Nicky Hayden sieht die letzten Rennen des Jahres als gute Vorbereitung für 2010

MotoGP 2009

— 03.11.2009

Hayden im Interview: "Es war eine harte Saison"

Nicky Hayden im exklusiven Interview über seine erste Saison bei Ducati, die eingeschränkten Wintertests und MotoGP-Neuling Ben Spies

Der 28 Jahre alte US-Amerikaner Nicky Hayden - wegen seines smarten Auftretens oftmals als Liebling aller Schwiegermütter bezeichnet - kommt als WM-13. zum Saisonfinale nach Valencia. Um noch in die Top 10 der Gesamtwertung vorzustoßen, müsste er im letzten Rennen des Jahres zwölf WM-Zähler mehr als seine Konkurrenten sammeln.

Diese schier unmögliche Aufgabe ist sicherlich mit ein Grund, warum sich "The Kentucky Kid" über seine Endplatzierung in der Weltmeisterschaft 2009 keine Gedanken mehr macht und die letzten Rennen bereits zur Vorbereitung für 2010 heranzieht. Im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' erläutert Hayden, weshalb er im Endspurt der Saison vorausschauend fährt.

Frage: "Nicky, zuletzt haben wir uns in Mugello unterhalten. Wie hat sich seither dein Gefühl für die GP9 entwickelt? Wie kommst du jetzt mit deinem Bike klar?"
Nicky Hayden: "Um einiges besser, als es noch in Mugello der Fall war. Aber bitte erinnere mich nicht mehr daran! Zu Beginn war es wirklich hart und zudem habe ich mich sehr schwer getan. Vor allem tat ich mir schwer damit, das Tempo der anderen fahren zu können."

"Aber jetzt bin ich um einiges konkurrenzfähiger. Mir ist aber auch klar, dass wir uns noch deutlich steigern müssen. Wir haben eine gute Richtung gefunden und es sind auch Fortschritte zu erkennen. Daher traue ich mich zu sagen, dass ich mich um einiges besser fühle."

Frage: "Nach deiner Vertragsunterzeichnung für 2010 muss wohl eine schwere Last von deinen Schulter gefallen sein..."
Hayden: "In erster Linie bin ich froh, einen Job zu haben. So einfach war das aber nicht, denn ich liebe die MotoGP, mir gefällt das Fahrerlager hier und ich sitze wieder auf einer Werksmaschine. All das wollte ich haben und all das liebe ich tun zu können."

"Darüber bin ich sehr glücklich! Jetzt liegt es aber an mir, hinauszufahren und zu bestätigen, dass ich diesen Job verdiene. Gleichwohl bin ich aber auch sehr dankbar dafür."

Der Blick richtet sich auf 2010

Frage: "Würdest du zustimmen, dass das Rennen auf Phillip Island bezeichnend für deine Saison war? Auch in Misano war dein Rennen nach einem guten Start schon früh zu Ende..."
Hayden: "Ja, sicher! Auch Japan kann man an dieser Stelle erwähnen, obwohl ich dort ganz gewiss keinen guten Startplatz hatte und einen schlechteren Start noch dazu. Es ist auch schwer zu sagen, ob in Motegi ein gutes Resultat möglich gewesen wäre. Mit Sicherheit aber in Misano und auf Phillip Island."

"Es war eine harte Saison, denn immer wenn wir dachten, in Schwung gekommen zu sein, wurden wir durch eine unglückliche Situation zurückgeworfen. Wir dürfen aber deswegen nicht den Kopf hängen lassen, sondern wir müssen unsere Blicke nach vorne richten. Im Nachhinein darüber zu reden schmerzt natürlich. Jetzt hilft nur noch, es beim nächsten Mal einfach besser zu machen."

Frage: "Kommen wir noch einmal auf Phillip Island zu sprechen: Woran lag es, dass du nach dem Zwischenfall einige Runden gebraucht hatst, um auf ansprechende Rundenzeiten zu kommen?"
Hayden: "Das lag hauptsächlich am Motorrad. Nach dem Zusammenstoß hatte ich mehrere Probleme damit. Zu einem mit dem Gefühl und andererseits war es ein ziemlich heftiger Aufprall, wobei einiges beschädigt wurde."

Hayden hofft auf einen versöhnlichen Saisonabschluss

Frage: "Im Regen von Sepang lief es gut für dich - du konntest Rang fünf einfahren. Was erwartest du nun vom letzten Saisonrennen in Valencia?"
Hayden: "Meine Leistung in Sepang war zweifelsohne gut. Ich war schon in den Trainings nicht weit von den Spitzenleuten entfernt und konnte auch bei diesen schwierigen Bedingungen ein gutes Tempo fahren. In Valencia möchte ich auf dieser Leistung aufbauen."

"Es wird aber gewiss nicht einfach werden. Zudem möchte ich auch erwähnen, dass ich die letzten Rennen schon als Vorbereitung für nächstes Jahr betrachte. Trotzdem möchte ich diese Saison unbedingt mit einem weiteren guten Ergebnis beenden. Das wäre sicherlich schon auf Phillip Island möglich gewesen, wo ich wirklich gut in Schuss war."

"Ich hatte dort gewiss die Chance auf eine Top-10-Platzierung, zumindest aber wohl auf WM-Punkte. So wie diese Saison für uns verlaufen ist, kann ich aber sehr gut damit leben. Wie schon gesagt, möchte ich auch das letzte Rennen bereits zur Vorbereitung für die kommende Saison heranziehen."

Der Rennfreitag als Knackpunkt

Frage: "Du hast die Vorbereitung für 2010 angesprochen: Könntest du kurz die größten Änderungen an der Desmosedici GP10 erläutern?"
Hayden: "Darüber weiß ich im Moment selbst noch zu wenig. Sicherlich wird es einige kleine Änderungen geben. Auch im Team werden ein paar Änderungen vorgenommen und gewiss auch von meiner Seite. Damit sollte uns im nächsten Jahr ein weiterer großer Schritt gelingen."

"Was ich unbedingt an mir verbessern möchte, ist, schon am Freitag richtig schnell zu sein. In dieser Saison habe ich am Freitag hier angefangen (zeigt mit dem Daumen nach unten; Anm. d. Red.), und wurde dann am Samstag etwas schneller."

"Sonntags, wo ich in den meisten Fällen nicht schlecht war, musste ich dann aber immer von zu weit hinten starten. So war es nur schwer möglich, auf Anhieb einen guten Rhythmus zu finden. Hoffentlich gelingt es mir im zweiten Jahr bei diesem Team, in diesem Bereich einen wirklich großen Fortschritt zu erzielen."

Hayden: Mehr Tests erwünscht

Frage: "Hast du besondere Pläne für diesen Winter, nachdem die Tests weiter eingeschränkt wurden?"
Hayden: "Nein, ich habe keine großen Pläne. Ich möchte einfach nur die Zeit dazu nutzen, um mich bestmöglich auf die kommende Saison vorzubereiten. Bestimmt wird aber auch die Freizeit nicht zu kurz kommen."

"Nach den vielen Reisen - speziell am Ende der Saison - braucht man eine gewisse Zeit, um ausspannen und abschalten zu können. Ich werde dabei viel Zeit mit meiner Familie verbringen und sicher auch mit meinen Freunden. Es macht einfach Spaß, auch einmal nur herumzuhängen."

"Die Wintermonate sind aber auch dazu da, um die körperliche Fitness wieder auf Vordermann zu bringen. Zudem wird es sicher einige PR-Events geben. Vor allem denke ich da an den Januar, wo die Saison für uns eigentlich wieder beginnt - mit einem PR-Termin nach dem anderen. Und Anfang Februar stehen schon die ersten Tests im Kalender."

Frage: "Du bist einer der Piloten, die bei den Testfahrten am härtesten arbeiten und am meisten Runden zurücklegen. Kannst du den Testeinschränkungen überhaupt etwas abgewinnen oder wird dir 2010 etwas fehlen?"
Hayden: "Ganz klar würde ich mehr Tests bevorzugen. Das würde mir und meinen Jungs in der Garage ganz gewaltig helfen. Die Regeln sind nun mal aber so - leider! Die Wirtschaftslage lässt im Moment eben nicht mehr zu, das muss man akzeptieren. Wir müssen aus diesen eingeschränkten Testtagen eben das Beste machen."

Die Erwartungen an Ben Spies sind groß

Frage: "Abschließend noch eine Frage zu Ben Spies: Was erwartest du von deinem Landsmann in der kommenden Saison? Habt ihr euch schon einmal über die MotoGP unterhalten und konntest du ihm einige Tipps geben?"
Hayden: "Ich erwarte mir viel von Ben! Ich denke, er wird von Beginn an schnell sein. Er hat das Richtige gemacht. Meine Erwartungen an ihn sind hoch, zumal er mit diesem Bike, in diesem erfahrenen Team, beste Voraussetzungen vorfinden wird. Aber es wird nicht einfach werden."

"Die MotoGP ist ein sehr schmaler Grat, mit all den Jungs, die hier fahren. Aber er wird sich dieser Herausforderung ganz bestimmt gut stellen. Ich finde sein Kommen perfekt. Es kann auch nur positiv sein, je mehr US-Amerikaner in der MotoGP vertreten sind. Das hilft dabei, die Serie in den USA noch mehr aufzuwerten."

Frage: "Bist du in Vergangenheit schon Rennen gegen ihn gefahren?"
Hayden: "Nein. Wir sind noch nie gegeneinander angetreten."

Fotoquelle: xpb.cc

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