Ben Spies arbeitet hart an der Umstellung von einem Superbike auf die MotoGP

MotoGP 2010

— 24.05.2010

Spies vergleicht MotoGP gegen Superbike

Weltmeister Ben Spies ist der beste Ansprechpartner wenn es um den Vergleich zwischen MotoGP und Superbike geht

Mit viel Spannung wurde der Umstieg von Ben Spies von den Superbikes auf die MotoGP-Yamaha erwartet. Das Fazit der ersten drei Rennen seiner Rookie-Saison fällt durchwachsen aus. Platz fünf beim Saisonauftakt in Katar ist bis dato die einzige Zielankunft. In Jerez musste der Texaner aufgeben und in Le Mans fand er sich im Kiesbett wieder. Zusammen mit seinem langjährigen Renningenieur Tom Houseworth analysiert Spies die Unterschiede der beiden Weltmeisterschaften.

Vor Saisonbeginn überraschte Spies mit der Aussage, dass ihm ein Podium in der MotoGP mehr bedeuten würde, als sein Superbike-Titel. "Das soll keine Geringschätzung sein, aber ein Podestplatz gegen Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Casey Stoner und Dani Pedrosa zu erobern, würde mir mehr bedeuten. Sie alle fahren zu 100 Prozent", so Spies gegenüber 'SpeedTV.com'. Deshalb ist ein Top-3-Ergebnis das Saisonziel des 25-Jährigen.

Von der Rundenzeit her ist eine MotoGP klar das schnellste Rennmotorrad der Welt. Doch die Superbikes verfügen auch über ordentlich Power, wie der Geschwindigkeitsrekord von Max Biaggi (Aprilia) mit 320,2 km/h vor kurzem in Monza zeigte. Spies kennt beide Yamaha-Maschinen und vergleicht: "Das Superbike ist in unteren Drehzahlbereichen sehr stark. Die M1 dagegen ist bei hohen Drehzahlen sehr kraftvoll. Wenn man die MotoGP-Maschine voll ausdreht fühlt sie sich stärker an."

Die 800er-Prototypen verlangen nach einem Fahrstil, bei dem hohe Kurvengeschwindigkeiten verlangt werden. Deshalb fällt den Aufsteigern aus der 250er-Klasse die Anpassung leichter, als den Assen aus der Superbike-WM, wie man in der Vergangenheit gut beobachten konnte. Vor dieser Herausforderung steht nun auch Spies, der in seiner Rookie-Saison den Titel auf einer getunten Serienmaschine gewonnen hat.

"Mit den Superbikes musst du einen Weg finden wie spät du bremsen kannst", erklärt "Texas Terror". "Dann stellst du es so früh wie möglich wieder auf und beschleunigst voll. Die Kurvengeschwindigkeit ist niedriger, aber das Tempo am Kurvenausgang ist ungefähr gleich. In der MotoGP ist die Kurvengeschwindigkeit extrem wichtig. An manchen Stellen bremse ich früher, löse aber auch früher die Bremse und rolle durch die Kurve, um so früh wie möglich wieder Gas zu geben."

Houseworth, der mit Spies bereits seit acht Jahren zusammenarbeitet, und den Ingenieuren genau vermitteln kann, was sein Schützling braucht, gibt einen technischen Vergleich. "Katar ist die einzige Piste, auf der Ben mit der R1 und der M1 gefahren ist. Ich habe die Daten übereinander gelegt und es gab nur einen großen Unterschied: Die Geschwindigkeit in der Kurvenmitte. Ben ist mit der MotoGP-Maschine um fünf bis sieben km/h schneller."

Bleibt die Frage warum das so ist. Die Prototypen sind in jedem Detail auf Leistung ausgelegt. In den letzten Jahren ist die Elektronik immer wichtiger geworden, aber auch in der Superbike-Szene wird mit den elektronischen Werkzeugen gearbeitet. Houseworth und Spies sind sich aber einig, weshalb die MotoGP-Raketen in den Kurven schneller sind.

"Die Bridgestone-Reifen sind einfach unglaublich", so der dreifache AMA-Meister. "Die Haftung ist speziell in den ersten Runden so gut, dass es eigentlich unreal ist. Ich habe deshalb Probleme mit den schnellen Jungs mitzuhalten, weil ich das Limit nicht fühle. Wenn das Motorrad nach etwa zehn Runden anfängt sich mehr zu bewegen, kann ich mit jedem kämpfen. Wenn die Reifen etwas an Haftung verloren haben, weiß ich wo die Limits liegen. Ich muss an den ersten zehn Runden arbeiten."

Bereits 2008 absolvierte Spies drei MotoGP-Rennen für Suzuki. Seine richtige Karriere in der Königsklasse startete aber beim Saisonfinale 2009 in Valencia. Er ist der einzige Spitzenfahrer, der über einen Werksvertrag bis Ende 2011 verfügt. Noch ist es aber ein harter Weg bis an die Spitze. "Ich habe das selbe Material wie die Topfahrer zur Verfügung. Ich glaube aber nicht, dass ich schon zu 100 Prozent mit der MotoGP-Maschine zurecht komme. Ich fühle mich gut darauf, aber man kann so ein Gefährt nicht drei Monate fahren und es perfekt beherrschen. Das passiert nicht einfach so."

Dazu kommen für den US-Amerikaner einige ungewohnte Strecken. Eine Behinderung ist auch die wenige Zeit, die in den Trainingseinheiten zur Verfügung steht. "Wir haben im Vergleich mit den Superbikes eine Stunde weniger Zeit. Diese Tatsache und das Level, auf dem die Jungs hier fahren, machen es einfach hart", meint Spies. "Nach den guten Testfahrten und Platz fünf beim Auftakt haben viele Leute einiges erwartet. Aber 2010 ist für mich ein Lernjahr und die Hälfte der Strecken ist auch neu für mich."

Während den Trainings hat Spies eine klare Meinung, was er von seinem Motorrad verlangt. "Es ist schwierig all die Informationen zu verarbeiten. Aber ich denke, dass es eine Stärke von mir ist, die Dinge so einfach wie möglich zu halten. Wenn man die Maschine zu 80 Prozent hinbekommt findet man immer noch da und dort etwas Zeit. Andere Fahrer verbringen Stunden damit, das Motorrad überall perfekt zu machen und verlaufen sich dann. Sehr oft hat die Abstimmung nicht ganz gepasst, aber ich versuche dann einfach etwas anderes, um die Probleme zu lösen."

Das nächste Rennen findet in Mugello statt. Eine weitere Strecke, die für Spies Neuland bedeutet. Lernen ist das vorrangige Ziel, aber ein Podest im Verlaufe der Saison ist das erklärte Ziel. Wäre die Enttäuschung groß, sollte das nicht klappen? Houseworth findet nicht: "Nein. Wir machen den bestmöglichen Job. Ben fährt das Motorrad und er weiß, was er tun kann. Manchmal habe ich mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten, als er. Ich habe keine Zweifel daran, dass er alles erreichen kann."

Fotoquelle: Yamaha


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