43 Jahre Mondlandung

Mond nahe der Erde

— 14.11.2016

Drei Autos auf dem Mond

Der Mond drängt sich durch seine Nähe zur Erde momentan nächtlich auf. Das bringt die drei Mondautos, die in den 70er-Jahren auf dem Erdtrabanten herumfuhren, ins Gedächtnis. So kamen sie hin.

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein gigantischer Sprung für die Menschheit" – als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 aus seiner Mond-Landefähre steigt, sind er und sein Astronautenkollege "Buzz" Aldrin noch lunare Fußgänger. Erst zwei Jahre später, im Sommer 1971, werden die Mondfahrer mobil. Am 31. Juli 1971 setzt die NASA das erste Mondauto von Apollo 15 auf dem Mond ab. Sein Name: LRV – die Abkürzung für "Lunar Roving Vehicle" (Mondgeländewagen). Ein Auto für die Männer auf dem Mond. Eine technische Sensation.

Apollo 15 sollte geologische Proben mitbringen

Das erste LRV ("Lunar Roving Vehicle") der NASA kommt 1971 mit Apollo 15 auf den Mond.

Am 26. Juli 1971 startet Apollo 15 von Cape Canaveral aus zum Mond. David Scott, Alfred Worden und James Irwin sollen in der Nähe der Hadley-Rille landen. Ziel der Mission: Messungen durchführen und geologische Proben sammeln. Für die lange Zeit im Vakuum bekommen sie bessere Raumanzüge, und für mehr Bewegungsfreiheit ein Auto, das LRV. Bei nur einem Sechstel der Erdanziehung, riesigen Kratern und Gesteinsbrocken so groß wie Kühlschränke kann ein normaler Mensch keine weiteren Strecken laufen. Bei der Landung von Scott und Irwin hängt ihr Mondauto zusammengefaltet der Seite der Landefähre. Ein Fahrzeug, speziell für die Anforderungen auf der Mondoberfläche konstruiert.

Die LRV-Bedienungsanleitung zum Download (38 MB)

Faltbares Aluminiumchassis, zwei Sitze, vier Räder, vier Elektromotoren. Mehr Auto braucht es auf dem Mond nicht.

Der Rahmen des ersten Autos, das außerhalb der Erde unterwegs sein soll, besteht komplett aus Aluminiumrohren und ist für den Transport dreiteilig faltbar. Knapp drei Meter lang und einen Meter hoch, wiegt das LRV nur 210 Kilo. Zwei mit Nylongewebe bespannte Faltsitze bieten Scott und Irwin Platz. 490 Kilo darf das LRV maximal zuladen. Die Räder bestehen aus gewebtem Aluminium mit einer Zickzackleiste aus Titan, die für Traktion sorgen soll. Gummireifen hätten den Belastungen auf dem Mond nicht standgehalten. Anschlaggummis in den Reifen halten das LRV auf Kurs. Vier Elektromotoren mit jeweils 0,25 PS Leistung treiben jeweis ein Rad an. Doppelachslenkung macht das LRV wendig. Gesteuert wird der Mond-Wühler über einen T-förmigen Joystick, der später bei der Steuerung von Elektro-Rollstühlen auch auf der Erde Karriere macht. 

Fieses Fahrverhalten

Trotz aller technischen Mühen: Zuverlässig ist das erste Mondauto nicht. Die Crew von Apollo 15 muss beim Start des LRV feststellen, das die Vorderradlenkung nicht funktioniert. Also wird mit der Hinterachse gelenkt. Ohne Sicherheitsgurte – die passen nicht. Erst für die beiden späteren Missionen werden die Gurte verlängert. Und sie werden gebraucht: Denn die Fahreigenschaften in der Schwerelosigkeit sind wild. James Irwin funkt am 31. Juli 1971 an Houston, das LRV fahre wie "eine Mischung aus einem wilden Pferd und einem Ruderboot bei träger See". Aber die Fahrzeuge sind wertvoll: Ohne die Lunar Rover hätten die Apollo-Missionen nicht viele Zentner Mondgestein sammeln und zur Erde bringen können.  

Fahrbericht: Unterwegs im neuen Mondauto LER

Ein gebrochenes Schutzblech hat auf dem Mond fatale Folgen. Und nirgends ein Pannenhelfer in Sicht.

Vier LRV wurden von Boeing für die NASA gebaut, schon der erste kostet 38 Millionen US-Dollar. Gerade einmal 17 Monate soll die Entwicklung gedauert haben. Apollo 15, 16 und 17 nehmen ein LRV mit zum Mond. Das vierte ist für eine weitere Mission gedacht, die aber nie abhebt. Sieben weitere LRV baut die NASA selbst. Hauptsächlich, um ihre Astronauten auf das Arbeiten mit dem LRV vorzubereiten. So richtig glücklich sind die Mond-Männer nie mit ihrem fahrbaren Untersatz. John Young und Charles Duke von Apollo 16 haben mit überhitzenden Batterien ihres LRV zu kämpfen, die sich mit Mondstaub zusetzen. Am LRV von Eugene Cernan und Harrison Schmitt von Apollo 17 bricht ein Schutzblech – mit einem ähnlichen Ergebnis für die empfindlichen Batterien.

Insgesamt 60 Kilometer auf dem Mond gefahren

Unterm Strich legen die sechs Astronauten mit ihren Mondautos über 60 km auf dem Mond zurück. Die NASA ist sich sicher, dass ohne die LRV unsere Kenntnisse über den Mond längst nicht so detailliert wären. Für die Zukunft planen die Amerikaner für weitere bemannten Flüge zum Mond, nur Zeitplan und Fnanzierung sind noch unsicher. Auf der Erde werden schon Prototypen künftiger Mondautos getestet. Hier ein Blick auf die bisherigen Mondautos und ihre mögliche Enkel.

Autos auf dem Mond: "Lunar Roving Vehicle"

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