Fahrbericht Mitsubishi L200

Mitsubishi L200: Fahrbericht

— 21.07.2015

Dieser Truck geht eigene Wege

Der Mitsubishi L200 bekommt nach zehn Jahren einen Nachfolger. Gegen den Trend ist er nicht noch größer, dicker, schwerer als der alte. Ein Fahrbericht.

Größer, schwerer, bulliger? Die neuen Pick-ups der letzten Jahre schienen sich immer mehr an US-Vorbildern zu orientieren. Einstige Grenzwerte wie den früher üblichen Dreimeter-Radstand oder die Fünfmeter-Gesamtlänge haben die neuen Pick-ups von Ford, Nissan, Toyota und auch VW längst überschritten. Das gleiche Wachstum hätte man auch bei Mitsubishi erwartet. Doch der neue L200 hat weiterhin "nur" glatte drei Meter Radstand; die Karosserie wuchs nur im Millimeterbereich; Motor und Wendekreis schrumpften sogar – denn die Entwickler fanden Leichtbau und Verbrauchsreduktion wichtig.

Beim Downsizing bleibt der Mitsubishi bescheiden

Neuer Antrieb: Ein minimal kleinerer Diesel ersetzt den in die Jahre gekommenen 2,5-Liter-Block.

Mitsubishi spricht von einer neuen Pick-up-Generation – und auch wenn das technische Grundkonzept konservativ bleibt, ist der neue L200 mehr als ein Facelift: Kein Bauteil wird vom zehn Jahre gebauten Vorgänger übernommen. Wichtigste Änderung ist zweifellos der neue Motor. Der mit Weiterentwicklungen über die Jahre gerettete alte 2,5-Liter-Diesel geht in Rente; ersetzt wird er durch einen neuen 2,4-Liter mit Leichtmetallblock. Bei genauer Betrachtung ist es nicht ganz so weit her mit dem Downsizing: 2442 statt 2477 cm³ – eigentlich nahm der Hubraum nur um 1,4 Prozent ab. Doch verweist Mitsubishi stolz auf den rund 17 Prozent (oder gut 1 l/100 km) zurückgegangenen Normverbrauch und den entsprechend reduzierten CO2-Normwert, der nun die gesamte Konkurrenz unterbietet. Wie bisher ist der Motor in zwei Leistungsstufen erhältlich – einmal mit 154 (bisher 136) und einmal mit 181 (bisher 178) PS. Bei unseren ersten Testfahrten auf und abseits befestigter Straßen überzeugte der neue Diesel mit williger Gaspedalreaktion und kernigem Durchzug schon bei niedriger Drehzahl.
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Am Arbeitsplatz erlebt der Fahrer eine neue Qualität

Neue Qualität: Der Innenraum des L200 ist im Vergleich zum Vorgänger sorgfältiger verarbeitet.

Das neue Sechsganggetriebe (der Vorgänger musste noch mit fünf Gängen auskommen) erfreut mit exakter Schaltbarkeit und sinnvoll breit gespreizten Übersetzungen. Das alternative Automatikgetriebe – prinzipiell aus dem aktuellen Pajero übernommen – wirkt mit seinen fünf Fahrstufen und dem etwas sämigen Verhalten nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber es arbeitet befriedigend und verfügt mit Sportmodus und Lenkrad-Schaltpaddeln immerhin über moderne Bedienelemente. Große Verbesserungen gab es beim viel sorgfältiger verarbeiteten Innenraum und der Lärmdämmung. Ein samtiger Leisetreter ist auch der neue L200 nicht – aber deutlich weniger rau als der alte. Beim Fahrwerk bleibt der Fortschritt überschaubar: Die hydraulische Servolenkung wirkt indirekt, die geringe Rückmeldung schätzt man im Gelände, weil sie störende Stöße im Lenkrad vermeidet. Auf der Straße wäre mehr Präzision aber nicht verkehrt. Und auch wenn der Pick-up insgesamt kultivierter wirkt: Wirklich komfortabel federn will er unbeladen immer noch nicht.

Sein Allradantrieb macht den L200 in seiner Klasse einzigartig

Echter Permanentallrad und Geländeuntersetzung sorgen beim Japaner für hohe Offroad-Tauglichkeit.

Eine Einzigartigkeit des L200 ist weiterhin das Allradsystem der teureren Versionen: Als Einziger seiner Klasse verfügt der in Thailand gebaute Japaner über die Kombination aus echtem Permanentallrad und Geländeuntersetzung. Das sorgt für Fahr- und Traktionssicherheit besonders auf winterlichen Straßen, ohne dass das Geländetalent leidet. Fürs neue Modell wurde die symmetrische durch eine hecklastige Kraftverteilung ersetzt – was nur bei beladener Ladefläche Vorteile bringt. Das Deutschland-Lieferprogramm (Marktstart 26. September) steht noch nicht endgültig fest; mutmaßlich wird es eine ähnliche Zwangskombination von Aufbauform, Ausstattung und Motor geben wie bisher – nur dass die kaum gekaufte Einzelkabiner-Variante entfällt. Also: den Anderthalbkabiner namens Club Cab in einer einfacheren Version mit 154-PS-Motor, Zuschaltallrad und Handschaltung – oder aber mit 178 PS, Permanentallrad und feinerer Ausstattung; den Doppelkabiner in den gleichen Varianten, zusätzlich aber wahlweise mit Automatik und noch opulenterer Ausstattung.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Autor:

Thomas Rönnberg

Fazit

Respekt: Mitsubishi traut sich, beim allgemeinen Pickup-Wachstum nicht mitzumachen und stattdessen auf Handlichkeit und Spritspartechnik zu setzen. Das kann funktionieren – und bei der Allradtechnik hat der L200 ohnehin weiter die Nase vorn.

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