Nach dem Capirossi-Unfall nahmen nur 16 Piloten das MotoGP-Rennen in Assen auf

MotoGP 2011

— 29.06.2011

Bridgestone: Bedingungen in Assen waren das Problem

Bridgestone-Entwicklungschef Hirohide Hamashima klärt auf, was genau in Assen in puncto Reifen schiefgelaufen ist

Das MotoGP-Wochenende im niederländischen Assen war von zahlreichen Stürzen gekennzeichnet. Ursache war in den meisten Fällen die Tatsache, dass die Piloten der Königsklasse die Reifen nicht auf Temperatur bringen konnten. Pramac-Pilot Loris Capriossi musste seinen Sturz gar mit dem Startverzicht sowohl in Assen als auch am kommenden Wochenende in Mugello bezahlen.

Im Nachgang des siebten WM-Laufs spricht Hirohide Hamashima, Entwicklungschef bei Bridgestone, über die Vorkommnisse in Assen und erläutert die Gründe für die Probleme mit den japanischen Pneus. Seiner Ansicht nach waren die extrem niedrigen Bedingungen und der rutschige Asphalt sowie einige der Setups der Motorräder die Ursache für die vielen Stürze. Ein Versuch seitens Bridgestone, noch am Freitag Abhilfe zu schaffen, scheiterte mangels einer Einigung im Fahrerfeld.

Frage: "Die Reifen waren in Assen das Thema. Was ist am Freitag genau passiert?"
Hirohide Hamashima: "Nachdem es am Donnerstag geregnet hatte, gingen die Teams am Freitagmorgen erstmals bei trockenen Bedingungen auf die Strecke. Es war somit das erste Mal am Wochenende, dass die Slicks zum Einsatz kamen. Was die Mischung betrifft, so haben wir dieselben Slick-Reifen nach Assen gebracht wie schon im vergangenen Jahr, da unsere Daten und das Feedback der Piloten keine Änderung verlangten."

"Die Bedingungen waren am Freitagmorgen allerdings sehr schlecht. Nicht nur dass die Streckentemperatur 29 Grad unter dem Wert des Vorjahres lag, auch war die Piste durch den Regen des Vortags noch sehr rutschig und wahrscheinlich gab es auch noch etwas restliches Öl vom Donnerstag auf der Strecke."

"Die Fahrer haben daraufhin am Mittag nach einer Lösung für die Probleme beim Aufwärmen der linken Flanke der Hinterreifen verlangt. Die ursprüngliche Idee war, die Reifen auf der linken Seite zu beschneiden, worauf wir vorbereitet gewesen wären. Im Fahrerfeld konnte jedoch keine Einigung darüber erzielt werden, weshalb wir die Maßnahme nicht angehen konnten."

"Wir haben daraufhin vorgeschlagen, über Nacht eine neuen Hinterreifen aus unserer Basis in Deutschland an die Strecke zu bringen. Diese Spezifikation hätte auf der linken Seite die superweiche Mischung aufgewiesen und bei den Aufwärmproblemen sicherlich geholfen. Die rechte Flanke wäre unverändert geblieben. Wir hatten den Truck in Speyer bereits beladen, nachdem der Weltverband FIM alle Teams und Fahrer nach ihrer Meinung befragt hatte und der Vorschlag durchwegs positiv aufgenommen wurde."

"Am späten Freitagabend wurden wir jedoch darüber informiert, dass es unter den Teams eine weitere einstimmige Vereinbarung gegeben hat, die uns nicht erlaubte, das Reifenkontingent zu verändern. Einige Fahrer waren offenbar nicht der Ansicht, dass keine Veränderung notwendig sei, da sie keinerlei Sicherheitsprobleme ausmachen konnten. Wie sich in den ersten Runden des Rennens am Samstag herausstellen sollte, wäre die neue Spezifikation hinsichtlich der Aufwärmphase sicherlich von Vorteil gewesen. Gleichzeitig wäre dadurch natürlich die Lebensdauer der Reifen zurückgegangen."

Frage: "Im Rennen hatten einige der Fahrer, speziell Cal Crutchlow und Colin Edwards, einen extrem hohen Verschleiß am Vorderreifen zu beklagen. Was war der Grund dafür?"
Hamashima: "Grundsätzlich bevorzugen die meisten Fahrer die härtere Mischung am Vorderrad. Angesichts der Bedingungen am Renntag mit den niedrigen Temperaturen und der rutschigen Strecke haben sich jedoch nahezu alle Fahrer für die weiche Mischung entschieden, um auf Nummer sicher zu gehen. Der Nachteil dieser Mischung ist allerdings eine erhöhte Tendenz des Grainings. Zudem spielen das Setups des Bikes und der Fahrstil eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Lebensdauer der Reifen. Einige Fahrer-Motorrad-Kombinationen haben die Vorderreifen härter beansprucht. Sobald das Graining am Vorderreifen einmal eingesetzt hat, verschlechtert sich die Situation zusehends."

"Dazu kommt, dass die Strecke in Assen im Laufe der Jahre mehrmals umgebaut und teilweise neu asphaltiert wurde. Daraus resultierend haben wir es dort mit einer Kombination unterschiedlicher Streckenbeläge zu tun, welche die Reifen unterschiedlich hart beanspruchen. An den rauen Stellen der Strecke - speziell in den langen und schnellen Rechtskurven - stellte der Verschleiß der Vorderreifen kein Problem dar. Dies traf auf den Großteil der Piloten zu. Colin, Cal und Andrea (Dovizioso; Anm. d. Red.) hatten jedoch eindeutig Schwierigkeiten."

Frage: "Worin lag die Ursache für die Vibrationen bei Dovizioso im Rennen begründet?"
Hamashima: "Das Hinterrad von Andreas Maschine war absolut in Ordnung. Wir haben es analysiert und nichts Ungewöhnliches feststellen können - weder am Rad, noch am Reifen selbst. Ganz offensichtlich lag das Problem im Graining am Vorderreifen begründet. Je schlimmer es wurde, desto unebener wurde die rechte Flanke des Vorderreifens. Dies hat die Vibrationen verursacht."

Fotoquelle: Bridgestone

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