Mitsubishi Z-Car

Mitsubishi Z-Car Mitsubishi Z-Car

Mitsubishi Z-Car

— 25.04.2002

Dieser Colt zielt auf den Golf

Noch sind es zwei Studien. Aber in zwei Jahren sollen CZ2 und CZ3 Tarmac als Mitsubishi Colt gegen Golf & Co antreten.

Lifestyle statt Langeweile

Wie schnell sich doch die Lage ändern kann. Jahre, nein, Jahrzehnte gaben bei Mitsubishi die Ingenieure und Buchhalter den Ton an. Emotionen sind deren Sache nicht. Nach ihren Vorgaben hatten die Designer ("Wir sind die Sklaven der Techniker") das Auto zu entwerfen. Was dabei heraus kam, wissen wir: in Blech gepresste Langeweile, technisch okay, aber ohne Seele. Ausnahme: der Geländewagen Pajero, der einzige Mitsubishi mit Charakter.

Seit DaimlerChrysler (März 2000) beim ältesten japanischen Autohersteller eingestiegen ist und mittlerweile die Zügel in den Händen hält, fährt Mitsubishi einen komplett anderen Kurs: Veraltete Strukturen wurden aufgebrochen, junges, modernes Denken hielt Einzug. Der Konzern mit dem Drei-Diamanten-Emblem setzt fortan auf Lifestyle, Emotionen, Sport und Dynamik. "Ein Mitsubishi soll anmachen, gekauft werden, weil er sexy aussieht und obendrein besser ist als die etablierte Konkurrenz", sagt Mikael Cazzato (36), einer der Designer, die sich in Trebur um die Zukunft kümmern. Mutige Worte.

Und wie diese Zukunft aussieht, davon erhielten wir ja bereits im vergangenen Jahr einen Vorgeschmack auf der Tokyo Motor Show. Dort drehten sich auf der Bühne der CZ2 und der CZ3 Tarmac, zwei Conceptcars der Kompaktklasse im Format zwischen Polo und Golf. Ob es sich dabei um den neuen Colt handelt, der in genau zwei Jahren in Serie geht, darüber wollten sowohl Mikael Cazzato als auch sein Kollege Omer Halilhodzic (39) keine Auskunft geben. Allerdings verneinten sie auch nicht, dass dieses schicke Auto nicht Colt heißen werde.

Colt und Smart vom selben Band

Fest steht: 2004 fertigt Mitsubishi zusammen mit Smart im holländischen Born am selben Band und auf der gleichen technischen Plattform einen Kompaktwagen. Smart bringt sein erstes viertüriges Modell, Mitsubishi sein, wie sie es heute nennen, Z-Car. Hierfür errichten beide im thüringischen Kölleda ein neues Motorenwerk, in dem modernste Drei- und Vierzylinder-Direkteinspritzer gebaut werden, Benziner wie Diesel.

Vergangene Woche konnten wir nun die Studien CZ2 sowie CZ3 Tarmac genauer betrachten und auf abgesperrter Strecke sogar fahren. Der CZ2 stellt in diesem Duo die zivile Stadt- und Lifestyle-Variante dar, der CZ3 Tarmac fährt klar in Richtung (Rallye-)Sport. Nur vier Monate Zeit hatten Cazzato und Halilhodzic vom ersten Zeichenstrich bis zu den fahrfertigen Conceptcars (aus Carbon und Fiberglas). Aufgabe: die komplette Änderung der Markenphilosophie. Will heißen: Die Autos sollen Flair und Charakter haben, innovativ und agil sein.

Als technische Basis diente die Antriebs- und Bodengruppe des Mitsubishi Space Star, denn eine Plattform des späteren Serienautos gab es noch nicht. Wohl aber eine Maxime: "Alles geht vom Logo aus." Nie wieder soll das Markenemblem (die drei sternförmig angeordneten Diamanten) solch ein Mauerblümchendasein führen und wirken, als würde es am Ende des Fließbands dem Auto einfach an den Grill geheftet. Die beiden Studien zeigen deutlich: Das Emblem bildet fortan das zentrale Gesicht. Seine obere Spitze läuft über in einen Grat auf der Motorhaube und findet sich am Heck in gleicher Struktur wieder.

Retro-Look: durchgehende Sitzbank vorn

Der CZ3 wirkt sehr spannungsreich und dynamisch, was natürlich auch aufs Konto der Räder geht. Die 18-Zöller stehen weit in den Ecken, die Karosserie-Überhänge sind extrem kurz. Die spätere Serienversion des Colt wird allerdings 16-Zoll-Räder erhalten. Größere Dimensionen behält man sich für eine möglicherweise folgende Evo-Version vor. Neuland betreten die Designer im Innenraum. Die Mittelkonsole fehlt, ebenso die dort übliche Gangschaltung. Der CZ2 hat eine durchgehende Sitzbank, die sich bei Bedarf zusammen mit der Rückbank in eine große Liegewiese umbauen lässt.

Geschaltet wird gar nicht mehr. In der Mitte des Armaturenbretts befindet sich ein etwa tassengroßer Drehschalter für die Automatikwählstufen. Darunter ein kleineres Drehrad für die Menüführung von Klima, Audio und Internet in Verbindung mit dem zentral angeordneten Display. Noch sitzen die Analoginstrumente gruppiert wie Satelliten auf der Lenksäule. Doch wird der Serien-Colt die Anzeigen konventionell im Armaturenbrett tragen. Eine praktische Idee sind übrigens die in allen vier Türen herausnehmbaren Ledertaschen und die im Handschuhfach steckende Lunchbox.

Für ein angenehmes Raumgefühl sorgt nicht nur die Van-artige Form der Windschutzscheibe, sondern auch das Glasdach. Es ist kreuzförmig in vier Flächen unterteilt. Jede kann individuell von jedem Sitzplatz aus elektrochromatisch aktiviert werden. Das heißt: Per Stromschaltung lassen sie entweder das Licht durch oder aber bleiben dunkel. Strahlkraft verspricht auch die neue Scheinwerfertechnik, die Mitsubishi zusammen mit Philips entwickelt. Xenon-Generatoren unterm Kofferraumboden produzieren das Kaltlicht, schicken es per Glasfaseroptik nach vorn. Ob so viel Hightech schon bei Serienstart verfügbar sein wird, ist ungewiss. Wahrscheinlicher ist, dass der Colt mit konventionellem Licht fährt.

Hoffentlich packen die Designer die gleiche Innovationskraft auch auf die Rücksitzbank und in den Kofferraum. Denn noch sieht es eng aus hinter der Heckklappe, und eine tiefe innere Kante erleichtert nicht eben das Ein- und Ausladen. Ein Kompaktwagen Baujahr 2004 sollte mit bester Variabilität aufwarten.

CZ3: Mehr Sportwagon als Rallye-Coupé

Kriterien, die den Fahrer des CZ3 Tarmac eher weniger interessieren dürften. Für ihn ist Sportlichkeit Trumpf. So verfügt der Tarmac, der eigentlich ein bisschen wie ein kurzer Sportwagon aussieht, über viele Rennzutaten, die Mitsubishi schon seinem Lancer Evolution einpflanzte. Das geht los beim Allradantrieb mit elektrohydraulischem Mitteldifferenzial und reicht bis zur aktiven Giermoment-Kontrolle an der Hinterachse.

Des Weiteren: Rote Brembo-Bremssättel auf gelochten Scheiben schimmern durch die Speichen der 18-Zoll-Felgen, auf denen superbreite 235er-Reifen montiert sind. Befeuert wird der Tarmac von einem 1,5-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer. Leistung: rund 170 PS.

Auch innen deutet alles auf kompromisslosen Sport hin: Vierpunkt-Hosenträgergurte sowie ein Rallye-Schalthebel in Sequenziell-Optik, der hier allerdings nur ein stufenloses CVT-Getriebe bedient. Aber die reine Antriebstechnik der beiden Studien ist ohnehin nicht von Bedeutung. Was zählt, ist einzig das Design. Und wenn davon möglichst viel in den neuen Colt fließt, braucht sich Mitsubishi eher wenig Sorgen zu machen. Jetzt müssen nur noch die Ingenieure und die Buchhalter ihren Job machen.

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