Unermüdlicher Arbeiter: Jorge Martinez' Erfolg kommt nicht von ungefähr

MotoGP 2009

— 29.09.2009

"Aspar" Martinez: "Arbeit ist meine Erfüllung"

Jorge Aspar lebt für den Sport: Bei den 125ern winkt der Titel, bei den 250ern steht die Umstellung auf Moto2 an und 2010 erfüllt sich der MotoGP-Traum

Wenn alles nach Plan läuft, ist eigentlich kaum zu bezweifeln, dass Jorge "Aspar" Martinez mit seinem Team in diesem Jahr erneut den Titelgewinn in der 125er-Weltmeisterschaft feiern kann. Und auch in der 250er-Klasse ist die Weltmeisterkrone zumindest rechnerisch noch erreichbar. Es könnte die bisher erfolgreichste Saison des ohnehin schon erfolgreichen Teams werden. Doch Martinez blickt auch schon nach vorn: 2010 steigt seine Mannschaft als Ducati-Satellitenteam in die MotoGP auf. Und es laufen schon die Vorbereitungen für die Umstellung von der 250er-Klasse auf die Moto2.

Frage: "Demnächst stehen die nächsten Moto2-Tests an. Es scheint weiterhin alles noch ein bisschen in der Entstehungsphase zu sein..."
Jorge Martinez: "Es ist ein neues Projekt und deshalb bringt es viele Veränderungen mit sich. Ich bin gespannt, wie die vielen Maschinen der verschiedenen Projekte sich auf der Strecke machen: Aprilia, Moriwaki, Queroseno, Suter, Bimota und so weiter. Ich denke aber, dass wir noch genügend Zeit haben, vor allem, weil wir dank des neuen Reglements im Dezember testen dürfen."

Frage: "Was erwarten Sie sich von der Moto2?"
Martinez: "Ich denke, dass alles recht ausgeglichen sein wird und es zwischden den Topbikes an der Spitze keine großen Unterschiede geben wird. Natürlich kann es auch Projekte geben, die die Erwartungen nicht erfüllen, aber das werden nicht viele sein. Ich bin mir sicher, dass die etablierteren Teams ihre Erfahrung zu ihrem Vorteil nutzen werden, vor allem die Fahrer. Aber bei da die Ausgangslage wegen des Motors und auch wegen des Chassis bei allen weitgehend gleich ist, ist der Fahrer der wichtigste Faktor, was die Rundenzeiten angeht."

Frage: "Aller guten Dinge sind drei: Es sieht so aus, als ob Ihr MotoGP-Traum endlich in Erfüllung geht..."
Martinez: "Es sind so aus! Wir werden endlich in der MotoGP antreten und ich kann es kaum erwarten, bis ich unser Bike nach dem letzten Grand Prix der Saison in Valencia auf der Strecke sehen werde."

Frage: "Was bringt dem Aspar-Team die Teilnahme an der MotoGP?"
Martinez: "Das bringt einiges. Ich denke, dass man vor allem glaubwürdig und stark wirkt, wenn man in der MotoGP fährt. Wir können unseren Sponsoren auf diesem Weg direkten Kontakt zu internationalen Marken und der Welt des Motorradrennsports bieten. Für uns und für unsere Fahrer ist es die Leiter bis ganz nach oben."

Ohne die Mitarbeiter geht es nicht

Frage: "Bereitet es Ihnen schlaflose Nächte, dass Sie das größte Privatteam im Paddock leiten?"
Martinez: "Es ist natürlich nicht einfach, ein so großes Team zu führen und es ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Ich habe mehr als einmal darüber nachgedacht, was für ein harter Kampf es wird, ein Ingenieursteam zusammenzustellen und ein so großes Budget zusammenzubekommen. Es gibt viel zu tun. Es wird nicht einfach, mit einem so großen Team in allen drei Kategorien anzutreten und wir werden hart arbeiten müssen."

Frage: "Härter als bisher?"
Martinez: "Um ehrlich zu sein, ist die Arbeit in meinem Leben die Erfüllung. Mein Vater hat immer gesagt: 'Arbeite, dann wirst du nichts anderes wollen.' Das ganze Team, mich eingeschlossen, gönnt sich keine Pause und es macht mich sehr glücklich, dass die Aufopferung und die Konstanz dieser großartigen Mannschaft dazu führen, dass wir jedes Jahr noch größer und noch konkurrenzfähiger werden."

Frage: "Ist diese Loyalität der Mitarbeiter der Schlüssel dazu, alles zu erreichen, was Sie sich vornehmen?"
Martinez: "Es wäre fraglos unmöglich, nach vorn zu kommen, wenn ich nicht so viel technische und menschliche Unterstützung. Jeder kann sich große Ziele stecken oder Projekte auf die Beine stellen, die kurzfristig erfolgreich sind. Aber um über eine so lange Zeit erfolgreich zu sein, braucht es die Zusammenarbeit eines großartigen Teams. Ohne wäre es absolut unmöglich, so viel zu leisten, wie wir das nun tun."

Frage: "Ist die Tatsache, dass sie einen Fahrer aus Valencia in der MotoGP haben werden, das Sahnehäubchen?"
Martinez: "Da ich selbst aus Valencia bin, ist es für mich etwas Fundamentales, einen Fahrer aus derselben Stadt in meinem Team zu haben. Wenn er noch dazu ein großartiger Pilot ist, wie das bei Hector Barbera der Fall ist, ist das umso besser. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir in der MotoGP langfristig zusammenarbeiten werden."

Julian Simon, der 125er-Überflieger

Frage: "Hätten sie nach den Wintertests erwartet, dass Julian Simon so gut in Form sein wird?"
Martinez: "Die Saison selbst verläuft nicht immer so wie die Wintertests. Manchmal fängt man richtig stark an und wird dann von anderen Fahrern und Teams eingeholt. Oder sie machen größere Fortschritte als man selbst. Julian war vom ersten Tag an unglaublich solide und es war sehr beeindruckend, wie er sich selbst eingestellt hat. Er hat auf einem höheren Niveau angefangen als alle anderen und ich bin mir sicher, dass er zu Saisonbeginn gedacht hat, dass er jedes Rennen gewinnen kann."

"Doch er hat gelernt, dass man manchmal auch Opfer bringen muss und dass er auch einen zweiten oder gar vierten Platz akzeptieren muss, wenn es nötig ist. Vielleicht hat sich seine Einstellung nach dem Fehler in Jerez geändert. Als Team sind wir mit ihm sehr zufrieden, denn er entwickelt sich zu einem sehr kompletten Fahrer."

Frage: "Betrachten Sie ihn auch schon als Weltmeister, so wie das der Rest des Fahrerlagers tut?"
Martinez: "Er hat in der 125er-WM in diesem Jahr eine deutliche Überlegenheit an den Tag gelegt und er war einen Schritt weiter als alle anderen. Falls nichts Außergewöhnliches passiert - man hat im Rennsport keine Garantien - dann sollte ihm der Weltmeistertitel sicher sein."

Bautista muss aufwachen

Frage: "Für Alvaro Bautista sollte die Aufgabe schwieriger sein - aber ist es eine unmögliche Aufgabe?"
Martinez: "Ich bin sicher, dass Alvaro auf den Tisch hauen, sauer auf sich selbst sein und noch aggressiver attackieren wird. Ich muss zugeben, dass bei manchen Rennen ich der Erste war, der ihm gesagt hat, dass er klug agieren soll, herausfinden soll, wer sein Hauptgegner ist und gegebenenfalls konservativ fahren soll. Jetzt ist es aber an der Zeit, aufzuwachen und einen Schritt nach vorn zu machen. In Misano haben wir diese Seite von Alvaro zum Glück erlebt."

Frage: "Wir bewerten Sie die Saison ihrer anderen 125er-Piloten?"
Martinez: "Sergio Gadea hatte einen durchschnittlichen Auftakt, dann hat er sich gefangen und war in der Mitte der Saison sensationell. In den letzten drei Rennen hatte er nicht viel Glück. Aber ich denke, dass er sich zum Vorjahr sehr gesteigert hat. Denn er hat gelernt, das Blatt zu wenden, sich zurückzumelden und stark zu sein."

"Ähnlich ist es bei Bradley Smith. Er war auf manchen Strecken sehr schnell unterwegs, auf anderen nicht. Es war vielleicht das erste Mal, dass sie auf jeder Strecke die Möglichkeit hatten, mit um den Sieg zu kämpfen, und das ist für einen Fahrer am Anfang auch nicht so einfach."

Frage: "Wie war es bei Mike di Meglio?"
Martinez: "Er hat einen fantastischen Start in die Saison hingelegt, aber dann hatte er den Sturz in Japan und in Jerez Probleme mit seinem Arm, was ihn eine Zeit lang zurückgeworfen hat. Es war schade, dass eine Reihe Dinge passiert sind, die verhindert haben, dass er so explodiert, wie wir erwartet hatten. Glücklicherweise fühlt er sich auf dem Bike immer besser, er wird schneller und ist ein kompletterer Fahrer. Hoffentlich kann er am Saisonende wieder in die Nähe der Spitze fahren."

Frage: "Können Sie uns die Fahrstile Ihrer einzelnen Fahrer beschreiben?"
Martinez: "Julian fährt sehr aggressiv und bremst sehr gut. Man kann sagen, dass er gern die Front des Bikes spürt und seine Sitzposition passt vielleicht besser für eine größere Kategorie als für die 125er. Smith lässt das Bike viel mehr laufen, er fährt sanfter und mag gern einen höheren Kurvenspeed - er bremst nicht so extrem wie Julian."

"Gadea ist vielleicht der Aggressivste der drei und derjenige, der sich auf dem Bike am meisten bewegt. Alvaro fährt sehr sanft, er arbeitet extrem hart und ist im Training sehr konstant. Vielleicht mangelt es ihm ein bisschen an Aggressivität. Mike hat sich sehr verbessert und er nimmt auf der Maschine eine Position ein, die ich sehr mag, da er die Front belastet. So kann man das Bike sehr gut kontrollieren."

Fotoquelle: Aspar

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