Nicky Hayden konnte die gedrückte Stimmung in der Startaufstellung fühlen

MotoGP 2010

— 06.09.2010

Hayden: "Wir sind Konkurrenten, aber eigentlich Brüder"

Valentino Rossi und Nicky Hayden sind über den Unfall von Shoya Tomizawa bestürzt - Die beiden Fahrer über die Gefühle im Paddock

Der 5. September 2010 war ein trauriger Tag in der Motorsportwelt. Mit Shoya Tomizawa ist ein aufstrebendes Talent von uns gegangen. Den übrigen Piloten wurde wieder vor Augen geführt, wie gefährlich dieser Sport ist und wie schnell etwas schief gehen kann. Eine Woche nach dem Tod von Nachwuchspilot Peter Lenz schafften es die Fahrer trotzdem auf ihre Maschinen zu steigen und zu fahren. Leicht war es für sie aber nicht.

"Ich habe den Unfall im Fernsehen gesehen", sagt Valentino Rossi über das Moto2-Rennen. "Ich muss ehrlich sein, ich habe sofort gedacht, dass es ein böser Unfall mit vielen Knochenbrüchen ist, aber nicht, dass er stirbt. Ich habe den Unfall live gesehen. Ich habe nicht daran gedacht, denn ich bin davon ausgegangen, dass de Angelis seine Maschine getroffen hat und dann ist Redding gekommen. Leider hat de Angelis ihn getroffen."

"Sie arbeiten viel an der Sicherheit, aber das ist das Schlimmste was passieren kann. Du stürzt, bleibst auf der Linie und andere sind direkt hinter dir. Normalerweise gerätst du bei einem Sturz in einer schnellen Kurve viel weiter nach außen, denn das Tempo ist sehr hoch. Die anderen waren einfach zu dicht dran, um irgendetwas zu tun."

Ähnlich hat es auch Nicky Hayden erlebt. "Das war schrecklich. Ich hatte sofort das Gefühl, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Wenn man lange dabei ist, dann weiß man wenn es schlecht aussieht Man fühlt das. Es ist schlecht für jeden. Wir wissen, dass so etwas passieren kann. Das ist Rennsport und wir haben uns entschieden das zu machen. Verständlicherweise ist es jetzt schwierig für jeden. Wir haben zwei Fahrer in kurzer Zeit verloren. Wir sind alle Konkurrenten und die Teams arbeiten gegeneinander, aber in Wirklichkeit sind wir alle Brüder. Wir stecken alle zusammen."

Wie schwierig ist es für einen Motorradfahrer, nach so einem Unfall ein Rennen zu fahren? "Es ist nie leicht", so Hayden. "Man sieht diese Dinge und es ist hart. Es ist mir nicht das erste Mal passiert. Aber wie gesagt, auf eine Art und Weise tut man einfach, was man tut. Es ist dein Job. Das willst du tun und man muss professionell sein und es abschalten. Man konnte es aber in der Startaufstellung spüren. Man konnte es im Paddock und in den Boxen vor dem Rennen fühlen."

"Ich denke jeder hat es gewusst. Man konnte sehen, was sich im Paddock auf dem Weg in die Boxen abspielte. Ich habe nicht gefragt, ich musste nicht. Ich konnte es gut genug fühlen. Uns wurde immer beigebracht Rennen zu fahren, auch auf als Respekt. Ich weiß, manche Leute sehen das anders. In Indianapolis haben Leute gemeint, wir sollten nicht fahren. Es ist tragisch, aber wir sind Motorradrennfahrer. Das tun wir eben, es ist unser Leben. Sollte es mich treffen, würde ich wollen, dass die Show weitergeht. Ich möchte das Rennen nicht aufhalten."

Für Rossi war die Situation auch nicht leicht: "Sehr schwierig. Für mich war der Unfall sehr böse. Aber du musst versuchen zu vergessen und dich auf dein Rennen konzentrieren. Als ich stehen geblieben bin, ist Carmelo Ezpeleta direkt zu mir gekommen und hat mir die Nachricht überbracht. Es war eine Überraschung für mich, aber keine große, denn ich dachte sowieso, dass es ein böser Unfall war."

Der Weltmeister findet auch Worte für Alex de Angelis und Scott Redding, die Tomizawa erwischt hatten. "Speziell de Angelis, aber auch Redding, kann man nicht die Schuld geben, denn wenn bei 230 km/h ein Fahrer vor dir stürzt, kann man nichts tun. Sie waren einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort."

Mit seinem eigenen Rennen war Rossi halbwegs zufrieden: "Damit bin ich recht glücklich, denn es war der beste Grand Prix seit meinem Comeback. Das Podium ist gut, aber speziell weil ich gegen Ende gut gefahren bin, ist es positiv. Lorenzo und Pedrosa sind schneller als ich und auch in besserer Form. Deshalb sind sie Erster und Zweiter geworden."

Für Hayden war das Rennen nach einer Kollision mit Loris Capirossi praktisch schon in der ersten Kurve beendet. "Das Rennen war nicht so gut. Es war ein schlechtes Wochenende. Ich weiß es nicht, vielleicht habe ich dem Team falsche Informationen gegeben, denn wir haben schlecht begonnen und die Situation nur noch schlechter gemacht."

"Ich hatte einen guten Start und machte einige Positionen gut. Am Ausgang von Kurve zwei habe ich das Gas aufgemacht und Loris getroffen. Im Fernsehen sieht es so aus, als ob ich ihm reingefahren wäre, aber er hatte eine komische Linie. Es war ein Rennunfall. Ich habe Loris noch nicht gesehen. Ich weiß nicht was er gesagt hat, denn ich habe meine Ducati aufgehoben und bin weitergefahren."

Routinier Colin Edwards kam als Siebter ins Ziel. "Das Rennen zählt für mich nicht. Meine Gedanken sind bei Shoyas Familie und Freunden in dieser schwierigen Zeit. Mein Rennen war ganz gut. Ich hatte aber das gleiche Problem, wie schon das ganze Wochenende. Beim bremsen verlor ich die Front etwas. Ich habe versucht aggressiv zu fahren und bin mit meinen Rundenzeiten ganz zufrieden. Ich dachte aber, dass ich weiter vorne landen würde."

Tech-3-Teamkollege Spies wurde Sechster. "Ich muss meine Traurigkeit über Shoya aussprechen. Es ist ein weiterer großer Verlust für unseren Sport. Mein Rennen war schwierig, denn ich bin in der zweiten Kurve etwas zurückgefallen. Das Gefühl für das Vorderrad war nicht optimal, aber ich bin ein gutes Tempo gefahren. Ich glaube ich hätte mit Casey Stoner kämpfen können."

Fotoquelle: Ducati

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