Casey Stoner muss sich trotz aller Fortschritte noch an die Honda gewöhnen

MotoGP 2011

— 06.02.2011

Stoner: "Die Honda überrascht mich in jeder Runde aufs Neue"

Honda-Neuzugang Casey Stoner spricht nach den erfolgreichen Sepang-Tests über seine Eindrücke von der Honda RC212V

Besser hätten die Saisonvorbereitungen für Casey Stoner kaum beginnen können. Am ersten der drei Testtage in Malaysia fuhr der Honda-Neuzugang auf Anhieb die Tagesbestzeit und auch an den folgenden Tagen war der Australier stets unter den schnellsten Fahrern. Im ersten Teil des Interviews schildert Stoner seine Eindrücke von seinem neuen Arbeitsgerät.

Frage: "Casey, wie sind die drei Tage aus deiner Sicht gelaufen?"
Casey Stoner: "Im Großen und Ganzen haben wir ein paar Fortschritte gemacht. Wir haben vieles ausprobiert, wechselten zwischen den beiden Chassis hin und her. Das eine ist etwas steifer, das andere etwas flexibler. Wir haben versucht herauszufinden, welches der beiden vielversprechender ist. Wir haben nach wie vor keine großen Veränderungen an der Abstimmung vorgenommen, was wirklich positiv ist."

"Wir haben nur ein paar verschiedene Sachen ausprobiert, eher um festzustellen, ob sie funktionieren, anstatt sie wirklich zu bewerten. Letztendlich konnten wir das Motorrad auf gebrauchten Reifen verbessern - mit einer anderen Traktionskontrolle, die etwas schneller bremst, wenn die Reifen anfangen durchzudrehen. Das half uns dabei, unsere Kurvengeschwindigkeit zu erhöhen."

Frage: "Was hältst du von den beiden Chassis-Versionen, die du ausprobiert hast?"
Stoner: "Im Moment bevorzuge ich die steifere Variante, die ich auch schon in Valencia ausprobiert hatte. Aber auch das weichere Chassis hat seine Vorteile, tatsächlich fuhr ich meine schnellste Zeit mit ihr. Wobei das auch daran lag, dass ich mit dem härteren Rahmen gestürzt bin und ihn deshalb nicht so viel benutzen konnte. Das steifere Chassis scheint mehr Grip zu haben, wenn man das Motorrad anhebt, aber das andere lässt einen die gesamte Reifenoberfläche besser ausnutzen. Es gibt noch ein paar Dinge, die wir bei den nächsten Tests noch verstehen lernen müssen. Allerdings haben wir bereits eine bestimmte Ahnung und die wollen wir bestätigen."

Frage: "Welches Chassis ist anspruchsvoller, besonders auf eine volle Renndistanz gesehen?"
Stoner: "Physisch betrachtet fällt die Antwort leicht. Wir haben in den drei Tagen viel trainiert und meine Hände sind von Blasen übersät, aber ich fühle mich gut. Am Dienstag konnte ich nicht so gut schlafen und am Mittwoch war ich etwas müde, aber am Donnerstag habe ich mich besser als zuvor gefühlt. Körperlich fühle ich mich auf dem Motorrad fantastisch. Vielleicht ist es mit dem etwas weicheren Chassis bei Richtungswechseln etwas schwieriger, das müssen wir im Hinterkopf behalten. Aber grundsätzlich bin ich mit dem Motorrad sehr zufrieden."

Frage: "Wir fährt sich die Honda im Vergleich zur Ducati?"
Stoner: "Die beiden Motorräder erfordern eine vollkommen unterschiedliche Linienwahl. Die Honda überrascht mich von Runde zu Runde aufs Neue. Wenn ich eine Kurve zu weit außen ansteuere, weiß ich nicht, wie ich sie kriegen soll - und plötzlich bin innen auf der weißen Linie. Das ist ein großer Unterschied und etwas, woran ich mich noch gewöhnen muss, um zu erkennen, wo ich am besten in die Kurve einlenke. Es ist ganz anders als das, woran ich gewöhnt bin. Wir nähern uns aber Schritt für Schritt und ich fange langsam an, mich wohler zu fühlen."

Frage: "Andrea Dovizioso hat in Verbindung mit der Kupplung über Chattering-Probleme geklagt. Ist dir das auch passiert? Ist es eine ernste Angelegenheit?"
Stoner: "Ja, das ist eins der wichtigsten Dinge, die wir hier festgestellt haben. Wir haben die ersten beiden Tage fast ausschließlich der Arbeit mit der Kupplung gewidmet, um das Chattering zu reduzieren. Wir haben dabei einen Fortschritt gemacht und uns am letzten Tag dem Feintuning gewidmet. Jetzt funktioniert es etwas besser, aber wir wollten es noch weiter verbessern."

Frage: "Denkst du, dass Arbeit am Setup ausreichen wird oder sollten die Ingenieure etwas verändern?"
Stoner: "Sie haben schon in vielen Bereichen des Setups gearbeitet und seit dem letzten Test Lösungen angeboten, aber ich bin der Meinung, dass wir uns bis zum nächsten Test noch etwas steigern können. Wir können die Situation zwar mit der Abstimmung und der Elektronik verbessern, aber wir können das Problem nicht wirklich lösen. Deshalb finde ich, dass dies etwas ist, was extern gelöst werden sollte. Die Ingenieure sind diejenigen, die etwas finden müssen."

Frage: "Worin besteht für dich das Hauptproblem beim Chattering?"
Stoner: "Wenn man in eine Kurve einbiegt und die Kupplung loslässt, um herunterzuschalten, bewegt sich das Motorrad nicht gleichförmig, sondern es hüpft. Das führt dazu, dass sich das ganze Bike am Kurveneingang bewegt. Das verhindert es, sich weiter in die Kurve zu legen und härter zu bremsen, da es immer noch vibriert und der Kontakt mit der Asphaltoberfläche nicht optimal ist."

"Wenn das Motorrad nicht perfekt liegt, helfen die Motorbremse und das Drehmoment beim Bremsen nicht richtig. Alles hat irgendwie einen Einfluss, so oder so, so dass ab einem gewissen Punkt die Motorbremse zu stark eingreift und das Hinterrad blockiert. Das passiert, wenn man einen Honda-Fahrer am Kurveneingang querstehend oder mit einem Wheelie sieht. Um eine perfekte Bremsleistung zu erzielen, muss man ein Blockieren des Hinterrads und das Chattering vermeiden. Die Feinabstimmung fällt da sehr schwer."

Fotoquelle: Repsol

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