Marco Melandri sorgte in Le Mans für die bisher größte Überraschung des Jahres

MotoGP 2009

— 31.05.2009

Melandri: "Nachts habe ich die besten Ideen"

Exklusivinterview: Nach dem MotoGP-Rückzug von Kawasaki sorgt Marco Melandri unter dem Deckmantel Hayate für sensationelle Leistungen

Mit der Ducati Desmosedici GP8 war der ehemalige 250er-Weltmeister und Vizechampion in der Königsklasse MotoGP im vergangenen Jahr schwer unter die Räder gekommen. Sein Wechsel zum Kawasaki-Werksteam war längst beschlossene Sache, bevor der Deal Anfang September in Indianapolis bekannt gegeben wurde.

Nach einer äußerst schwierigen Saison 2008 freute sich Melandri auf die neue Herausforderung bei den Grünen, doch der werkseitige Rückzug aus der MotoGP bereitete für den 26-jährigen Italiener einen langen Winter voller Bangen und Hoffen. Spätestens aber mit dem sechsten Platz in Japan und Platz fünf eine Woche später in Jerez sorgte Melandri für die Überraschung der laufenden Saison, die mit dem zweiten Platz im Flag-to-Flag-Rennen in Le Mans ihren bisherigen Höhepunkt erreichte. 'Motorsport-Total.com' traf den Hayate-Piloten in Mugello zum Interview.

Furchterregender Winter

Frage: "Marco, diesen Winter wirst du wohl lange nicht vergessen. Es hat lange Zeit danach ausgesehen, dass du eher zuschauen wirst anstatt zu fahren."
Marco Melandri: "Ja, die ganze Situation war sehr furchterregend. Aber jetzt genieße ich die Zeit hier umso mehr. Zu Saisonbeginn, eingeschlossen die Wintertests, das war eine wirklich harte Zeit. Aber mit jeden Rennen kommen wir besser in Fahrt."

Frage: "Seit dem Japan-Grand-Prix lieferst du aber eine Überraschung nach der anderen..."
Melandri: "Um ehrlich zu sein möchte ich dazu sagen, dass wir im Normalfall in der Lage sind, um die Plätze acht, neun herum zu kämpfen. Wir müssen auf jeden Fall auf die Jungs hinter uns eine Sekunde herausholen. Es ist aber schwierig, uns ständig weiter zu verbessern, da ich der einzige Fahrer im Team bin. Aber wenn ich nachts schlafe, fallen mir diesbezüglich die besten Ideen ein."

Frage: "Mit der Podiumsplatzierung in Le Mans hast du dir und dem Team die Latte sehr hoch gelegt..."
Melandri: "Eigentlich war es nur ein Traum von mir, in diesem Jahr einen Podiumsplatz zu erreichen. Als ich in Le Mans einen Blick zu Himmel geworfen hatte, wusste ich, es wird ein schwieriges Rennen. Ich wollte bei den wechselhaften Witterungsverhältnissen wie immer nur mein Bestes geben. Vielleicht bin ich aber ein Spezialist für derartige Bedingungen."

"Ich habe dann das Motorrad sehr früh gewechselt, obwohl es nicht ganz ungefährlich war. Beinahe wäre ich auch an der gleichen Stelle ausgerutscht wie Valentino. Es gelang mir aber, meine Konzentration zu bewahren, und vielleicht hatten wir auch etwas Glück. Es war jedenfalls ein unglaubliches Rennen für mich. Und wie ich zuvor schon angesprochen habe, wird es nicht der Standardfall sein."

Frage: "Wie sehr ist es ein Nachteil für Hayate, dass vom Werk keine Weiterentwicklung kommt?"
Melandri: "Auf der einen Seite ist es gut für uns, dass auch die anderen Werke und Teams in letzter Zeit nicht sehr viel getestet haben. Daher konnten sie im Vergleich zu den vorhergegangenen Jahren weniger Fortschritte machen. Von unserer Seite können wir aber vorerst das Bike bezüglich des Setups noch verbessern."

Werksunterstützung fehlt

"Eine Unterstützung seitens des Werks vermissen wir schon, denn dies wäre natürlich äußerst hilfreich. Vielleicht gelingt es uns, mit guten Resultaten Kawasaki etwas unter Druck zu setzen, um einige neue Teile für das Motorrad anzufertigen. Wir sind jedenfalls mit dem ersten Teil der Saison zufrieden."

Frage: "Das heißt, im Moment müsst ihr mit dem vorhandenen Material Vorlieb nehmen?"
Melandri: "Ja. Wir müssen versuchen, für jedes Rennen dem Bike das bestmögliche Setup zu verpassen, und ich bin ebenfalls gefordert, auf der Rennstrecke mein Bestes zu geben. An dieser Stelle muss man aber auch erwähnen, dass die Ninja ZX-RR dieses Jahres ein um ein Vielfaches besseres Motorrad ist als das Vorgängermodell."

Frage: "Wo wir gerade beim Motorrad sind: Kannst du mit ein paar Worten die Unterschiede zwischen der Ducati und der Kawasaki erklären?"
Melandri: "Ja. Die Ducati ist eine Italienerin und die Kawasaki eine Japanerin."

Frage: "Ist das alles?"
Melandri: "Ja, das macht den Unterschied aus!"

Frage: "Zum Schluss deine Erwartungen für dein Heimrennen hier in Mugello?"
Melandri: "Mugello ist eine besten Rennstrecken der Welt. Das Fahren hier macht unbeschreiblich viel Spaß und Atmosphäre ist auch einzigartig. Leider stand ich hier nach einem MotoGP-Rennen noch nie auf dem Podium. Das stimmt mich etwas traurig. Für das Rennen sind wir uns aber voll und ganz bewusst darüber, dass es schwierig wird. Daher sage ich: Eine Top-10-Platzierung wäre ein gutes Ergebnis."

Fotoquelle: Hayate

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