Mittelklasse-Kombis im Vergleich

Mittelklasse-Kombis im Test

— 16.05.2008

Lust auf Laster

Die Paradepferde der deutschen Mittelklasse sind eigentlich Lastesel. Wenn auch welche mit feinen Manieren. Der neue Audi A4 Avant trifft auf die Edelkombis Mercedes C-Klasse T-Modell und BMW 3er Touring.

Handwerk hat goldenen Boden das war einmal. Wer heutzutage mit ehrlicher Arbeit erfolgreich sein will, muss strampeln. Auch die Autos von Maler Meier und Berufskollegen sind nicht mehr die alten. Kombis, also praktische Transporter mit robustem Anstrich, sind Geschichte. Das wissen wir. Typen wie 3er-Touring oder das C-Klasse T-Modell gehren lngst zu den teuren Lifestyle-Objekten und nicht mehr zu den schnden Lastentrgern. Die Zeiten ndern sich eben. Dass Handwerker es inzwischen schwer haben, liegt an der mden Wirtschaft, an der Politik, an was auch immer. Dass schlichte Kombis zu schicken Prestige-Ikonen wurden, liegt ganz klar an Audi. Die Ingolstdter haben schlielich den Avant erfunden. Mit dem neuen A4 bleibt Audi dieser Designerstck-Tradition natrlich treu. Wir vergleichen ihn als A4 1.8 TFSI mit den etablierten Lust-Lastern 320i und C 180 Kompressor.

Unter 30.000 Euro ist der neue A4 Avant nicht mehr zu haben

Die Audi-Verkufer knnen sich eigentlich schon mal die Hnde reiben. Mit dem neuen, 160 PS starken Avant wird es keine zwei am Anfang des Preises mehr geben. Unter 30.600 Euro geht bei Audi nmlich nichts mehr. Dafr bekommt man aktuell den kleinsten Benziner der als Direkteinspritzer mit Turbo vorfhrt. Der Vierzylinder ist ab Werk an ein Sechsgangschaltgetriebe gekoppelt, im Komfortbereich ist der Avant mit Klimaautomatik, CD-Radio und elektrischen Fensterhebern recht brauchbar ausgestattet. In Sicherheitsfragen kmmert sich der A4 mit sechs Airbags und einem Sitzsystem gegen das Schleudertrauma um seine Passagiere. So weit, so ordentlich. Aber Mercedes legt die Latte hher leider auch beim Preis. Fr mindestens 32.814 Euro bietet ein 156 PS starker C 180 K mehr Komfort und mehr Sicherheit. Zum Beispiel verfgt das T-Modell ber einen zustzlichen Airbag (vor dem Knie des Fahrers), berwacht den Reifendruck, schaltet das Fahrlicht automatisch ein. Aufpreisfrei steht ein Bordcomputer zur Verfgung, auerdem verbessern serienmig beheizte Auenspiegel und eine teilelektrische Sitzverstellung den Wohlfhlfaktor. Lauter Kleinigkeiten? Ja, vielleicht, aber so was kostet bei Audi nun mal Aufpreis der Kostenunterschied relativiert sich also etwas.

Trotz Efficient Dynamics hat der BMW nur einen kleinen Sparvorteil

BMW setzt auf das Sparprogramm "Efficient Dynamics", kann gegen Audi aber nur 0,2 Liter gewinnen.

BMW folgt in der hauseigenen Preispolitik einer ganz anderen Leitlinie. Leistung geht hier vor Luxus. Fr die 31.150 Euro Grundpreis eines 320i fehlen entsprechend wichtige Optionen wie Klimaautomatik (kostet 770 Euro) und sogar eine Dachreling (macht 230 Euro zustzlich). Auch aktive Kopfsttzen und Nebellampen spendiert BMW dem 320i nicht. Da fr eine Portion mehr Mumm: 170 PS. So markiert der Touring die Spitze in diesem Vergleich. Das gilt auch fr die laufenden Posten. Die Fixkosten des 3ers sind hher, speziell die Haftpflicht reit ein Loch ins Budget. Dazu kommt, dass der BMW die serienmige Spritspar-Strategie Efficient Dynamics nicht vollends in einen finanziellen Vorteil umsetzen kann. Denn der Verbrauchsunterschied zum Audi betrgt trotz der Knauser-Technik mit Start-Stopp-System, intelligentem Lichtmaschinen-Management und weiteren Tricks nur 0,2 Liter. Dazu trinkt der BMW Super plus. Selbst beim Wertverlust schneidet der 3er schlechter ab als der Avant. Keine Frage also: Am gnstigsten fhrt man mit Audi. Der Mercedes C-Klasse-Kombi hat in diesem Kapitel ohnehin nichts zu melden. Der wie erwhnt teure aber immerhin durch mehr Extras relativierte Grundpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein hherer Verbrauch, kostspieligere Extras und die Festkosten lassen ihn am Ende abstrzen. Mehr als rgerlich zudem: Die ursprnglich zwei Jahre langen Wartungsintervalle hat Mercedes halbiert. Auch das geht auf lange Sicht ganz schn ins Geld.

Audi verspricht Bestwerte fr das Kofferraumvolumen. In Zahlen heit das: Hinter der Rckbank ist Platz fr mindestens 490 Liter Gepck. Das ist in dieser Klasse eine Ansage. Und mit diesem Wert schlgt der Audi seine beiden Konkurrenten tatschlich. Wenn auch im Falle des Mercedes mit fnf Liter zustzlichem Stauraum nur knapp. Besonders viel Mhe hat sich Audi mit Kleinigkeiten wie einem automatischen Laderaumrollo, den sanft einrastenden Taschenhaken und einer praktischen Boden-Wendematte gegeben. Solche Details erleichtern den Alltag enorm. Aber: hnliche Annehmlichkeiten bieten BMW und Mercedes auch. Speziell der Touring glnzt darber hinaus mit einem elektrisch auslsenden Laderaumrollo, beim 3er-Touring schwenkt zudem die Glasscheibe der Hecklappe separat auf. Bei einem Kombi zhlt aber auch die Flexibilitt. Und natrlich: was reinpasst, wenn die Rckbank umgelegt ist. Hier ist der Mercedes unschlagbar. Das T-Modell schluckt stolze 1500 Liter Gepck. Und das darf zudem eine halbe Tonne schwer sein. Respekt. Der BMW ist nicht unbedingt der beste Packesel. Aber er meint es mit den Passagieren gut. Das Platzangebot im Fond ist deutlich besser als im Mercedes, den rund 20 Zentimeter lngeren A4 kann er ebenfalls auf (Knie-)Distanz halten.

Groer Stuttgarter Reisewagen: In der C-Klasse sitzt es sich vorn wie hinten bequem.

So richtig genieen knnen die Fondpassagiere das Plus an Platz im BMW aber nicht. Denn durch die strker ausgeprgten Seitenwangen der Rckbank sitzen Mitfahrer leicht eingedreht. Das knnen die langen Auflageflchen kaum kompensieren. Und durch die ausladenden Radhausbgen ist der Einstieg nach hinten erschwert. So etwas kennen A4- und C-Klasse-Mitfahrer nicht. Ganz im Gegenteil. In der C-Klasse reist es sich vorn wie hinten bequem, Audi bietet ebenfalls ausreichend Bewegungsfreiheit auf allen Pltzen. Die Sitze des A4 zhlen darber hinaus zu den besten der Klasse. Sie sind straff und bequem gepolstert, glnzen mit ppigen Maen. Mit 4,70 Meter Lnge berragt der Audi die beiden Konkurrenten zwar in Zahlen, der bersichtlichkeit schadet das jedoch nicht. Audi hat dem A4 ein besonders hohes Heckfenster und groe Auenspiegel spendiert. Im Mercedes stren die weit ber die Fondbanklehne herausragenden Kopfsttzen, dem BMW fehlen vor allen Dingen grere Auenspiegel.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

TFSI und Avant heit das Rezept fr den besten deutschen Kombi der Mittelklasse. Ein toller Motor trifft hier auf ein souvernes, praktisches und fahraktives Auto. Der Mercedes gibt den eleganten aber teuren Reisewagen. Und die praktischen Tugenden des T-Modells berzeugen unbedingt. Dem sportlichen BMW steht sein Motor im Weg. Der Vierzylinder passt nicht optimal zum dynamischen Charakter des 3er Touring. Keine Frage dagegen: Das Platzangebot kann keiner berbieten. 

Weitere Details zu den drei deutschen Mittelklasse-Kombis finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleichstest mit allen Tabellen gibt es im Heftarchiv als pdf.
Die Wertung Punkte max. Audi Mercedes BMW
Karosserie
Platzangebot 30 24 23 27
Kofferraum/Variabilität 20 12 13 11
Zuladung (Anhängelast) 20 10 15 10
Sitze/Sitzposition 30 29 28 27
Raumgefühl/Rundumsicht 20 16 16 15
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 26 27 25
Sicherheitsausstattung 30 21 24 19
Qualitätseindruck/Materialien 20 18 17 18
Zwischenergebnis 200 156 163 152
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 19 18 17
Beschleunigung/Vmax 30 24 23 24
Elastizität 20 12 9 10
Fahrverhalten 30 29 28 28
Fahrgeräusche 10 10 9 8
Fahrkomfort 20 17 16 16
Getriebe/Schaltung 20 18 17 17
Lenkung/Wendekreis 20 17 17 18
Bremsen 30 24 24 21
Zwischenergebnis 200 170 161 159
Kosten
Steuer/Versicherung 20 20 15 18
Verbrauch/Umwelt 40 33 30 31
Garantie 20 11 13 9
Wartung 20 16 14 17
Aufpreisgestaltung 10 6 6 7
Wiederverkauf* 10 9 10 8
Grundpreis 80 58 50 59
Zwischenergebnis 200 153 138 149
*ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 479 462 460
Platzierung 1.** 2. 3.
**Preis-Leistung-Sieger

Autor: Jan Horn

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