km/h 193 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/60 R 17 H 215/55 R 18 V
Radgröße 6,5 x 17" 6,5 x 18"
Abgas CO2 150 g/km 159 g/km
Verbrauch* 6,9/5,0/5,7 l 7,5/5,2/6,0 l
Tankinhalt 60 l/Diesel 65 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1400/750 kg 1400/750 kg
Kofferraum 419–1219 l 410–1513 l
Preis (wird bewertet) 30.990 Euro 31.340 Euro**
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** inklusive 18"-Bereifung für 350 €
Messwerte Mitsubishi Nissan
Beschleunigung
0–50 km/h 3,9 s 3,4 s
0–100 km/h 11,4 s 10,6 s
0–130 km/h 18,4 s 17,2 s
Elastizität
60–100 km/h 7,2 s (4. Gang) 7,2 s (4. Gang)
80– 120 km/h 11,6 s (6. Gang) 12,6 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1596/464 kg 1644/441 kg
Gewichtsverteilung v./h. 62/38 % 62/38 %
Wendekreis links/rechts 11,5/11,4 m 11,1/11,4 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 40,2 m 37,3 m
aus 100 km/h warm 41,3 m 38,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 72 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,1 l Diesel – 162 g/km 7,1 l Diesel – 188 g/km
Reichweite 970 km 910 km
Martin G. Puthz

Martin G. Puthz

Fazit

So trendy wie der ASX war lange kein Mitsubishi mehr, mal abgesehen vom Elektroauto i-MiEV. Bis auf den niedrigen Verbrauch – 6,1 Liter sind neue Bestmarke dieser Klasse – fehlen dem Japaner aber die Highlights. Für seine Größe ist er innen zu klein. Außerdem bremst er miserabel. Ein ordentliches Auto – nicht mehr. Nissan verfolgt beim Qashqai den Allround-Gedanken konsequenter: mehr Platz, schöner Motor, zudem kaum teurer.

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