Am kommenden Wochenende startet in Katar die neue MotoGP-Saison

MotoGP 2010

— 07.04.2010

Saisonvorschau: Wer kann Rossi schlagen?

'Motorsport-Total.com' blickt voraus auf den Saisonauftakt der MotoGP: Im 17 Fahrer kleinen Teilnehmerfeld tummeln sich immerhin 13 Weltmeister

Nach fünf Monaten Winterpause geht es am kommenden Wochenende endlich wieder los - die MotoGP startet in Doha in ihre neunte Saison. Der Kalender der Saison 2010 umfasst 18 Rennen, darunter allein vier Grand Prix in Spanien. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren bildet das Flutlicht-Rennen auf dem Losail International Circuit in der Wüste Katars den Auftakt. Das Finale findet wie gehabt im November in Valencia statt. Neu dabei ist die Strecke in Aragonien bei Alcañiz, die den nach wie vor nicht fertiggestellten Balatonring ersetzt.

Trotz der langen Rennpause wurde in diesem Winter so wenig getestet wie nie. Auch in der MotoGP muss gespart werden, weshalb sämtliche Stammfahrer im neuen Jahr an lediglich sechs Tagen ihre neuen Maschinen testen durften. Der dominierende Pilot war dabei Titelverteidiger Valentino Rossi, der an fünf der sechs Tage die jeweilige Bestzeit fuhr. Nur Casey Stoner schaffte es am letzten Testtag in Katar, den Weltmeister einmal knapp zu übertrumpfen.

Damit ist bereits einiges über das gegenwärtige Kräfteverhältnis in der MotoGP gesagt: Yamaha-Pilot Rossi scheint auch nach neun gewonnenen WM-Titeln kein bisschen müde zu sein und hat sich akribisch auf die neue Saison vorbereitet. Filippi Prezioso, Generaldirektor von Ducati Corse, sah Rossi bei den Testfahrten sogar schon im "Qualifikationsmodus". "Er ist aggressiv und motiviert. Die Situation ist zweifellos etwas beängstigend", so der Ducati-Boss.

Ducatis Antwort auf Rossis beängstigende Frühform soll vor allem in Person von Stoner gegeben werden. Der Weltmeister von 2007 hat sich nach seiner krankheitsbedingten Pause im Spätsommer des vergangenen Jahres bereits gegen Ende der letzten Saison mit zwei Siegen eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Tagesbestzeit beim abschließenden Test vor dem Saisonstart zeigt, dass mit Stoner jederzeit zu rechnen ist. Außerdem scheint die Desmosedici GP10 Dank des neuen "Big-Bang"-Motors fahrbarer zu sein als ihre Vorgängerin.

Lorenzo angeschlagen, Pedrosa mit Problemen

Hinter den beiden Top-Stars ist die Lage vor dem ersten Rennen des Jahres dagegen etwas unklarer. Vize-Weltmeister Jorge Lorenzo hat sich während seiner Saisonvorbereitungen den Daumen gebrochen und musste sogar operiert werden. Rossis Teamkollege verpasste dadurch den zweiten Test in Sepang und war zuletzt sichtbar angeschlagen. "Ich brauche noch mehr Zeit, um mich zu hundert Prozent von meiner Verletzung zu erholen, aber immerhin kann ich in Katar fahren", so Lorenzo.

Das vierte Mitglied der bisherigen Top 4 der MotoGP, Dani Pedrosa, scheint momentan ebenfalls kein ernsthafter Anwärter auf Rennsiege zu sein. Zwar geht der Honda-Pilot endlich mal wieder vollkommen verletzungsfrei in eine neue Saison, war aber dafür bei den jüngsten Tests sehr weit von der Spitze entfernt. Offenbar kommt Pedrosa mit der Umstellung auf das neue Öhlins-Fahrwerk der Honda noch nicht zurecht.

Dovizioso bester Honda-Pilot

Im Gegensatz dazu kommt Pedrosas Teamkollege Andrea Dovizioso der Spitze, sprich Rossi und Stoner, immer näher. Der Italiener vollzog die Umstellung auf Öhlins bereits im Verlauf der vergangenen Saison. Dieser Schritt scheint sich nun auszuzahlen, Dovizioso ist gut drauf uns sagt: "Ich denke, wir können mit unserer Saisonvorbereitung zufrieden sein."

Mit dieser Einschätzung steht Dovizioso im Honda-Lager derzeit ziemlich alleine da. Denn neben Pedrosa kamen auch die beiden Gresini-Fahrer Marco Melandri und Marco Simoncelli bei den Testfahrten mit der neuen Honda RC212V nicht besonders gut zurecht und balgten sich mit einem weiteren Honda-Piloten, Rookie Hiroshi Aoyama, zumeist auf den hintersten Plätzen.

Fünfeinhalb Rookies

Das Thema Rookies ist überhaupt ein gutes Stichwort, wenn man das Teilnehmerfeld der MotoGP in diesem Jahr betrachtet. Neben Simoncelli und Aoyama bestreiten auch Álvaro Bautista, Héctor Barberá, Aleix Espargaró und Ben Spies 2010 ihre erste volle Saison in der "Königsklasse". Superbike-Weltmeister Spies zieht dabei zweifelsohne die meisten Blicke auf sich, schließlich wird er bereits jetzt als möglicher Nachfolger Rossis oder Lorenzos im Yamaha-Werksteam gehandelt.

Doch zunächst soll Spies an der Seite seines US-amerikanischen Landsmannes Colin Edwards im Tech-3-Team zu einem Spitzenfahrer in der MotoGP heranreifen. Dass Spies das Potenzial dazu besitzt, hat er bereits bei seinen Wild-Card-Einsätzen in der Vergangenheit und auch während der jüngsten Wintertests angedeutet. Damit hebt sich der Texaner auch von seinen Rookie-Kollegen deutlich ab, die allesamt den Sprung aus der gerade dahingeschiedenen 250er-Klasse in die MotoGP wagen und noch mit mehr oder weniger großen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen haben.

Zwei neue Teams

Trotz der fünfeinhalb Fahrer-Neulinge (Espargaró stieß bereits während der Saison 2009 zum Pramac-Team) hat sich das Teilnehmerfeld insgesamt nicht vergrößert. Die MotoGP ist nach wie vor ein (zu) kostspieliges Vergnügen, das Scot-Team und Hayate-Kawasaki zogen sich am Ende der vergangenen Saison zurück. Sie werden durch das neue Interwetten-Team des Schweizers Daniel Epp und dem MotoGP-Projekt der Aspar-Mannschaft ersetzt.

Epp bringt mit 250er-Champion Aoyama den einzigen Japaner des Fahrerfeldes an den Start und kann sich daher über die Unterstützung Hondas freuen. Für Hondas Rennabteilung HRC ist dieses Engagement angesichts der Verdienste Aoyamas in der jüngeren Vergangenheit - Stichwort: WM-Titel bei den 250ern gegenüber der Aprilia-Übermacht - sicherlich eine Ehrensache.

Capirossi vor 21. Grand-Prix-Saison

Jorge Martínez' Aspar-Team wagt nach zahlreichen Erfolgen in den kleineren Klassen gemeinsam mit Ducati und Barberá ebenfalls den Sprung in die MotoGP. Ob im Laufe des Jahres noch weitere Teams hinzustoßen, ist noch unklar. FB Corse bemüht sich bekanntlich seit rund einem Jahr um einen Startplatz und hat in Person von Garry McCoy immerhin einen erfahrenen Piloten unter Vertrag.

So bleibt es bis auf weiteres bei 17 Piloten, von denen 13 immerhin schon mindestens einen Weltmeisterschaftstitel in einer der Grand-Prix-Kategorien oder bei den Superbikes gewinnen konnten. Der erfahrenste von allen ist eindeutig Loris Capirossi, der beim Saisonauftakt in Katar seinen 300. Grand Prix bestreiten wird. Vom Rentnerdasein will der Suzuki-Pilot vor seiner 21. WM-Saison noch überhaupt nichts wissen: "Vielleicht wird dies immer noch nicht meine letzte Saison sein."

Fotoquelle: Bridgestone

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