Mitsubishi Colt (1996-2004)

Gebrauchtwagen Mitsubishi Colt Gebrauchtwagen Mitsubishi Colt

Mitsubishi Colt (1996-2004)

— 22.07.2004

Die richtige Wahl?

Als Politiker wäre der Mitsubishi Colt ein echtes Vorbild – ehrlich und standhaft.

Qualität und Kummerkasten

Im Prinzip funktioniert der Gebrauchtwagenmarkt wie Politik: Große Parteien haben die meisten Wähler und geben den Ton an. Auch wenn sie nicht immer halten, was sie versprechen. Zum Glück gestattet die Demokratie, auch auf kleine Hinterbänkler zu setzen. Wie den Mitsubishi Colt, dessen Marktanteil in Deutschland mit jeder Neuauflage aufs Neue schrumpfte. Woran sein Hersteller nicht ganz unschuldig war.

Mitsubishi machte den Colt nicht größer – wie VW beispielsweise den Golf –, sondern beim Modellwechsel 1992 kleiner. Vier Jahre später, mit Erscheinen des CJ0, war der mit mickerigen 240 Liter Kofferraum und nur noch drei Türen lieferbare Colt in der Kleinwagenklasse angekommen – bei Polo, Corsa und Co. Was seiner Qualität keinen Abbruch tat: Im AUTO BILD-Kummerkasten ist der Colt nahezu unbekannt, nur zwei Fälle sind dort verzeichnet. Dem einen ist der Spritverbrauch zu hoch, der andere hat Probleme mit der Klimaanlage.

Diese bestätigt auch der ADAC und vermeldet vor allem für die Baujahre 1997 und 98 defekte Kühlaggregate. Dagegen total normal, besonders angesichts der für einen Japaner biblischen Modelllaufzeit von acht Jahren, sind Probleme im Bereich Zündkabel und Verteilerkappe – irgendwann schicken die den Zündfunken in die Wüste, dann helfen nur frische Ersatzteile.

Motor und Bremse

Dies gilt auch für den Zahnriemen, der alle 90.000 Kilometer oder nach sechs Jahren erneuert werden sollte. Zwar sind für den Colt in diesem Bereich keine Vorkommnisse verzeichnet, aber ein Blick ins Checkheft kann trotzdem nicht schaden. Im Zweifel die Werkstatt fragen, ob ein Austausch vorgenommen wurde.

Bei der Gelegenheit kann sie sich auch gleich die Stoßdämpfer ansehen, deren Befestigung sich gelegentlich lockert und dann unüberhörbare Poltergeräusche aus dem Fahrwerk dringen lässt. Der TÜV jedoch notiert diesen Mangel nur selten, bei den Hauptuntersuchungen schneidet das Fahrwerk hervorragend ab.

Die Blaukittel bemängeln häufiger die Bremse, insbesondere den hohen Belagverschleiß und die oft mangelnde Wirkung an der Hinterachse. Die Ursache liegt in den Bremstrommeln: Belagabrieb. Im Inspektionsplan schreibt Mitsubishi vor, die Trommeln zu demontieren und diesen zu entfernen – was wohl oft unterbleibt und letztlich zu diesem peinlichen roten Balken im Kapitel Fußbremse fährt.

Antrieb und Karosserie

Doch häufiger noch stehen die Prüfer im Dunkeln. Weil Colt-Fahrer vermutlich so von der Zuverlässigkeit ihres Fahrzeugs überzeugt sind, dass sie vor dem TÜV nicht mal die Beleuchtung checken. Denn beanstandet werden vor allem die hinteren Leuchten – Blinker und die Einstellung der Scheinwerfer sind dagegen meist tadellos.

In einem Punkt jedoch gibt sich der Colt noch eine Blöße: Rost. Nicht übermäßig, aber immerhin jedem zweihundertsten der Siebenjährigen wird wegen Korrosion an tragenden Teilen die Plakette verweigert, womit er schlechter als der Durchschnitt abschneidet. Nur durchschnittlich auch die Haltbarkeit von Kupplung und Getriebe. Je nach Einsatzbedingungen und Geschick des Fahrers hält die erste Kupplung oft keine 100.000 Kilometer, ehe sie zuerst rupfend, dann rutschend die Verschleißgrenze anzeigt.

Doch unterm Strich bleibt der Colt trotzdem Spitzenkandidat in der Klasse der kleinen Kompakten. Weil er ein Wahlversprechen garantiert einhält: Niedrige Preise – ein zuverlässigeres Auto zu diesen Kursen lässt sich nur schwer finden.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/96 Modellwechsel auf den CJ0, wieder nur dreitürig lieferbar. Motoren: 1,3 l, 75 PS, und 1,6 l, 90 PS. Fahrer- und Beifahrerairbag serienmäßig 1/98 Sidebags serienmäßig 10/98 Produktion des viertürigen Stufenheck-Modells Lancer eingestellt, Kombi wird weitergebaut 9/00 Motorleistungen auf 82 (1,3 l) und 103 PS (1,6 l) angehoben 4/02 Sondermodell Colt 25 (25 Jahre Mitsubishi in Deutschland) 6/04 Modellwechsel auf den Minivan-ähnlichen Nachfolger

Schwachstellen • Kraftübertragung ist die schwache Seite dieses Colt. Die Kupplung ist zu schwach ausgelegt, Synchroneinrichtungen und Antriebswellen verschleißen schnell. Deshalb bei der Probefahrt auf Kratzgeräusche beim Schalten achten • Bremsanlage zeigt wenig Standfestigkeit, hohe Belastung verlängert den Bremsweg überproportional. Die Belege sind schnell verschlissen • Innenausstattung ist teilweise lieblos verarbeitet, die Sitze sind schnell durchgesessen und der Bodenbelag im Kofferraum wenig rutschfest • Auspuffanlage zeigt nur wenig Widerstand gegen Rost, vor allem das Wellrohr zum Ausgleich der Motorbewegungen ist bruchgefährdet

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Mitsubishi Colt 1600 GLX, 66 kW/90 PS, Baujahr 1997. Im Gegensatz zu vielen anderen Japanern hält sich Mitsubishi bei den Blechteilen zurück, langt aber bei Elektroartikeln wie LiMa oder Anlasser kräftig zu.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Fahrer eines Colt und auch des technisch baugleichen Lancer müssen sich nur wenig Sorgen bei der Hauptuntersuchung machen. Allerdings beobachten wir bei jüngeren Exemplaren nachlassende Qualität, auch Rost tritt in Einzelfällen auf. Bei den Drei- und Fünfjährigen zeigen sich Probleme mit der Bremswirkung an der Hinterachse, die teilweise von verschmutzten Bremstrommeln herrühren. Leicht vermeidbar: defekte Glühlampen." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland-Group

Modellempfehlung Mitsubishi Colt 1600 GLX (66 kW/90 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 118 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: 9,3 Liter Super. Werksangabe: 7,2 Liter Versicherung: Vollkasko (22/500 Euro SB): 1168 Euro. Teilkasko (32/150 Euro SB): 216 Euro. Haftpflicht (16): 782 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 180 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 39 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 800 Euro Verlust

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