Wächst das MotoGP-Teilnehmerfeld ab der kommenden Saison wieder an?

MotoGP 2011

— 13.06.2011

CRT-Starterliste kommt am Mittwoch

Mit anderthalb Wochen Verspätung wollen FIM, IRTA und Dorna am Mittwoch die MotoGP-Teilnehmerliste für 2012 veröffentlichen

Eigentlich hätte bereits beim Grand Prix von Katalonien in Barcelona vor rund einer Woche offiziell Klarheit darüber herrschen sollen, welche Teams in der kommenden Saison in der MotoGP antreten werden. Die Anmeldefristen für 2012 sind bereits seit Mai verstrichen und alle ernsthaft interessierten Bewerber mussten bis zum 3. Juni eine Kaution bei der Teamvereinigung IRTA hinterlegen.

Doch offenbar bestand bis zuletzt Diskussionsbedarf über die Auslegung der neuen Regeln. Ab der kommenden Saison wird nämlich nicht nur das Hubraumlimit in der "Königsklasse" wieder auf 1.000 cm³ angehoben, sondern es werden auch Teilnehmer zugelassen, die modifizierte Serienmotoren in MotoGP-Eigenbau-Rahmen einsetzen möchten. Diese Teams unterwerfen sich dann der so genannten "Claiming Rule".

Ist eine Mannschaft als Claiming-Rule-Team (CRT) eingeschrieben, darf ein anderer Hersteller einen Motor samt Getriebe dieses Teams einfordern ("claimen"), das heißt zu einem Fixpreis in Höhe von 20.000 Euro (15.000 Euro ohne Getriebe) abzukaufen. Somit soll vermieden werden, dass ein Hersteller unter dem Deckmantel eines unscheinbaren Privatteams einen verkappten Werkseinsatz fährt und gleichzeitig von den Vorteilen profitiert, welche diesen Teams zugestanden werden. Konkret sind das ein größerer Treibstofftank und ein Limit von zwölf anstatt neun Motoren pro Fahrer und Saison.

Von dieser Regel sollen alle Seiten profitieren: Die Dorna bekäme endlich wieder ein größeres Starterfeld, da der Eintritt in die MotoGP billiger wird, und interessierte Teams, denen die schlüsselfertigen Leasingmaschinen von Honda, Yamaha und Ducati bislang zu teuer waren, finden somit eine Einstiegsmöglichkeit in MotoGP. Die Hersteller werden gleichzeitig mit der Claiming-Rule besänftigt, da diese sicherstellt, dass jene Privatteams auf Dauer nicht wirklich mit den Werksteams mithalten können.

Streit über Leasing-Frage entbrannt

In den vergangenen Wochen ist hinter den Kulissen allerdings ein Streit darüber entbrannt, ob ein CRT seine Motoren überhaupt an einen Hersteller abtreten darf. Offenbar planen einzelne Teams nämlich, Superbike-Motoren von BMW und Aprilia nur zu leasen - und nicht zu kaufen. Diese Motoren würden dann ins eigene Chassis gesteckt und gingen am Ende der Saison wieder an den jeweiligen Hersteller zurück. Die Teams besitzen die Motoren also nicht, können sie demnach auch nicht im Fall einer Forderung eines anderen Herstellers verkaufen.

Was also tun? Die Angst der Werksteams, dass sich beispielsweise BMW in Zusammenarbeit mit dem Chassis-Hersteller Suter und dem Marc-VDS-Team in aller Ruhe auf ein werksseitiges Engagement vorbereitet, ohne dabei zu riskieren, dass die Konkurrenz die Motor- und Getriebekonstruktion der Bayern genau unter die Lupe nimmt, ist zu groß.

Kompromiss: Im Zweifelsfall kein CRT-Status

In Silverstone zeichnete sich ein Kompromiss ab. Demnach sollen Teams, die ihre Motoren im Sinne der Claiming-Rule nicht abtreten können oder wollen, auch nicht als CRT antreten, sondern rein regeltechnisch betrachtet als Werksteams. Das befreit sie vom potenziellen Zwang der Offenlegung, bedeutet aber auch, dass sie pro Saison und Fahrer nur neun Motoren einsetzen dürfen und die Tankgröße ebenfalls auf das Niveau der echten Werksteams beschränkt ist (21 Liter).

Um wie viele Teams es dabei tatsächlich geht, weiß derzeit niemand mit absoluter Sicherheit. Wenn man bedenkt, dass Marc-VDS/Suter bislang das einzige Projekt ist, das hinsichtlich der kommenden Saison einen regulären Testbetrieb aufgenommen hat, kann die Anzahl der potenziellen CRT nicht so riesig sein - auch wenn IRTA-Generalsekretär Mike Trimby beteuert, dass es "mehr als genug Einschreibungen" gebe und er von 24 Motorrädern in der nächstjährigen Startaufstellung ausgehe.

Unterdessen hat FIM-Präsident Vito Ippolito am vergangenen Wochenende noch einmal offiziell bestätigt, dass die Planungen von Suter und Co. dem neuen Regelwerk entsprechen. Zwar seien auch künftig keine kompletten, modifizierten Serienmotorräder in der MotoGP erlaubt - dieses Privileg obliegt allein der Superbike- und Supersport-Weltmeisterschaft. Sobald aber ein Serienmotor in ein fremdes (Eigenbau-)Chassis verpflanzt werde, handele es sich nicht mehr um ein Superbike, sondern um einen im Grand-Prix-Sport startberechtigten Prototypen.

Fotoquelle: Bridgestone

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.