Mondeo ST220 gegen Vectra GTS

Ford Mondeo ST220 gegen Opel Vectra 2.8 V6 Turbo GTS Ford Mondeo ST220 gegen Opel Vectra 2.8 V6 Turbo GTS

Mondeo ST220 gegen Vectra GTS

— 13.12.2005

Hut ab, Helm auf!

Weg mit den Vorurteilen über Ford- und Opel-Limousinen: Hier kommen die ganz heißen Mondeo und Vectra, bei denen der Wackeldackel besser einen Helm aufsetzt.

Tiefstapler mit zusammen 456 PS

War da nicht mal was mit Hut und Hosenträgern? Mit Klopapierrollen und Wackeldackel auf der Hutablage? Ja, der Volksmund geht nicht zimperlich um mit dem Ruf mancher Ford- und Opel-Modelle. Ich gebe zu, mich auch schon mal ähnlich markenfeindlich geäußert zu haben. Mondeo- und Vectra-Fans können aber ganz leicht den Spieß umdrehen und dem alten Image davonfahren. Vorausgesetzt natürlich, sie nehmen den Vectra zum Listenpreis von 31.930 oder den Mondeo zu 35.275 Euro.

226 PS (Ford) und 230 PS (Opel) heben das Selbstwußtsein, plötzlich fahren sie mit allen bei Tempo 250 abregelnden Limousinen auf Stoßstangenhöhe. Das Schönste: Egal ob konservativer Viertürer, praktischer Fünftürer oder geräumiger Kombi, die Kraftmeier sind bei Ford für alle drei Karosserie-Varianten zu haben, bei Opel in anderen Ausstattungsversionen. Ich schaute den fünftürigen Schräghecks unters Blech – und bin ehrlich begeistert.

Du steigst ein, und befindest dich in der bekannten Ford-Opel-Welt. Pflaume oder Blitz zieren die lederbezogenen Lenkräder und signalisieren: Keine Experimente, wir bringen dich unaufgeregt von A nach B. Klar gezeichnete Armaturen mit Skalen fast bis Tempo 300 und roten Drehzahlbereichen ab 6500 Touren sowie nahezu maßgeschneiderte Sportsitze verraten aber schon die Ruhe vor dem Sturm.

Werksangaben und Testwerte

Doch auch nach dem Schlüsseldreh zeigen erst mal nur die Drehzahlmesser, daß Leben in die Hubräume gekommen ist. Welche Leistung in ihnen lauert, offenbart der Griff zum Sechsgang-Schalthebel (Opel auf Wunsch auch mit Sechsstufen-Automatik).

Je nach Stimmungslage hetzen die beiden in maximal 7,5 Sekunden auf Tempo 100 oder bummeln superschaltfaul durch Stadt und über Land. Schon bei 60 km/h ziehen sie im sechsten Gang willig davon, den Ford machen seine drei Liter Hubraum so muskulös, den 2,8-Liter-Opel der samtweich einsetzende Schub des Abgasturboladers.

Erinnerungen an selige Zeiten werden wach, als wir statt sechs oft nur drei Gänge hatten und damit vollauf zufrieden waren. Ein Opel Kapitän brauchte dank unendlich elastischer Maschine den ersten Gang eigentlich nur zum Anfahren, für den Rest reichte der dritte.

Kosten und Ausstattungen

Heute sind wir eine Menschengeneration weiter, heute müssen es sechs Gänge sein. Heute müssen simple Abläufe wie etwa die Einstellung der Heizluft kompliziert übers Bildschirmmenü gesteuert werden. Zum Glück haben beide Wagen aber eine Klimaautomatik, die notfalls alles ganz von allein regelt, den Fahrer also nicht ablenkt.

Das dient der Verkehrssicherheit. Ebenso wie die Bremsen. Mondeo und Vectra verzögern so gut, daß man gern mal schneller als normal fährt. Überholwege sind bereits zu Ende, bevor der Vordermann richtig gemerkt hat, daß er bereits Hintermann ist. Autobahn-Einfädelspuren werden zu Startrampen, und bei Höchsttempo 250 wird der Rückspiegel eigentlich nur noch zum Peilen nach den wenigen Supersportwagen gebraucht.

Dafür vermiesen heute natürlich die Preise für Superbenzin den Fahrspaß. Doch bei rund elf Liter Verbrauch und solchen Fahrleistungen kann ich nicht so richtig meckern. Da ärgert mich schon eher das verhältnismäßig hohe Innengeräusch des Mondeo. Beim Opel greife ich sehr oft zum falschen der fünf so nahe beieinander liegenden Drehknöpfe auf der Konsole. Auch hätte ich die breite Seite der geteilt umklappbaren Rückbänke lieber rechts, und den Zuziehgriff der Vectra-Heckklappe hat vermutlich ein Linkshänder konstruiert.

Die AUTO BILD-Wertung

Die Fahrwerke beider Wagen sind allen Anforderungen gewachsen. Bei langsamer Fahrt müssen natürlich leichte Federungshärten hingenommen werden, schließlich sind sie für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Wie perfekt Mondeo und Vectra aber Komfort und Fahrsicherheit verbinden, das hat echtes Oberklasse-Niveau. Präzise Lenkungen, gutes Licht (Ford serienmäßig mit Xenon) und das große Platzangebot machen die Wagen zu idealen Reisemobilen. Mit ein paar Handgriffen werden sie fast zu Kombis, der Opel hat zusätzlich auch noch ein Durchladeloch hinter der Mittelarmlehne.

An Noträder unter der Kofferraumabdeckung haben wir uns wohl alle auch schon gewöhnt, nicht aber an den hohen Wertverlust solch gutmotorisierter Mittelklassewagen. Die Hut- und Hosenträgerfraktion steht wohl auf weniger Leistung – was schade ist. Wer sich darüber freuen darf? Der künftige Gebrauchtwagenkäufer. Und der hat sicher keinen Wackeldackel.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Vectra 2.8 V6 Turbo GTS und Ford Mondeo ST220. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Diether Rodatz

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