Jorge Lorenzo konnte im entscheidenden Moment wieder einmal zulegen

MotoGP 2010

— 19.06.2010

Lorenzo verhindert Sensation in Silverstone!

Ein Sturz von Randy de Puniet bescherte Jorge Lorenzo in Silverstone die Pole-Position - Daniel Pedrosa nach Unfall nicht schwer verletzt

Beinahe htte das erste MotoGP-Qualifying auf dem umgebauten Kurs in Silverstone, der in dieser Saison zum ersten Mal seit 1986 wieder Bestandteil des Motorrad-WM-Kalenders ist, mit einer faustdicken berraschung geendet. Denn nach einer Stunde gegen die Uhr wre um ein Haar keiner der in Abwesenheit von Valentino Rossi verbliebenen drei Topstars vorne gewesen, sondern Randy de Puniet!

"Eine Pole-Position wre fr uns wie ein WM-Titel", meinte Teamchef Lucio Cecchinello noch whrend der Session und lieferte auch gleich die Erklrung fr die berform seines LCR-Honda-Schtzlings an diesem Wochenende: "Er mag diese Strecke, das hat er ja schon gestern gesagt. Sie ist ganz anders als andere Strecken. Und das Setup passt auch." Selbst MotoGP-Experte Alex Hofmann staunt: "De Puniet war in seiner Karriere immer schon schnell, aber nie wirklich sattelfest."

Lorenzo-Attacke erst in letzter Minute

25 Minuten vor Ende der Session lagen Spitzenreiter Casey Stoner (Marlboro-Ducati), Dani Pedrosa (Repsol-Honda), de Puniet und Jorge Lorenzo (FIAT-Yamaha) innerhalb von 0,059 Sekunden (!), doch 15 Minuten vor Schluss bernahm de Puniet wieder die Fhrung. Der Franzose wurde keine drei Minuten vor dem Ende von Lorenzo verdrngt, der die Bestzeit auf 2:03.308 Minuten herunterschrauben konnte. Das war um 0,126 Sekunden schneller als de Puniet.

Doch der 29-Jhrige witterte die Situation, ging noch einmal auf die Strecke - und kam nach Ablauf der Zeit mit Zwischenbestzeit zu Sturz, genau wie brigens auch Pedrosa. Letzterer rutschte bei Abbey weg, whrend sich seine RC212V selbststndig machte und frontal in die Begrenzung rollte. Pedrosa selbst griff sich sofort ans Bein, stand dann mit Hilfe von Streckenposten auf, lie sich auf einer Trage in den Krankenwagen heben, ging dann aber selbst ins Medical-Center.

Der Mugello-Sieger behielt trotzdem den dritten Platz, 0,409 Sekunden vor seinem Teamkollegen Andrea Dovizioso. Alle anderen hatten bereits mehr als eine Sekunde Rckstand: Nicky Hayden (5.) gewann das Marlboro-Ducati-Stallduell gegen Stoner (6.) um 62 Tausendstelsekunden; dahinter landeten Ben Spies (Tech-3-Yamaha), Marco Melandri, Marco Simoncelli (beide Gresini-Honda) und Colin Edwards (Tech-3-Yamaha) in den Top 10.

Die groe Enttuschung des Nachmittags war das Rizla-Suzuki-Team, das sich fr das Heimspiel viel ausgerechnet hatte, aber die Krise aus den Trainings auch im Qualifying nicht abschtteln konnte. "Ich bin sehr enttuscht", rgert sich Teamchef Paul Denning ber die Startpltze 14 (Loris Capirossi) und 15 (lvaro Bautista). "Wir hatten mindestens mit einer brauchbaren Leistung gerechnet, aber genau wie im Vorjahr scheint unser Motorrad bei kalten Temperaturen nicht zu funktionieren."

Krise bei Suzuki geht weiter

2,5 beziehungsweise 3,3 Sekunden fehlten letztendlich auf die Pole-Position. Hauptgrund dafr war weniger fehlende Motorleistung, sondern eher der fehlende Grip am Kurveneingang: "Da kannst du nichts machen", wei der sichtlich enttuschte Denning, der den Ball nun dem Suzuki-Werk in Japan zuspielt: "Wir versuchen, das Beste aus dem Motorrad herauszuholen, aber in Wahrheit muss es in Japan verbessert werden."

Mann des Tages war aber de Puniet, der seinen Unfall zum Glck mehr oder weniger unbeschadet berstand: "Mir geht es gut. Mein rechter Finger ist aufgeschrft, aber das macht nichts", gibt der langjhrige MotoGP-Draufgnger Entwarnung. "Ich wollte diese Pole unbedingt, war schneller als Lorenzo, habe zu viel riskiert und bin gestrzt. Vielleicht ist es aber ganz gut, heute zu crashen, denn dann bin ich morgen im Rennen ruhiger."

Entscheidend war heute neben den fahrerischen Leistungen vor allem das Wetter, denn bei weniger als 15 Grad fiel es den Teams nicht leicht, ein perfektes Setup zu finden. Selbst Polesetter Lorenzo klagte ber die kniffligen Bedingungen: "Es ist ungeheuer schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Da den Grip zu finden, ist nicht so einfach", gesteht der Yamaha-Werkspilot, der morgen seine WM-Fhrung weiter ausbauen knnte.

Fotoquelle: Bridgestone


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