Jorge Lorenzo hat sich zu einem angenehmen Zeitgenossen gemausert

MotoGP 2009

— 12.09.2009

Lorenzo: "Ich musste mich natürlicher geben"

Jorge Lorenzo im Exklusivinterview: Der Ausnahmekönner aus Mallorca spricht über seinem rasanten Aufstieg und persönlichen Wandel

Jorge Lorenzo hat sich mit seinen erst 22 Jahren im Eiltempo zu den Größen in MotoGP-Zirkus emporgearbeitet. In seinem Höhenflug ist der Spanier aber mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben - oder besser gesagt wieder zurückgekehrt, wie er 'Motorsport-Total.com' im exklusiven Interview verrät.

Frage: "Jorge, seit mittlerweile anderthalb Jahren bist du Teamkollege von Valentino Rossi. Was sind deine Eindrücke?"
Jorge Lorenzo: "In erster Linie ist es wirklich schön, einen so schnellen Teamkollegen wie Valentino Rossi zu haben und von ihm lernen zu können. Valentino und auch das ganze Umfeld bei FIAT-Yamaha haben mir bei meinem Aufstieg in die MotoGP wirklich sehr viel geholfen."

Viele Veränderungen in der MotoGP

Frage: "Worin lagen für dich die Schwierigkeiten beim Klassenwechsel von der 250er in MotoGP?"
Lorenzo: "Alles in allem war es sehr schwierig - beginnend mit der Ideallinie, die sich mit einem MotoGP-Bike vollkommen ändert. Danach die Elektronik meiner Yamaha zu verstehen, war ein weiteres hartes Stück Arbeit für mein Team und natürlich auch für mich selbst. Aber wir haben uns sehr schnell weiterentwickelt. Wir hatten von Anfang an eine schnelle Auffassungsgabe, die Materie zu begreifen."

Frage: "Nach einer MotoGP-Saison gab es für dich mit dem Wechsel von Michelin zu Bridgestone erneut eine größere Umstellung. Kannst du diese in einigen Worten beschreiben?"
Lorenzo: "Ja, das war auch nicht ganz ohne! Die Leistung der Reifen unterscheidet sich in manchen Punkten ganz gewaltig. Während die beiden Marken beim Hinterreifen fast keine Unterschiede aufweisen, ist die Differenz beim Vorderreifen sehr groß. Der Vorderreifen von Bridgestone ist sehr viel besser als jener von Michelin."

Frage: "Kommen wir nochmals kurz auf dein Umfeld bei Yamaha zurück. Was ist deine Meinung über die Trennwand in eurer Box?"
Lorenzo: "Wenn ich gefragt würde, ob ich mir aussuchen könnte, diese Wand zu behalten oder zu entfernen, würde ich sagen: Weg damit! Aber letztendlich ist diese Trennwand im Rennbetrieb eigentlich vollkommen unwichtig."

Frage: "Was ist deine Meinung zur Elektronik, die an den heutigen Rennmaschinen zum Einsatz kommt. Spielt dabei zum Beispiel die Traktionskontrolle eine zu große Rolle?"
Lorenzo: "Ich sehe das so: Für uns Piloten ist es meist eine weniger gute Sache, weil durch die Traktionskontrolle die Show leidet. Wir können den Fans weniger Drifts mit rauchenden Reifen bieten. Aber für die Sicherheit im Straßenverkehr, für Leute, die in ihrer Freizeit Motorrad fahren, ist dies natürlich eine gute Sache. Damit können sichere Motorräder hergestellt werden."

Hilfe vom Umfeld

Frage: "Kommen wir auf die Person Jorge Lorenzo zu sprechen. Du hast du sehr viel an deinem Image geändert. Gegenüber vergangenen Jahren, als du noch ein zurückhaltendes und mürrisches Auftreten hattest, bist du jetzt ein offener und zuvorkommender Rennfahrer. Was hat diesen Umschwung bewirkt?"
Lorenzo: "Wenn man sich mit dem Gedanken befasst, etwas ändern zu wollen, dann ist man sich auch bewusst, dass etwas schlecht läuft. Dann braucht man aber auch den Willen zur Veränderung. Bei mir war es so, dass ich mich natürlicher geben musste. Manchmal kann man einfach nicht das sagen, was man denkt, sondern das, was die Leute hören möchten. Dabei haben mir mein Manager Marcos Hirsch und meine Schwester Laura sehr viel geholfen. Ich denke, es ist mir gelungen, gegenüber der Öffentlichkeit ein bei weitem angenehmerer Mensch zu sein."

Frage: "Es kommt auch noch der Wechsel deiner Startnummer hinzu. Wieso hast du dich für die 99 entschieden?"
Lorenzo: "Ich bin der Meinung, dass es unmöglich ist, in jeder Lebenslage 100 Prozent zu erreichen. Und weil ich das nicht erreichen kann, sind eben 99 Prozent mein Lebensziel."

Frage: "Abgesehen von diesen 99 Prozent, was möchtest du in deinem Leben eigentlich noch erreichen?"
Lorenzo: "Vor allem will ich glücklich sein und jeden Moment genießen. Auf sportlicher Ebene möchte ich natürlich schon eines Tages Weltmeister werden. Doch das Leben besteht nicht nur aus Motorradrennen."

Frage: "Wie lange gedenkst du, Motorradrennen zu bestreiten?"
Lorenzo: "Darüber mache ich mir im Moment noch wenig Gedanken. Ich will damit sagen, das ist noch vollkommen offen. Aber es werden sicher noch ein paar Jahre sein. Natürlich nur, wenn ich von schlimmeren Verletzungen verschont bleibe. Der Motorradrennsport ist eben zurzeit das, was ich am liebsten tue."

Frage: "Für deine weitere Zukunft: Besteht Interesse, in den Autorennsport zu wechseln?"
Lorenzo: "Nein, momentan überhaupt nicht! Ich denke, ich habe derzeit genug im Motorradgeschäft zu tun."

Fotoquelle: Yamaha

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