Casey Stoner ist zwar noch nicht ganz fit, wagt aber in Estoril sein Comeback

MotoGP 2009

— 29.09.2009

Stoner gerüstet für ein schwieriges Comeback

Casey Stoner wird mit Salztabletten behandelt und rechnet nicht damit, in Estoril gleich wieder vorn mitzufahren - Kollege Nicky Hayden ist da anderer Meinung

Die lange Zeit des Wartens ist vorbei: Am kommenden Wochenende gibt Ducati-Pilot Casey Stoner im portugiesischen Estoril nach drei Rennen Zwangspause sein Comeback in der MotoGP. Sein Ducati-Team musste seit Ende Juli gleich an zwei Fronten arbeiten: Zum einen wurden gemeinsam mit den Ärzten in Australien die Fortschritte beobachtet, die Stoner in seiner Genesung machte, zum anderen wurde mit Nicky Hayden die Entwicklung der Desmosedici fortgesetzt.

In den vergangenen beiden Monaten hat Stoner eine Reihe medizinischer Tests durchlaufen. In seiner Heimat Australien wurde er von Sportarzt Dr. Neil Harpin, Facharzt Dr. Jeremy Coleman, dem Endokrinologen Dr. Harry Grünstein und dem Kardiologen Prof. Jonathan Silderberg behandelt. Dieses Expertenteam stand in engem Kontakt mit dem Prof. Fabio Catani, dem langjährigen Ducati-Teamarzt und Spezialisten für Pathologie und Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie Dr. Claudio Macchiagodena von der Clinica Mobile.

Nach diesen Tests lässt sich laut Ducati ausschließen, dass Stoner an Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen leidet. Es gab auch keine Hinweise auf einen Virus oder eine Infektion. Die Untersuchungen von Prof. Silderberg und Dr. Coleman ergaben jedoch, dass Stoner unter niedrigem Blutdruck und Natriummangel leidet. Die Ärzte glauben, dass dies die Hauptursache für Stoners gesundheitliche Probleme ist.

Alle Ärzte waren sich nach den Tests einig, dass Stoner übertrainiert war und dass die Nachwirkungen der Verletzungen und Operationen der vergangenen Jahre zu körperlicher Schwäche und Erschöpfung geführt haben. Sie betonten auch einstimmig, dass die Zwangspause, die dem Ducati-Piloten Ende Juli verordnet wurde, unumgänglich war, um eine weitere Schwächung zu verhindern.

Bei der abschließenden Untersuchung, die vergangene Woche vor Stoners Abflug aus Australien durchgeführt wurde, kamen die Ärzte zu folgendem Schluss: Stoner hat sich zwar noch noch nicht völlig erholt, aber er ist körperlich in einem besseren Zustand als im Juli und mit 60 Kilogramm hat er fast wieder sein Idealgewicht erreicht. Stoner wird auch am Wochenende weiter medizinisch überwacht. Mit einem neuen, natriumreichen Ernährungsplan sollen zudem sein Blutdruck erhöht und seine Muskelfunktionen verbessert werden.

Die Erwartungen sind gering

"Ich freue mich wirklich schon auf das Rennwochenende. Drei Rennen Pause ist in meinem Leben die bisher längste Zeitspanne, in der ich nicht gefahren bin. Es war sehr schwierig, den Rat der Ärzte zu befolgen und keine Rennen mehr zu bestreiten", räumt Stoner ein. "Bisher bin ich sogar verletzt angetreten, zum Beispiel bei den letzten Rennen im vergangenen Jahr, als mein Handgelenk gebrochen war."

"Aber diesmal war es wirklich unmöglich und das hat mir natürlich für mein Team sehr leid getan", fährt der Australier fort. "Jetzt freue ich mich darauf, das Team und alle anderen wiederzusehen. Ich hoffe, dass ich konkurrenzfähiger bin als zuletzt, aber das müssen wir noch abwarten. Die Ärzte geben mir Salztabletten, damit sich meine Natriumwerte erhöhen. Ob das hilft, wird sich zeigen. Während des Wochenendes werden wir mehr erfahren."

Stoner weiß, dass sein Comeback schwierig wird: "Zunächst wissen wir nicht, wie es laufen wird, da ich so lange nicht mehr auf dem Bike gesessen bin. Meine Muskeln werden eine Weile brauchen, bis sie wieder rennfit sind. Aber wie gesagt: Ich freue mich darauf, wieder zurückzukommen und wieder mit der Maschine zu arbeiten. Ich schaue nach vorn."

Teamkollege Hayden hält Stoners Erwartungen für untertrieben. Der Amerikaner rechnet mit einem starken Comeback: "Es ist großartig für das Team und für die Serie, dass Casey wieder dabei ist. Ich bin sicher, dass er mindestens so schnell ist wie zuvor! Für mich wird es jetzt noch schwieriger, in die erste Reihe oder auf das Podium zu fahren!"

Neue Verkleidung für die Desmosedici

"Wir freuen uns sehr, dass Casey zurück ist. Wir hatten nie einen Zweifel daran, dass er in Estoril wieder bei uns ist", ergänzt Teamchef Livio Suppo. "Wir wissen, dass er noch nicht zu 100 Prozent fit ist. Wir hoffen einfach, dass er während der letzten vier Saisonrennen schrittweise zu seiner alten Stärke zurückfindet und dass er gemeinsam mit Nicky helfen kann, das Bike weiterzuentwickeln."

Ducati hat in Estoril ein paar Neuerungen im Gepäck, unter anderem eine neue Verkleidung, die das Bike bei starken Winden und schnellen Richtungswechseln kontrollierbarer machen soll. Und was Hayden angeht, hofft Suppo, "dass nach Misano das Glück zu ihm zurückkommt. Denn er hat sich während der Saison kontinuierlich gesteigert und ich bin sicher, dass er diesen Trend am Wochenende fortsetzen kann."

Hayden hat die lange Pause vor Estoril damit verbracht, zu trainieren und sich zu erholen. Auf Reisen ist er nicht gegangen: "Wenn man so viel unterwegs ist wie wir, dann sind ein paar Wochen zu Hause Gold wert", sagt der Amerikaner. Der Speed, den er in den vergangenen Rennen an den Tag legen konnte, stimmt ihn auch für Estoril zuversichtlich.

Ein bisschen schwierig könnte es nur werden, weil man dieses Mal zu einer anderen Jahreszeit in Estoril ist und weil der letzte Auftritt der MotoGP auf der Strecke schon fast eineinhalb Jahre her ist, so Hayden. "Die Strecke selbst ist nichts Besonderes, aber ich mag sie", erklärt der Amerikaner. "Sie ist ein bisschen eng und hat die vielleicht engte und langsamste Schikane des gesamten Kalenders, aber es gibt einen tollen Fünfter-Gang-Bogen auf der Gegengerade und die letzte Kurve ist auch sehr lang und echt cool."

Fotoquelle: Ducati

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