Mitsubishi Colt (1992-1996)

Mitsubishi Colt (1992-1996) Mitsubishi Colt (1992-1996)

Mitsubishi Colt (1992-1996)

— 25.02.2002

Seine einzige Schwäche

Der Mitsubishi Colt ist manchmal nicht zu bremsen, und das hat was mit seiner hervorragenden Gesamtqualität zu tun.

Bremsen, Fahrwerk und Antrieb

Gebrauchtwagen-Redakteure mögen liebenswerte Rostlauben. Gammelige Gurken, die Stoff für Stories zwischen Ölsumpf und Auspufftopf liefern. Japanische Kompaktwagen sind da in der Regel weniger interessant. Weil man Mängel mit der Lupe suchen muß und trotzdem immer seltener fündig wird. Wie beim Colt: Erst wer tief in die Materie einsteigt entdeckt, daß der japanische Kompakte ein Bremsenproblem hat.

Nicht daß nun etwa ein Bremsversagen droht, keine Sorge. Aber bei der regelmäßigen Hauptuntersuchung beanstandet der TÜV sowohl Hand- als auch Fußbremse häufiger als beim Durchschnitt aller Kraftfahrzeuge (siehe auch TÜV Auto-Report '99). Wobei die Unterschiede nicht dramatisch sind, bei der Feststellbremse etwa steht eine Quote des Colt von 3,5 Prozent einem Durchschnitt von 3,3 Prozent gegenüber. Es kann also nicht schaden, den Wunsch-Colt mal über einen Bremsenprüfstand zu fahren sowie Scheiben und Beläge genauer als gewohnt zu kontrollieren.

Bei der Gelegenheit empfiehlt sich auch ein Blick auf die vordere Radaufhängung mit ihrem Bermuda-Dreieck aus Querlenkern, Spurstangen und Antriebswellen. Speziell deren Gelenkmanschetten verlangen Aufmerksamkeit. Bei Undichtigkeiten zerstören Schmutz und Feuchtigkeit die teuren Gleichlaufgelenke. Die Aufhängungen dagegen sind sehr solide, auch an der Hinterachse. Vom Antrieb erwartet man solches sowieso von einem Japaner. Der Colt macht da keine Ausnahme: Wer an Öl und Wasser denkt, wird den Motor mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kaputtbekommen.

Motor und Korrosion

Es sei denn, er vergißt den Zahnriemen. Der verlangt nach Kontrolle der Spannung und sollte alle 90000 Kilometer erneuert werden. Falls nicht, kann er reißen, und die Ventile stoßen mit den Kolben zusammen. Darüber hinaus sind nur Einzelfälle bekannt - wie feuchte Zündkabel oder rutschende Kupplungen. Die kommen höchstens vor, wenn viel und forsch in der Stadt gefahren wurde. Gelegentlich ist der Ventildeckel undicht. Dann hat ein eifriger Mechaniker die Schrauben besonders fest angezogen und damit die unter dem Blechdeckel liegende Gummiprofildichtung zerquetscht. Außerdem verzieht sich dabei der Deckel, so daß auch eine neue Dichtung nichts nützt.

Kleinere Probleme hält die Einrichtung parat: So können mal die elektrischen Fenster-heber den Geist aufgeben, und nach rund drei Jahren sind des öfteren die Gurtaufroller fertig - dann muß man dem Gurt immer mit der Hand nachhelfen. An unserem Testkandidaten entdeckten wir auch Rost. Nicht nur am Auspuff, der gammelt in normalem Tempo, sondern an der Karosse. Zwar noch nicht besorgniserregend - schließlich stammt der Fotowagen von 94 -, aber doch in einem Maße, das deutsche Konkurrenten in diesem Alter nicht zeigen. Wie sich das beim Colt im Alter entwickelt, wird sich erst noch zeigen.

So könnte man dem kompakten Mitsubishi höchstens noch Defizite bei der Sicherheit attestieren. Einen Airbag etwa gab es erst ab 95 und serienmäßig auch nur im Sondermodell Malibu. Um das Raumangebot ist es ebenfalls nicht zum besten bestellt. Wer darauf Wert legt, kann aber auf die technisch baugleichen Lancer und Lancer Kombi ausweichen. Ganz ehrliche Burschen mit einem Fehler: Über die läßt sich auch nicht viel schreiben.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 7/79 Einführung des japanischen Kompaktwagens auf dem deutschen Markt • 2/92 Verkaufsstart der vierten Modellgeneration, Motoren von 75 bis 140 PS, kein Diesel mehr. Lancer und Lancer Kombi laufen unverändert weiter • 10/92 Lancer und Lancer Kombi neu aufgelegt, Motoren von 68 bis 113 PS, darunter ein Diesel. Kombi auch mit Allradantrieb lieferbar • 1/95 Fahrer-Airbag serienmäßig im Modell "Malibu" • 3/96 Einführung des gleichnamigen Nachfolgers.

Schwachstellen Auspuffanlagen sind gegenüber dem Vorgänger stark verbessert, besonders der Endschalldämpfer hält nun wesentlich länger. An einem Verbindungsflansch hinter dem linken Hinterrad (siehe rechts) kann das Rohr aber abreißen, eine Reparatur, etwa durch Schweißen, ist nicht empfehlenswert. Bleibt nur der Austausch von Haupt- und Nachschalldämpfer, der unter "Freunden" mit 550 Mark zu Buche schlägt. • Kupplungen werden besonders im Stadtverkehr arg strapaziert, im Durchschnitt ist nach 100 000 Kilometern eine neue fällig. • Zylinderkopfdichtungen mußten 7,3 Prozent unserer Lesertester erneuern lassen. Ursache ist meist ühlwassermangel.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mitsubishi Colt 1300 GLi, 55 kW/75 PS, Bj. 95. Die Zeiten japanischer Hochpreispolitik scheint auch bei Mitsubishi vorbei zu sein - bis auf die noch immer extrem teuren Bremsscheiben.

Fazit und Urteil

Fazit Der Mitsubishi Colt gehört zu den problemlosesten Gebrauchtwagen überhaupt. In der Werkstatt sind diese Fahrzeuge so gut wie nie zu sehen, auch in der Garantiezeit werden fast keine Reparaturen nötig. Das birgt natürlich die Gefahr, verschleißbedingte Arbeiten auf die lange Bank zu schieben - dann kann schon mal Eisen auf Eisen bremsen. Anders ist die TÜV-Auffälligkeit der Bremsen kaum zu erklären, schließlich halten die Beläge in Kundenhand bis zu 60000 Kilometer. Sonst bricht höchstens mal der Auspuff an einer Verbindung - vermutlich ein Hilfsprogramm Mitsubishis für die notleidenden Werkstätten.

AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert

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