Valentino Rossi arbeitet mit Filippo Preziosi an der Entwicklung der Ducati

MotoGP 2011

— 06.06.2011

Preziosi: "Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen"

Filippo Preziosi gibt Einblicke in die Technik der Ducati Desmosedici - Der Ingenieur verrät nicht den Hubraum der neuen Maschine für das kommende Jahr

Filippo Preziosi ist der Techniker bei Ducati, der für die gesamte Entwicklung zuständig ist. Die Desmosedici GP11 unterscheidet sich wesentlich von den Motorrädern der Konkurrenz. Zum einen besteht das Chassis aus Kohlefaser. Beim Motor kommt eine desmodromische Ventilsteuerung zum Einsatz. Seit Valentino Rossi zu der italienischen Mannschaft gewechselt hat, wird das Motorrad technisch verfeinert und umgekrempelt. Abgesehen von einem dritten Platz ist der neunfache Weltmeister in den ersten fünf Rennen hinterher gefahren. Es sind aber Fortschritte zu erkennen.

Ducati muss wieder siegfähig werden, denn Niederlagen werden dem Hersteller und nicht Rossi zugeschrieben. Der Superstar hatte zu Beginn mit starkem Untersteuern der GP11 zu kämpfen. Der Rahmen wurde etwas flexibler gemacht, um das Problem auszumerzen. "In Wirklichkeit ist das mit einem Karbon-Rahmen leichter zu erreichen als mit einem Aluminium-Chassis", wird Preziosi von 'GPWeek' zitiert. "Bei Aluminium ändert man hauptsächlich nur die Dicke des Materials. Bei Karbon kann man die Dicke, die Art der Fasern und die Ausrichtung der Fasern ändern. Man hat also drei Variable."

"Für mich ist es nicht so schwierig, die gewünschte Steifigkeit zu erreichen. Wir versuchen nun mit Valentino die richtige Steifigkeit zu finden. Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Herangehensweise komplett geändert. Die Erfahrungen, die wir beim Wechsel vom Gitterrohrahmen zum Monocoque gemacht haben, gingen mit Casey in eine andere Richtung. Valentino schickt uns jetzt in eine neue Richtung. Wir haben einen Schritt gemacht, aber erst den ersten Schritt. Wir werden in diesem und im nächsten Jahr noch verschiedene Schritte machen."

"Valentino ist glücklich über den Fortschritt. Ich bin mir aber sicher, dass wir noch nicht beim Optimum angelangt sind. Wir hätten großes Glück, wenn wir das nur mit einem Schritt erreichen würden. Die Japaner haben an der Steifigkeit seit 30 Jahren gearbeitet. Beim Karbon-Chassis sind wir erst am Anfang. Es gibt noch viel Raum für Verbesserungen." Im Rennsport kommt Kohlefaser hauptsächlich im Automobilbereich vor.

Kohlefaser eine spezielle Herausforderung

Speziell in der Formel 1 gibt es viel Erfahrung mit diesem Material. "Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Auto und einem Motorrad. Wir können nur die Technologie des Karbons übernehmen", sagt Preziosi über den Erfahrungsaustausch. "Für mich ist es eine Herausforderung, die richtige Steifigkeit zu finden. Das ist für einen Ingenieur sehr interessant."

Rossi verfügt über viel Erfahrung. Ducati hat bereits seine guten technischen Aussagen gelobt. "Valentino ist ganz anders als Casey. Ich denke, Casey wäre mit dem Motorrad, das wir gerade entwickeln, noch schneller, oder würde zumindest sicherer fahren", spricht Preziosio die zahlreichen stürze des Australiers an. "Natürlich hat Valentino viel Erfahrung bei Honda und Yamaha gesammelt."

"Um ehrlich zu sein, ist die gleiche Sprache nützlich. Denn es ist schwierig, wenn ein Fahrer seine Gefühle in Worte übersetzen muss. Wir sprechen die gleiche Sprache. Das macht es leichter. Rossi macht klare Aussagen über das Motorrad. Man muss aber allen Fahrern vertrauen. Mit den Resultaten bin ich nicht glücklich, aber was wir tun ist gut."

Geheimnis um Hubraum der GP12

Rossi hat bereits zwei Testtage mit der neuen Maschine für 2012 absolviert. Das Reglement erlaubt einen Hubraum bis 1.000 Kubikzentimetern. Ducati macht ein großes Geheimnis daraus, wie groß er bei der GP12 ist. "Das Motorrad hat über 800 Kubik und weniger als 1.000. Es ist ein Kompromiss zwischen Leistung und Benzinverbrauch. Das könnte ein Grund dafür sein, dass man weniger als 1.000 Kubikzentimeter hat. Ich sage aber nicht, dass unser Motor weniger als 1.000 Kubikzentimeter hat", lässt sich Preziosi nicht in die Karten blicken.

"Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten berechnet und dann einen Motor gebaut." Ein 1.000er-Motor verfügt über geringere Drehzahlen als die aktuellen 800er. Könnte Ducati dadurch den Vorteil der Desmodromik verlieren? "Das wäre möglich, aber wir arbeiten an einer neuen Geometrie der Desmodromik, um den größten Vorteil daraus zu ziehen. Ich sehe keinen großen Vorteil bei einer pneumatischen Ventilsteuerung."

"Es ist viel einfacher das Know-How der Pneumatik zu bekommen. Diese Technologie ist am Markt erhältlich. Man muss es nur bezahlen und hat es. Bei der Desmodromik startet man bei Null und es dauert Jahre. Wir verkaufen die Technologie nicht." Mit der Ventilsteuerung hat Ducati eine Eigenheit der Marke in die MotoGP mitgenommen.

Zwei Zylinder wären ideal für ein Motorrad

Der Motor hat aber vier Zylinder. "Wir sind stolz auf unsere Geschichte, aber wir kämpfen gegen Honda und Yamaha. Wir müssen also offen sein", so Preziosi. "Deshalb haben wir bei unserem MotoGP-Einstieg vier Zylinder gebaut, obwohl unsere Firma hauptsächlich nur zwei verkauft. Derjenige, der die Regeln geschrieben hat, hat entschieden, dass man mit zwei Zylindern nicht konkurrenzfähig wäre."

"Nur beim Gewicht hätte man einen Vorteil, aber das ist zu wenig. Ich glaube persönlich, dass zwei Zylinder für ein Motorrad die beste Möglichkeit sind. Wir mussten aber einen Motor mit vier Zylindern bauen. Gleichzeitig haben wir uns entschieden, die Desmodromik zu behalten. Aber nicht wegen der Geschichte, sondern weil es ein Vorteil ist."

Bei allen Rennserien stellt sich die Frage, was die Prototypen-Entwicklung für die Straßenmodelle bringt. "Unsere Mission ist es, Technologie zu entwickeln und sie später für die Serie zur Verfügung zu stellen. Die Ingenieure für die Serienentwicklung entscheiden dann, was für sie nützlich ist."

"Wir verwenden im Rennsport manchmal für jede Kurve spezielle Einstellungen. Für die Serie ist das nicht sinnvoll, aber viele Dinge, die wir entwickeln, sind brauchbar. Um beispielsweise die Haltbarkeit zu erhöhen, muss man nachdenken und experimentieren. Das geht auch mit kleinen Modifikationen."

Fotoquelle: Ducati

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