Altmeister Loris Capirossi denkt noch lange nicht an den Ruhestand

MotoGP 2009

— 12.06.2009

Capirossi: "Die 300 will ich noch voll machen!"

Das große Interview mit Suzuki-Altmeister Loris Capirossi: Der Italiener über die aktuelle Saison, die Zukunft und Persönliches

Loris Capirossi zählt zu den Oldies im MotoGP-Zirkus - und er zählt auch immer noch zu den Schnellsten seiner Zunft. Der 36-jährige Italiener bescherte Ducati 2003 zwar den ersten Sieg in der Königsklasse, um den WM-Titel jedoch konnte er nie mitfahren. Als die Ducati wirklich konkurrenzfähig war, ging Capirossi neben Casey Stoner unter. In seinem nunmehr dritten Jahr bei Suzuki wartet "Capirex" weiter auf den ersten Sieg mit den Blauen, an eine WM-Chance mag keiner mehr glauben. Doch Capirossi kämpft weiter, sein Ziel ist eine Zahl: 300!

Frage: "Loris, bist du mit dem Saisonverlauf soweit zufrieden?"
Capirossi: "Nein, nicht wirklich. Im Gegenteil, ich bin sogar ziemlich enttäuscht, denn nach den Testfahrten vor Saisonbeginn hatten wir gehofft, viel weiter vorne mitzufahren und regelmäßig um Podestplätze und Siege kämpfen zu können. Wir hatten bislang aber noch nie richtig die Zeit gehabt, das Bike wirklich vernünftig auf die jeweilige Strecke abzustimmen. Entweder hat das Wetter nicht mitgespielt, oder die Trainingssitzungen waren zu kurz."

Frage: "Ihr scheint aber von Rennen zu Rennen schneller und besser zu werden?"
Capirossi: "Das stimmt, wir werden permanent besser. Es ist nach wie vor ein großartiges Arbeiten mit dem Team, alle geben ihr Bestes und gehen an die Grenzen. Wir haben jetzt noch neue Teile für Barcelona im Gepäck und ich hoffe sehr, dass uns das noch weiter nach vorne bringen."

Frage: "Du sprichst es gerade an: für Barcelona war doch eigentlich auch ein neuer Motor geplant! Was kannst du uns hierzu sagen?"
Capirossi: "Das stimmt, geplant ist das, aber es steht noch nicht fest ob wir die neuen Teile auch tatsächlich im Rennen einsetzen werden. Das hängt von den letzten Tests und der Datenauswertung ab."

Frage: "Natürlich muss ich auch nach deinen Plänen für 2010 fragen: eine volle Saison, Wildcard-Einsätze oder bist du als Testfahrer dabei?"
Capirossi: "Jetzt konzentriere ich mich erstmal voll auf die laufende Saison, und dann sehen wir weiter. Aber ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich auch nächstes Jahr sehr gerne am Start wäre. Ich möchte unbedingt die 300 Rennen voll machen, bevor ich den Helm an den Nagel hänge, und am Ende dieses Jahres wären es ja erst 299!"

Frage: "Du hast immer betont dass die Reifen ein sehr wichtiger Bestandteil des Gesamtpakets sind. Jetzt fahrt ihr alle mit dem gleichen Pneu. Siehst du das eher als Handicap? Oder anders gefragt, wer ist der Gewinner bei dieser neuen Regel?"
Capirossi: "Ich denke, die neue Regelung funktioniert insgesamt schon ganz gut. Es gibt da aber immer noch eine ganze Menge zu tun und Gott sei Dank haben die Dorna und Bridgestone auch ein offenes Ohr und hören wenn wir Verbesserungsvorschläge bringen. Es ist ja auch schon einiges umgesetzt worden. Aber einen wirklichen Gewinner sehe ich dabei nicht."

Der Blick auf die Konkurrenz

Frage: "Sete Gibernau, ein alter Weggefährte von dir, ist wieder dabei. Ist er immer noch konkurrenzfähig?"
Capirossi: "Das ist schwer zu sagen, denn momentan ist er ja verletzt und eigentlich hatte er bis dato gar nicht genug Zeit sich wieder einzuleben. Warten wir mal ab."

Frage: "Du bist lange für Ducati gefahren und kennst das Team sehr gut. Kannst du sagen, warum sich nach Marco Melandri jetzt auch Nicky Hayden so schwer tut mit der Desmosedici?"
Capirossi: "Ich bitte um Verständnis, aber die Probleme bei Ducati kann ich wirklich nicht kommentieren. Dazu können nur die Fahrer selbst und das Team etwas sagen, die werden schon wissen was passiert ist."

Frage: "Dein ehemaliger Kollege Alex Hofmann ist jetzt als TV-Reporter unterwegs. Wäre das auch ein Job für dich nach der aktiven Karriere? Loris Capirossi als Boxenggassen-Reporter?"
Capirossi: "Oh nein. Wenn ich aufhöre, dann werde ich schön zuhause bleiben bei meiner Familie. Ich bin jetzt unterwegs und mach' das alles mit, aber wenn Schluss ist, dann möchte ich auch nicht mehr an der Rennstrecke sein."

Trubel wie in der Formel 1?

Frage: "In der Formel 1 geht's in diesem Jahr ziemlich turbulent zu. Verfolgst du die Rennen regelmäßig, würdest du dir für die MotoGP auch so viel Trubel auf und neben der Strecke wünschen?"
Capirossi: "Nein, nicht wirklich. Und außerdem finde ich, dass die MotoGP durchaus auch ein ganz abwechslungsreiches Programm bietet."

Frage: "Die Wirtschaftskrise ist derzeit allgegenwärtig, alle sind davon mehr oder weniger betroffen. US-Präsident Barack Obama gilt für viele als der neue Hoffnungsträger. Was hältst du von ihm?"
Capirossi: "Politische Dinge möchte ich eigentlich nicht weiter kommentieren. Obama scheint ein guter Mann zu sein, aber ich denke, erst die Zeit wird zeigen, ob seine Politik wirklich funktioniert."

Frage: "Zurück zum Rennsport: Was sagst du zur neuen Moto2?"
Capirossi: "Oh, ich finde die Idee sehr gut und die Rennen werden bestimmt auch ziemlich spannend und aufregend sein. Andererseits werde ich die 250er schon sehr vermissen, denn sie stehen in meiner Karriere für eine sehr wichtige und erfolgreiche Zeit."

Frage: "Als ein Freund schneller Autos: Hast du eine Lieblingsmarke?"
Capirossi: "Ehrlich gesagt wäre zu schwierig, da einen Favoriten zu nennen - ich mag einfach zu viele verschiedene Marken!"

Frage: "Gibt es noch irgendeine sportliche Herausforderung, die du auf jeden Fall auf dem Zettel hast? Ein Flug mit einem Starfighter, ein Dragster-Rennen oder was auch immer?"
Capirossi: "Nein, nicht wirklich. So extreme Geschichten brauche ich nicht wirklich, ich habe doch meine MotoGP-Maschine, die ist schnell genug, oder?"

Fotoquelle: Suzuki

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