Moskau Motor Show 2012: Rundgang

Lada X-Ray Concept Nissan GT-R Lada Kalina

Moskau Motor Show 2012: Rundgang

— 29.08.2012

Neues aus Lada-Land

Die Moskau Motor Show wird von luxuriösen PS-Protzen erobert. Mittendrin versucht Lada, seine Marktführerschaft zu erhalten. Ein Messe-Rundgang!

Russland, das ist Lada-Land. Mit 19 Prozent führt der just mit Renault/Nissan verheiratete Staatskonzern noch souverän Russlands Zulassungsstatistik an. Doch schon längst haben alle großen Autobauer das 142-Millionen-Volk im Visier. Zu schmackhaft ist der Kuchen, denn während Europa schwächelt, zeigt sich der russische Markt vital wie noch nie. Wenn Lada jetzt nicht reagiert, dann kann die Marke früher oder später einpacken.

Mehr Infos zum Lada X-Ray Concept

Das X-Ray Concept von Lada ist modern und gefällig. Statt Ecken und Kanten gibt es Rundungen wie beim Audi Q3.

Und tatsächlich: Auf der Moskau Motor Show 2012 steht ein echter Lada-Lichtblick! Die Studie X-Ray Concept trifft voll den Zeitgeist, was für einen Lada erst mal ziemlich ungewöhnlich ist. Über den Nutzwert von nur drei Türen und rundlichen Formen mit Sicken ohne Ende kann man streiten – aber dieser Lada ist keine kantige Kiste alter Schule und soll laut Hersteller die optische Linie der gesamten Marke ankündigen. Entworfen wurde der X-Ray von Ex-Volvo-Zeichner Steve Mattin.

Vorstellung: Opel Astra Stufenheck in Moskau 2012

Schon 2013 – so die Prognosen – soll Russland Deutschland als stärkster Automarkt Europas überholen. Die Einkommen steigen, der Sprit kostet gerade mal 70 Cent pro Liter – und die Lust auf Luxus ist enorm. Vor allem die neureichen Geschäftsmänner in Moskau und St. Petersburg lieben deutsche Autos, sie bezahlen gerne in bar, direkt aus der mitgebrachten Plastiktüte. Nach der Herkunft des Geldes fragt hier keiner. Mit dicken Uhren am Handgelenk, langbeinigen Damen und funkelndem Blech demonstrieren die teilweise dubiosen PS-Zaren ihren sozialen Status. Je stärker und größer die Karren, je luxuriöser und teurer, desto besser.

Auto- oder Erotikmesse? Kommt beides hin!

PS-Protz aus Ingolstadt: Audi fährt in Moskau mit dem 550 PS starken R8 V10 plus vor.

Gerade die Verkaufszahlen der Super-SUVs wachsen momentan in den Moskauer-Himmel. "Für den Russen ist das eigene Auto noch wichtiger als das eigene Haus" bestätigt Eugen Körner, Verkaufsleiter eines BMW-M-Händlers in St. Petersburg. Und ergänzt: "Verbrauch oder CO2 interessiert hier keinen Menschen." Also kein Wunder, dass sich auf der MIMS, der Moskau International Motor Show, vor allem die Vollgasbranche pudelwohl fühlt. Auch wenn die Hersteller im Vorfeld des Pariser Salons mit Weltpremieren geizen, ist die Stimmung prächtig – und die Models an den Modellen, so freizügig, dass man glatt denken könnte, auf einer Erotik-Messe gelandet zu sein. Zu dumpfen Bässen schwingen die schlanken Schönheiten im Takt lasziv die kleinen Popöchen samt Sonderausstattung im oberen Abteil. Das lenkt manch Herren geschickt davon ab, dass hier in den Hallen an neuem Blech ansonsten eher tote Hose herrscht.

AUTO BILD saß schon drin: Sitzprobe im neuen Mazda6

Immerhin Mazda bestätigt den Stellenwert des russischen Marktes mit einer eindrucksvollen Weltpremiere. Ihr wichtigstes Modell im Stall, der neue Sechser, dreht sich an der Mokwa erstmals öffentlich auf dem Teller. Auf stattliche 4,86 Meter gewachsen, wollen die Japaner mit dem sportlich-coupehaften Viertürer den zuletzt eher mauen Markt der "bodenständigen" Familienlimousinen anheizen. Russland-Chef Jörg Schreiber rechnet mit 12.000 Verkäufen pro Jahr. Nur in den USA würde Mazda dann noch mehr Sechser verkaufen.

Verbrauch? Interessiert hier keinen Menschen

Messe-Premiere: Opel zeigt erstmals die Stufenheckversion des Astra.

Weitere Weltneuheiten sind Mangelware. Opel zeigt zumindest erstmals den Stufenschnitt des Astra. Ein optisch stimmiger Schrumpf-Insignia mit 460 Liter Gepäckvolumen. Enttäuschend allerdings, die viel zu hohe Ladekante und die schmale Öffnung des Kofferraums. Immerhin sind die Rückenlehnen umlegbar und erweitern das Fassungsvermögen auf maximal 1100 Liter. Die anderen deutschen Hersteller demonstrieren vor allem eines: Power. Bei Mercedes dürfen die PS-hungrigen Oligarchen den neuen GL 63 AMG mit 557 PS bestaunen, bei Audi das R8-Facelift. Porsche, frisch motiviert von einem Verkaufsplus von 67 Prozent, zeigt den Cayenne GTS (420 PS), BMW den aufgefrischten Siebener und VW eine Luxusvariante des Phaeton, eingerichtet von der noblen italienischen Möbel-Designermarke Poltrona Frau.

VW rollt den luxuriös ausgestatteten Phaeton Exclusive Concept auf die Bühne.

Hybriden oder Elektro-Modelle indes stehen hier fast schon verschämt und nahezu unbeachtet im Schatten der Muskel-Mobile, so als wollten sie die gute Stimmung nicht kaputt machen. Die Menschen im real existierenden Sozialismus haben lange genug verzichtet. Putins-Volk ist nicht nach Sparen oder Verzicht, es will Gas geben. Was auf den Straßen Moskaus allerdings kaum mehr als ein frommer Wunsch ist. "Was die Staus angeht", so Mazda-Statthalter Jörg Schreiber "sind wir schon heute Weltmeister."

Autor: Tomas Hirschberger

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