Mitsubishi Carisma (ab 1995)

Gebrauchtwagen Mitsubishi Carisma Gebrauchtwagen Mitsubishi Carisma

Mitsubishi Carisma (ab 1995)

— 25.02.2002

Probleme mit den Gelenken

Es würde schwer fallen, dem Mitsubishi Carisma etwas vorzuwerfen - wäre da nicht die Sache mit den Querlenkern.

Karosserie und Motor

Es ist sehr schön, dass ein paar Marken ihren Autos noch Namen geben und nicht bloß Nummern. Aber wer um Himmels willen ist auf die Idee gekommen, eine biedere Mittelklasse-Limousine Carisma zu taufen? Ob nun mit oder ohne h, der Kunde wird in jedem Fall auf eine falsche Fährte gelockt. Denn die Stärken dieses Autos liegen nicht in seiner Aura, sondern im konkret nachprüfbaren Bereich: zum Beispiel im Preis und wir verraten hier kein großes Geheimnis, wenn wir sagen: Der Carisma ist der billigere Volvo S40. Denn beide werden im selben Werk in den Niederlanden gebaut.

Die Benzinmotoren dagegen kommen für den Mitsubishi aus Japan, was ja bekanntlich ebenfalls kein Mangel sein muss. In der Tat machen die 1600er und 1800er kaum mal Ärger, an der mechanischen Standfestigkeit gibt es nichts zu rütteln, und auch die Zahnriemen halten. Dies gilt im Prinzip auch für den seit 97 angebotenen GDI. Allerdings kommt es bei ihm in Einzelfällen zu Problemen im Zylinderkopfbereich, weil den Einlassventilen die reinigende Benzindusche fehlt und sie daher zum Ansetzen von Ölkohle neigen. Zugebackene Ventile bewirken einen spürbaren Leistungsverlust, dem die Werkstätten bisher mit Demontage des Zylinderkopfes und manueller Reinigung der Ventile begegnen.

Problematischer sind die von Renault gelieferten Turbodiesel. Der seit dem R 19 bekannte 1,9-Liter hat auch in Mitsubishi-Diensten nicht seinen Hang zu einer durchbrennenden Zylinderkopfdichtung abgelegt. Bei unserem Fotokandidaten war der Kühlwasser-Ausgleichsbehälter so trocken wie englischer Humor. Weil weder an Pumpe noch an den Schläuchen Spuren zu sehen waren, dürfte das Wasser vom Motor verzehrt worden sein. Trotzdem ist der Diesel eine gute Wahl, denn Laufruhe und Durchzugsvermögen gehen in Ordnung. Das lässt sich auch von den 1,6- und 1,8-Liter-Benzinern behaupten, denen eine recht kurze Übersetzung unter die Arme greift. Zudem liegen 90- und 115-PS-Version in der Praxis enger zusammen, als es die Prospektwerte vermuten lassen. Deshalb genügt die schwächere, aber sparsamere Version.

Fahrwerk und Ausstattung

Zu beachten ist allerdings, dass ABS für den kleinen Motor in Verbindung mit der mageren GL-Ausstattung nicht lieferbar war, erst ab August 96 wurde es Serie. Zu diesem Zeitpunkt verdoppelte Mitsubishi auch die Anzahl der Airbags- von eins auf zwei. Seitenairbags erschienen dann mit der Modellüberarbeitung Ende 97 - auch dies mit Sicherheit ein Volvo zuzuschreibender Gewinn.

Im Herbst 98 dann der nächste einschneidende Schritt in der Modellgeschichte: Die ersten Carisma fallen durch ihre Hauptuntersuchung. Nicht alle, aber an rund vier Prozent wird Spiel in der Radaufhängung festgestellt. Ein Mittelwert, denn aufgrund der schlechten Straßen liegen die Beanstandungen in den neuen Bundesländern höher. Der baugleiche Volvo schneidet diesbezüglich übrigens noch schlechter ab. Mitsubishi reagiert prompt: Seit Juni 98 kommen stabilere Querlenker an der Vorderachse zum Einsatz. Bereits im Herbst zuvor änderten die Japaner das Zündschloss. Es klemmte gerne mal, was ihm immerhin einen Eintrag in die ADAC-Pannenstatistik brachte. Das hat vielleicht noch nicht Charisma, aber fast schon Charakter.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/95 Markteinführung der fünftürigen Schräghecklimousine (Typ DAO), zwei Benzinmotoren: 1,6-Liter mit 90 PS, 1,8-Liter mit 115 PS 8/96 Programmerweiterung mit viertüriger Stufenhecklimousine 1/97 1,9 Liter Turbodiesel, 90 PS 9/97 Facelift, Einführung des Benzin-Direkteinspritzers GDI, 125 PS, der den 1,8 Liter ersetzt, Sidebags serienmäßig 6/99 Modellüberarbeitung (Typ DAO neu), Klarglas-Scheinwerfer, 1,6 Liter nun mit 100 PS 9/00 neuer Diesel-Direkteinspritzer mit 102 oder 115 PS

Schwachstellen Kraftstoffsystem führte bei den ersten Modellen zu Geruchsbelästigungen. Neue Dichtringe bei der Inspektion montiert • Zündschloss kann bis Baujahr Herbst 97 haken, so das Starten verhindern • Traggelenke der Vorderachse bekommen Spiel, das sich auf Bodenwellen als Klopfen äußert. Neue Querlenker ab 6/98 • Maderbisse treffen auch den Charisma recht häufig, betroffen sind fast immer Zündkabel • Wegfahrsperre erkennt nicht immer zuverlässig den Eigentümer

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mitsubishi Carisma 1600 GLX, 66 kW/90 PS, Baujahr 96. Für eine fernöstliche Marke kalkuliert Mitsubishi kundenorientiert. Nur die Bremse vorn legt schonendes Fahren nahe.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Mitsubishi Carisma gehört zu den problemlosen Autos. Zumindest, solange die Traggelenke der Vorderachse nicht klopfend auf Spiel und ihren baldigen Austausch aufmerksam machen. Gravierender jedoch ist unzureichende Bremswirkung an der Hinterachse, die sich auch in einer ungleichmäßig ziehenden Handbremse widerspiegelt. Die Ursache ist lediglich Abrieb in den Bremstrommeln, nach einer Reinigung ist alles wieder okay." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Mitsubishi Carisma 1600 GLX 5-türig (66 kW/90 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 211 Mark im Jahr/Euro 1 Testverbrauch: Werksangabe 6,8 Liter, gemessen 8,6 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (18/1.000 Mark SB): 1908 Mark. Teilkasko (27/300 Mark SB): 412 Mark. Haftpflicht (17): 1712 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 350 bis 550 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 47 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2.000 Mark Verlust

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.