Ben Spies und Massimo Meregalli arbeiten schon seit Jahren zusammen

MotoGP 2011

— 28.03.2011

Meregalli: "Yamaha ist Teil meines Lebens"

Yamaha-Teamdirektor Massimo Meregalli erklärt, wie er sich als ehemaliger Fahrer im Team einbringen kann und was er an Ben Spies schätzt

Massimo Meregalli kann genau wie sein Gegenüber in der Yamaha-Box, Wilco Zeelenberg, auf eine eigene aktive Karriere zurückblicken. Nach bereits mehr als 20 Jahren in Diensten von Yamaha ist er in dieser Saison erstmals im MotoGP-Umfeld für die Japaner tätig.

Im Interview erläutert der Italiener seine Aufgabe im Werksteam und inwiefern ihm dabei seine Fahrpraxis zu Gute kommt. Darüber hinaus spricht er über seine Interessen abseits der Rennstrecke und erklärt, warum er sich auf ein Rennen in diesem Jahr ganz besonders freut.

Frage: "Massimo, wie ist dein erster Eindruck von der MotoGP nach deinem Wechsel aus der Superbike-WM?"
Massimo Meregalli: "Es ist natürlich ein großer Unterschied. In diesem Projekt sind deutlich mehr Leute involviert, da das MotoGP-Werksteam einen ganz anderen Stellenwert hat. Alles ist viel größer als das, was ich in der Vergangenheit kennengelernt habe. Die Arbeit in der Box unterscheidet sich gar nicht so stark, aber sobald du die Box verlässt und ins Fahrerlager gehst, spürst du einen großen Unterschied. Die Atmosphäre ist einfach anders. In der Superbike-Szene war es durchaus üblich, mit der Konkurrenz zu sprechen und auch Informationen auszutauschen. Das ist nun nicht mehr der Fall. Bisher kenne ich nur sehr wenige Leute in der MotoGP, das muss sich ändern."

Frage: "Was ist es für ein Gefühl mit dem amtierenden Weltmeister auf der einen und dem Rookie des Jahres 2010 auf der anderen Seite der Box zu arbeiten?"
Meregalli: "Etwas besseres hätte mir nicht passieren können. Mit diesen beiden Jungs zu arbeiten ist das reinste Vergnügen. Die Atmosphäre im gesamten Team ist großartig und es läuft wirklich gut. Ich kann über keinen von beiden irgendetwas Schlechtes sagen. Was Jorge betrifft, so lernen wir uns gerade noch kennen. Mein Eindruck bisher ist, dass er ein wirklich netter Kerl ist, der obendrein sehr professionell arbeitet und extrem schnell ist. Ben kenne ich bereits deutlich länger und besser. Ihn zu beurteilen, fällt mir daher leichter. In den vergangenen zwei Jahren hat er sich stetig verbessert. Er war bereits in der Saison 2009 sehr fokussiert, inzwischen sehe ich ihn sogar in einer noch besseren Verfassung. Er ist ruhig und weiß genau, was er kann. Er ist entschlossen, seine Ziele zu erreichen."

Erfahrung als ehemaliger Pilot von Vorteil

Frage: "Inwiefern unterscheidet sich der Rennsport heute im Vergleich zu der Zeit, als du noch selbst gefahren bist?"
Meregalli: "Da sprechen wir über zwei komplett verschiedene Welten. Ich saß vor zehn Jahren in einer ganz anderen Meisterschaft und auf einem ganz anderen Level als in der MotoGP im Sattel."

Frage: "Kannst du dich ungeachtet dessen als ehemaliger Fahrer dennoch im Team einbringen?"
Meregalli: "Vom technischen Standpunkt betrachtet nicht, aber das ist auch nicht mein Job. Ich bin allerdings überzeugt, dass mir meine Erfahrung dabei hilft, einschätzen zu können, wie ein Fahrer behandelt werden muss. Der Fahrer ist der wichtigste Bestandteil des Teams. Ihm sollte daher das gesamte Vertrauen entgegen gebracht werden, sodass er sich in der bestmöglichen Umgebung voll entfalten kann. Darin liegt meiner Meinung nach der Wert, den ein Teamdirektor mit eigener Fahrpraxis dem Team geben kann."

Frage: "Saßt du jemals auf einer Maschine der Königsklasse?"
Meregalli: "Nein, niemals. Ich lebe in Monza ganz in der Nähe der Rennstrecke. Vor Jahren lief ich morgens durch den Königlichen Park und dachte mir, dass ich dort gern einmal mit einer Grand-Prix-Maschine fahren würde. Monza ist mir seit jeher eng verbunden, da ich auf dieser Strecke die meisten Siege geholt habe, als ich noch selbst gefahren bin."

Yamaha ist Teil Meregallis Lebens

Frage: "Was bedeutet der Titel Teamdirektor?"
Meregalli: "Mein Job dreht sich um nichts anderes als das Team. Im Büro befasse ich mit der gesamten Organisation, angefangen bei der Logistik für die Transporte bis hin zu den Teamgrafiken für die Motorräder, die LKWs und die Box. Sobald ich an der Strecke bin, konzentriere ich mich mehr auf Ben und seine Crew, während sich der Teamchef, Wilco Zeelenberg um Jorge kümmert."

Frage: "Wie stellt sich die Arbeit mit Wilco dar?"
Meregalli: "Mit Wilco zu arbeiten, ist toll. Wir kennen uns schon seit zehn Jahren oder sogar noch länger und haben bereits in der Vergangenheit in verschiedenen Klassen gemeinsam für Yamaha gearbeitet, beispielsweise als ich die Supersport- und Superbike-Teams geleitet habe."

Frage: "Seit ihr jemals gegeneinander gefahren?"
Meregalli: "Soweit ich mich erinnern kann, fuhren wir zwei Jahre lang gegeneinander. Er erzählt immer, dass er mich ständig geschlagen hätte. Ich erinnere mich hingegen an ein Regenrennen, in dem ich ihn einmal überholt habe. Er ist ein aufrichtiger Kerl, mit dem ich gern zusammenarbeite. Im vergangenen Jahr - seinem ersten für Yamaha in der MotoGP - hat er gemeinsam mit Jorge einen fantastischen Job gemacht."

Frage: "Du scheinst ein sehr loyaler Mensch zu sein und bist schon lange für Yamaha tätig..."
Meregalli: "Meinen ersten Yamaha-Vertrag habe ich im Jahr 1987 in Italien unterzeichnet. Es gab ein Jahr, als ich für Aprilia fuhr. Abgesehen davon war ich stets bei Yamaha angestellt. Ich verbringe mehr Zeit mit Yamaha als mit meiner Familie. Glücklicherweise wohne ich direkt in der Nähe meines Büros, Yamaha ist ganz klar ein Teil meines Lebens."

Sport als Ablenkung vom Job

Frage: "Abseits der Strecke trainierst du nach wie vor beinahe genauso hart wie die aktiven Fahrer. Warum tust du das?"
Meregalli: "Ich laufe gern und fahre gern Rad. Das ist für mich keine Anstrengung, sondern Spaß. Manchmal fällt es mir schwer, nicht an den Job zu denken. Zuhause habe ich ständig die eine oder andere Sache in Zusammenhang mit dem Team im Kopf, daher sind diese Aktivitäten eine gute Gelegenheit für mich, einmal abzuschalten."

Frage: "Könntest du dir vorstellen, dies auch professionell zu betreiben?"
Meregalli: "Nein, ich habe niemals darüber nachgedacht, etwas anderes als den Rennsport zu betreiben. Dieser ist mein Job, mein Leben und meine Leidenschaft. Es fällt mir schwer, es "nur" als Job zu bezeichnen. Ich kann mich glücklich schätzen, in dieser Umgebung arbeiten zu dürfen. Für mich passiert das automatisch, ohne dass ich mich anstrengen müsste oder davon müde werde."

Frage: "Wie sehen deine Pläne für dieses Jahr aus?"
Meregalli: "Ben Spies, Kevin Schwantz und ich werden am 10. Juli an einem Radmarathon in den Dolomiten teilnehmen. Das wird sicher hart. Ben hat sich mit 140 Kilometern die lange Strecke vorgenommen. Ich werde wahrscheinlich die kürzere 100-Kilometer-Variante fahren. Wie man sich vorstellen kann, ist so etwas im Gebirge eine harte Angelegenheit."

Frage: "Auf welche Rennen freust du dich in diesem Jahr am meisten?"
Meregalli: "Ganz klar auf Laguna Seca. Als ich das Supersport-Team geleitet habe, wollte ich immer dorthin. Als ich im Jahr 2001 angefangen habe, war es das erste Jahr, dass sie dort nicht gefahren sind. Als ich dann das Superbike-Team geleitet habe, gingen die Rechte für Laguna Seca an die Dorna über und die Superbikes zogen in den Miller Motorsports Park nach Salt Lake City um. Ich habe die Gelegenheit daher wieder verpasst. In diesem Jahr wird es endlich klappen. Ich bin fasziniert von den USA. Laguna Seca ist ein ganz besonderer Kurs, der mich ein wenig an Brands Hatch erinnert. Meiner Meinung nach war Brands Hatch immer das beste Rennen bei den Superbikes."

Fotoquelle: Yamaha

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