Zwangspause: Valentino Rossi will bei seiner Genesung nichts überstürzen

MotoGP 2010

— 10.06.2010

Rossi: "Nehme mir all die Zeit, die ich brauche"

Valentino Rossi spricht im Teaminterview erstmals über seinen Sturz, seine Verletzung, die Dauer seiner Zwangspause und den Rat von Mark Webber

Valentino Rossi konnte heute das Krankenhaus in Florenz verlassen, in dem sein gebrochenes Bein zweimal operiert wurde. Der Yamaha-Star konnte in die Heimat zurückkehren und wird ab sofort von den Ärzten des Krankenhauses in Cattolica behandelt. Im Teaminterview mit Yamaha spricht der italienische Superstar über den Genesungsverlauf, den genauen Unfallhergang, die Dauer seiner Zwangspause, worüber er sich nun am meisten ärgert und Ratschläge von Formel-1-Pilot Mark Webber.

Frage: "Valentino, erste Frage: Wie geht es dir und hast du noch Schmerzen?"
Valentino Rossi: "Das Gute ist, dass das Schlimmste vorbei ist. Die beiden Operationen sind gut verlaufen, von daher ist es okay. Nun steht mir eine schwierige Phase bevor, in der das Risiko von Infektionen besteht und in der ich mein Bein konstant hoch legen muss. Dann kommt eine zweite Schlüsselphase, in der ich mit der Reha beginnen und anfangen kann, mit Krücken herumzulaufen."

Frage: "Dr. Buzzi sprach davon, dass die Reha fünf bis sechs Monate dauern könnte. Was denkst du?"
Rossi: "Man kann davon ausgehen, dass Dr. Buzzi mit seiner Prognose sehr vorsichtig war. Ich möchte, dass die Verletzung ausheilt, das ist das einzige, was mich interessiert. Es macht keinen Unterschied, ob ich vier oder sechs Rennen verpasse. Es könnte sein, dass ich in Brünn wieder dabei bin, aber das muss nicht zwangsläufig der Fall sein."

Frage: "Erinnerst du dich an den Unfall?"
Rossi: "Ich erinnere mich ganz genau an alles. Ich bin nicht mit dem Kopf aufgeschlagen, ich bin mit nichts anderem aufgeschlagen. Der Airbag in meiner Kombi hat gut funktioniert und mein Helm hat nur ein paar Kratzer abbekommen. Ich habe nicht einen einzigen blauen Fleck! Das Problem war, dass ich auf meinem Bein gelandet bin und es unter meinem Körper feststeckte. Wenn ich auf dem Rücken gelandet wäre, wäre es etwas anderes gewesen."

"Ich hatte einen frischen Reifen drauf und bin zwei Runden gefahren. Dann bin ich etwas langsamer gefahren, weil Héctor Barbera hinter mir war. Als ich zurück auf die Ideallinie bin, kam Dani Pedrosa an. Ich wollte auch ihm keine Probleme bereiten, also bin ich noch einmal zur Seite gefahren. Aber als ich wieder Gas gegeben habe, ist es plötzlich und unerwartet passiert. Sieben Sekunden haben gereicht, um die Reifentemperatur drastisch fallen zu lassen. Es war mein Fehler."

Frage: "Bei wem möchtest du dich bedanken?"
Rossi: "Zuerst möchte ich Professor Buzzi vom CTO Careggi und all seinen Mitarbeitern danken. Sie waren brillant. Ich hatte sehr viel Glück, dass es in Mugello passiert ist, was nicht weit von Careggi entfernt ist. Ich möchte auch allen in Careggi danken und all den Schwestern dort, weil sie mich so gut behandelt haben. Dann dem Personal in der Clinca Mobile, den Streckenposten und den Leuten in Mugello. Und dann schicke ich noch einen Gruß und ein großes Dankeschön an all die Fans, denn sie haben nicht eine Sekunde aufgehört, mich ihre Unterstützung spüren zu lassen. Die Botschaften, die ich am Sonntag von der Strecke im Fernsehen gesehen habe, waren wunderschön."

Frage: "Gab es seit dem Unfall irgendwann einmal den Moment, in dem du gesagt hat: "Aufhören mit Motorradrennen?"
Rossi: "Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Angst. Ich war ein bisschen erschrocken, als ich das Bein gesehen habe, das stimmt... aber was mich am meisten ärgert ist, dass ich so viele Rennen verpasse! Ich werde mir aber all die Zeit nehmen, die ich brauche. Ich werde jetzt keine Dummheiten anstellen. Natürlich will ich bald wieder zurückkommen, aber nur, wenn mein Zustand das zulässt."

"Ich weiß, dass ich nächstes Jahr ein Bike haben werde und ich muss mein Comeback nicht überstürzen, nur um irgendetwas zu beweisen. Selbst wenn ich nur vier Rennen verpasse, könnte ich nicht zurückkommen und den Titel gewinnen. Es ist besser, vorsichtig zu sein, die Reha so gut wie möglich zu Ende zu machen und danach noch viele weitere Jahre Rennen zu bestreiten. Ich habe von vielen anderen Sportlern gehört - sehr vielen sogar - denen es genauso gegangen ist. Ein Beispiel: Mark Webber hat mich angerufen. Er hatte einen verschobenen Bruch im rechten Bein. Er hat mir geraten, sehr geduldig zu sein. Er sagte, dass es Momente geben kann, in denen ich mich nicht wohl fühlen werde, aber das die Genesung am Ende garantiert ist."

Frage: "Nun hast du zu Hause Zeit, dich zu erholen und nachzudenken..."
Rossi: "Ja, jetzt habe ich zu Hause sehr viel Zeit, mich zu erholen und nachzudenken. Zuallererst möchte ich die Zeit nutzen, um ein paar Dinge zu verbessern. Ich möchte mein Englisch verbessern, etwas Neues lernen, viel lesen. Kurz gesagt: Ich möchte etwas verbessern und lernen. Das wird eich ganz sicher tun."

"Falls die Frage aber auf 2011 abzielt: Dieser Unfall wird keinerlei Einfluss auf meine Entscheidung für das nächste Jahr haben. Der vergangene Samstag hat nichts geändert. Ich habe jetzt nur ein gebrochenes Bein! Das Ergebnis von 2010 hat bei meinen Entscheidungen für die Zukunft nie eine Rolle gespielt."

Frage: "Wirst du während deiner Zwangspause auch an deiner verletzten Schulter arbeiten?"
Rossi: "Ja. Das gehört zu den guten Dingen an diesem Zwischenfall. Endlich kann ich an der Reha für die Schulter arbeiten, ohne Eile, ohne Operationen und ohne Rennen. Ab morgen werde ich im Bett mit den Übungen beginnen und ich bin mir sicher, dass die Schulter bei meinem Comeback komplett ausgeheilt sein wird. Wenn ich zurückkomme, werde ich perfekt in Form sein - auch wenn das nicht bedeutet, dass ich auf Anhieb wieder siegen kann. Wenn man nach einer Zwangspause zurückkommt, dann muss man nicht nur an seinen Körper denken, sondern auch an den Kopf. Ich werde nicht zurückkommen und sofort wieder gewinnen können."

Fotoquelle: Yamaha


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