Montoyas letzter Abflug

Montoyas letzter Abflug

— 20.07.2006

Das Scheitern des Trotzkopfs

McLaren-Mercedes trennt sich mitten in der Saison von Juan Pablo Montoya. Weil der Kolumbianer sich nie angepasst hat an das Leben und Arbeiten in der Formel 1.

Neun Tage vorm GP Frankreich verkndete McLaren-Mercedes-Pilot Juan Pablo Montoya seinen Abschied in die US-NASCAR-Serie 2007 und sagte: "NASCAR ist Racing, Formel 1 nur Testen. Jetzt fahre ich aber erst mal diese Saison zu Ende." Irrtum: Drei Tage danach wird McLaren-Mercedes-Ersatzpilot Pedro de la Rosa ber seinen bevorstehenden Einsatz informiert. Und am Dienstag vorm Rennen in Magny-Cours sitzt der Spanier schon im Rennsimulator, als sein Team verkndet: In Montoyas Leben gingen so viele Vernderungen vor sich der Wechsel nach Amerika, die anstehende Geburt seines zweiten Kindes , dass man ihm nun die ntige Zeit gebe, sich auf all das vorzubereiten. Ein freundlicher, beinahe mitleiderregender Tritt in den Hintern.

In Magny-Cours existiert Montoya nur noch in der Statistik. Das Team hat Boxenschilder fr die neue Fahrerpaarung Rikknen/ de la Rosa angefertigt, die Pressekonferenzen umbesetzt, die Sitzposition des Rennwagens auf de la Rosa angepasst. Und das, obwohl der Vertrag noch nicht aufgelst ist.

Das war zuviel: Beim GP der USA in Indianapolis schießt "JPM" Teamkellegen Räikkönen ab.

Mit dem Vorwand, Montoyas Formel-1-Prsenz sei einigen Sponsoren wichtig, will Teamchef Ron Dennis dessen NASCAR-Team eine Ablse abringen. Nur dann drfte "JPM" 2006 schon fr Ganassi testen.

Der Rauswurf, er war absehbar. Bereits im Januar hatte sich der Kolumbianer auf Brautschau fr 2007 begeben: "Ich bin auf dem Markt", erklrte er am ersten Arbeitstag nach dem Winterurlaub. Da hatte sein Chef Ron Dennis bereits Alonso als Nachfolger an Land gezogen. Montoyas Seele war tief gekrnkt, sein Selbstvertrauen erschttert. Und so fuhr er dann auch. Allerdings in einem Auto, das konstant zum Untersteuern, also zum Schieben ber die Vorderrder neigte. Fr Montoya Gift. Nur mit viel Haftung an der Vorderachse kann der Geschasste die Kurveneingnge attackieren wie kein Zweiter. Um dann mit leichtem Heck waghalsig die Kurvenausgnge zu durchwedeln. Noch schlimmer fr "JPM": Fr Kimi Rikknen sind solch zickigen Autos kein Problem. Deshalb baute der Finne 2006 seine teaminterne bermacht Rennen um Rennen aus und raubte seinem Widersacher so den Ruf und den letzten Nerv. Montoya verkrampfte zusehens. Teamdirektor Martin Whitmarsh bekannte: "Juan leidet am Kimi-Syndrom." Als er in Indianapolis Teampartner Rikknen aus dem Rennen riss, war das Ma voll. Sein Chef zog die Reileine. Eine kleine Tragdie, denn 2001 war Montoya mit idealen Voraussetzungen gestartet.

Seine Fahrzeugkontrolle war legendr, sein berholinstinkt einzigartig, er galt bald als strkster Qualifyer, als einziger Gegenpol zu Schumi, als ausgewiesener Siegfahrer. Aber auch als klassischer Kraftfahrer alter Schule, einer vom Schlage eines Nigel

Schon länger läuft für "JPM" nicht mehr alles nach Plan. Folge: Sein Teamdirektor zog die Reißleine. Das war es.

Mansell, ein Bleifu Marke Keke Rosberg, ein Zweikampf-Junkie wie Ayrton Senna. Nur fehlte ihm die wichtigste Strke wahrer Champions: Anpassungsfhigkeit. "Anfangs lie er sich noch lenken", verrt sein Ex-Boss Dr. Mario Theissen von BMW, "spter eher nicht mehr." Whrend andere Piloten nach dem Training ihrer trockenen Datenarbeit nachgingen, verwandelte der Latino mit dem Zahnpastalachen das Fahrerlager in seinen Laufsteg. Posierte fr Fotografen, protzte mit neuen Spielzeugen, schkerte mit weiblichem F1-Personal, kmmerte sich mehr um den Kinderwagen von Sohn Sebastien als um sein Rennauto. Bei Auftritten fr Sponsor West stellte er 2005 seine Abneigung gegen den blauen Dunst demonstrativ zur Schau, zuletzt lie er Werbetermine angeblich sogar sausen. "Montoya ist wie ein Neunjhriger", sagt RTL-Experte Christian Danner. "Nur grer."

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