Mittelklasse-Kombis im Vergleich

Drei Mittelklasse-Kombis im Vergleich Drei Mittelklasse-Kombis im Vergleich

Mittelklasse-Kombis im Vergleich

— 25.03.2002

Mehr als ein Blickfang?

Der Nissan Primera scheint schwer in Form. Doch im Test mit Citroën C5 und Ford Mondeo sieht die Kombi-Sache schnell anders aus.

Drei mit unterschiedlichem Temperament

Sekundenbruchteile entscheiden bei der ersten Begegnung darüber, ob uns jemand suspekt oder sympathisch vorkommt. Sagen die Psychologen. Wenn das stimmt, dann hat der Nissan Primera Traveller schon gewonnen. Silbrig glänzend und mit frischem kantigem Schwung ragt er aus dem Auto-Einerlei heraus wie eine Apollo-Raumkapsel.

Seine dynamischen Linien, eingefroren in eine glitzernde Blechskulptur, prädestinieren ihn eher für die Erdumlaufbahn als für profane Straßen - das soll ein japanischer Kombi sein? Ein Nissan galt bislang als so auffällig wie ein Tetrapack im Kaufhausregal. Wie blass dagegen der Citroën: Einst genügte es, kryptische Kürzel wie DS, CX oder SM in die Runde zu flüstern, und Zuhörer mit Benzin im Blut erstarrten in seliger Andacht. Und heute? Der Blechkoloss Citroën C5 erscheint keine Spur göttlicher als Monica Lewinsky.

Dagegen lockt sogar der Ford Mondeo Turnier mit Frische und Modernität. Stramm und knackig steht er da - durchaus verlockend auch für jene, für die früher ein Ford in der Garage so wenig in Frage kam wie ein Baumwoll-Overall im Büro. Doch Vorsicht: Gegen Liebe auf den ersten Blick hilft oft der zweite. Der Innenraum des Nissan hält optisch noch, was das Äußere verspricht: Das Cockpit mit der zentralen Instrumenteneinheit und der digitalen Bedienung scheint von Neil Armstrong persönlich gestylt. Ein umstrittenes Konzept. Meine Meinung: Ich erblicke hinter dem Lenkrad lieber einen Tacho als eine Plastikplatte, regele die Luftzufuhr schneller an einem Schalter als im lästigen Gestrüpp diverser Untermenüs.

C5: Platz wie in der Honeymoon-Suite

Der Monitor im Primera-Armaturenbrett zeigt in der Top-Ausstattung "tekna" nicht nur Radio-, Klima- oder Statusdaten, sondern per DVD-Navigation auch den Weg durch ganz Europa. Sonst geht es ganz konventionell zu - am Sitzkomfort gibt es nichts zu meckern, es haben zum Glück keine Außerirdischen Probe gesessen. Riesen waren es auch nicht: Der Nissan wirkt im Vergleich mit den Konkurrenten nicht viel geräumiger als eine Mondlandefähre.

Das gilt auch für den Kofferraum, den bescheidensten des Vergleichs. Der Laderaumboden schwebt ganze 65 Zentimeter über der Erde - darüber spannt sich sportlich-knapp das coupéartige Dach. So giert der Traveller nicht gerade nach Kisten und Kommoden. Andere Welt im Citroën C5: Der riesige Laderaum würde in Tokio locker als Hotelzimmer für die Flitterwochen durchgehen. Und im Detail finden sich viele schöne Lösungen, die zeigen, dass die französischen Konstrukteure den Kombi nicht als Last(er) begreifen, sondern als Lust: Per Knopfdruck drückt die Hydropneumatik den C5 dem Möbelpacker entgegen, oder er geht zu Boden (16 Zentimeter Höhenverstellung).

Für schmuddelige Fracht liegt ein Wende-Teppichboden bereit, und das Heckfenster lässt sich separat öffnen. Schön, dass es sie noch gibt, die praktischen Kombis, die ihre alten Tugenden nicht vergessen haben. Im Passagierabteil geht es genauso großzügig zu - bei so viel individuellem Entfaltungsspielraum kann ein Rosenkrieg unter den Passagieren erst gar nicht ausbrechen. Die Vornsitzenden teilen sich die Freude weicher Sitze - und das Leid einer trostlosen Plastikwüste vor Augen.

Mondeo: flink und sehr funktionell

Der Ford Mondeo will Pep in den Laden bringen - und schießt über das Ziel hinaus. Das Sammelsurium von Formen und Materialien lässt echten Stil vermissen. An Funktion mangelt es dafür nicht: Bei keinem anderen im Vergleich passen sich Lenkrad- und Sitzposition so individuell an den Fahrer an - und was hilft einer Beziehung besser über die Jahre als Toleranz? Auch für die schlechten Tage ist man gewappnet: Auf den bequemen Sitzen mit gutem Seitenhalt erträgt man schnelle Kurvenhatz genauso gut wie lange Autobahnetappen.

Platz gibt es fast so viel wie im Citroën. Der Kofferraum des 4,8-Meter-Schiffs ist ebenfalls gewaltig. Witzige Details wie beim Franzosen sucht man aber vergeblich. Das Ladeabteil repräsentiert einfach jede Menge umbauten Raum. Dabei täte etwas Feinarbeit gut: Beim Umklappen der Rückbank entsteht keine ebene Ladefläche. Die Ford-Ingenieure konzentrierten sich auf anderes: auf Fahrdynamik. In seinen Gelenken und Achsen steckt Temperament wie bei Alfa oder BMW. Der komfortable Kölner eilt kurvige Passstraßen so schnell und leichtfüßig hinauf wie ein Verehrer auf den Balkon seiner Geliebten. Wer mit Gepäck reist, sollte tunlichst von den Verzurrösen im Kofferraum Gebrauch machen.

Fazit: Der Mondeo fährt so dynamisch, wie der Primera aussieht. Der gibt sich zwar noch im Stadtverkehr handlich und willig, doch wehe, man verlangt schon bei Landstraßentempo zu viel: Ein zu forscher Dreh am Lenkrad, und das Heck entwickelt ebenso plötzlich wie heftig ein Eigenleben. Das kommt auch deshalb überraschend, weil der Traveller mit seiner unkomfortabel harten Federung den Eindruck sportlicher Anlagen erweckt.

Primera Traveller: wenig PS, aber Dampf

Ganz anders der Citroën, das sanfte Ruhekissen: Er gibt sich kompromisslos als abgehobener Luxus-Dampfer, schwebt förmlich über Bodenwellen. Am liebsten allerdings geradeaus. Sein Heck hat er nämlich kaum besser unter Kontrolle als der Nissan Primera Traveller. Anders als der Japaner vertraut er allerdings auf seinen Vertrag mit der Rettungsorganisation ESP.

Der weich schnurrende, bei hohem Tempo kaum noch wahrzunehmende Diesel passt perfekt zum Wesen des Citroën. Allerdings wünscht man sich mehr Dampf und eine kürzere Übersetzung. Trotz seiner nominell stärksten Leistung von 133 PS wirkt er viel schlapper als der Nissan mit 126 PS. Abwarten lautet die Devise - auf der Autobahn reift das Tempo zur Höchstgeschwindigkeit fast so langsam heran wie ein Camembert zu würzigem Aroma. Der Nissan läuft spritziger und vergräbt sich nicht so lange im Turboloch. An den raueren Umgangsformen kann aber nicht mal der drehzahlsenkende sechste Gang viel ändern.

Den agilsten Motor baut eindeutig Ford. Zwar gebärdet auch er sich nicht so kultiviert wie der Franzose. Aber seine 130 PS reagieren spontan. Wo die anderen sich betulich vorwärts arbeiten und somit kaum mehr als ihre Pflicht erfüllen, entwickelt der Ford-Diesel spürbares Temperament. Auch oberhalb von 120 km/h liefert er ansehnliche Beschleunigungswerte und empfiehlt sich als beste Wahl für die Langstrecke. Die beste Wahl für eine lange Partnerschaft ist er sowieso - auch wenn sich kaum einer nach ihm umdreht.

Fazit und Zeugnis

Fazit Das Design des Nissan weckt hohe Erwartungen - die leider enttäuscht werden. Sein unkonventionelles Cockpit ist an sich gut gemacht, überzeugt funktionell aber nicht jeden. Der Motor bietet bei Temperament und Laufkultur nur Durchschnitt, das unkomfortable und problematische Fahrwerk ist gerade ausreichend. Es fehlen überdies Stärken, mit denen zum Beispiel der C5 viel kompensiert: Er ist zwar lahm und unauffällig, kann aber mit bestechendem Komfort und praktischen Details überzeugen. Das rundum beste Konzept bietet wieder einmal der flotte, fahrsichere und geräumige Ford Mondeo.

Technische Daten und Testwerte

Durchschnitt: die Motoren beim Primera und C5. Flott und fahrsicher ist dagegen der Mondeo unterwegs.

Kosten und Ausstattung

Wer auf den Komfort eines Automatikgetriebes nicht verzichten möchte, kommt am Citroën kaum vorbei. In diesem Vergleich ist er der Einzige, dessen Dieselversion auch mit Automatik bestellt werden kann. Der Preis: ab 29.100 Euro mit der SX-Ausstattung.

Punktetabelle

Sie setzen andere Prioritäten? Lassen Sie die Wertungen weg, die Ihnen unwichtig erscheinen. Und ermitteln Sie so Ihren Sieger.

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