Casey Stoner dokterte an diesem Wochenende lange am Setup herum

MotoGP 2011

— 14.08.2011

Stoner: "Es hätte kaum besser laufen können"

Casey Stoner baut mit dem Sieg in Brünn seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft weiter aus - Das Wochenende war anstrengender als erwartet

Dank seines sechsten Saisonsieges kommt Casey Stoner seinem zweiten Weltmeisterschaftstitel immer näher. Der Australier distanzierte die Konkurrenz auf der Strecke in Brünn mehr als deutlich und vergrößert seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 32 Punkte. Im großen Siegerinterview spricht der Honda-Pilot über die Anstrengungen des Rennwochenendes.

Frage: "Casey, nach dem Warmup schienst du nicht besonders zufrieden zu sein. Im Rennen gelang dir dann aber ein souveräner Sieg. Wie ist das zu erklären?"
Casey Stoner: "Es hätte letztlich kaum besser für mich laufen können. Allerdings war dieses Wochenende für uns ziemlich hart. Es war ähnlich wie das in Laguna. Wir hatten Schwierigkeiten, den letzten Grip an den Reifenflanken am Hinterrad zu finden. Es hat bis zum Ende des Qualifyings gedauert, bis es sich einigermaßen okay angefühlt hat."

"Dann haben wir etwas anderes im Warmup ausprobiert, was aber vollkommen in die falsche Richtung gegangen ist. Deswegen war ich vor dem Rennen etwas besorgt, inwiefern wir konkurrenzfähig sein würden. Wir haben schlicht einen Schuss ins Blaue gewagt und für das Rennen etwas ausprobiert. Es war nicht viel besser als das, was wir im Qualifying gehabt hatten, aber im Gegensatz zum Training habe ich mich wesentlich stärker reingehängt. Ich hatte am gesamten Wochenende nicht besonders viel Vertrauen ins Motorrad."

"Wir haben gewusst, dass wir ein Setup haben, das okay ist, aber vielleicht nicht gut genug, um bequem an der Spitze zu fahren. Uns ist nicht ganz klar gewesen, an welchem Teil des Motorrads wir arbeiten müssen, um das Feedback zu bekommen, das wir uns erhofft haben. Für das Rennen haben wir also etwas anderes ausprobiert, und das hat am Anfang etwas besser funktioniert. Genau da hatten wir zuletzt unsere Probleme. Auf gebrauchten Reifen haben wir immer recht konkurrenzfähig ausgesehen, aber auf frischen Reifen haben wir in der ersten Rennhälfte nie ganz die Pace gehabt."

"Sobald ich an Andrea vorbei gewesen bin und zu Dani und Jorge aufschließen konnte, ist es mir recht leicht gefallen, das Tempo zu halten, das ich angeschlagen hatte. Das Team hat einen großartigen Job gemacht, um mir dieses gewisse Extra an Randgrip zu verschaffen. Dadurch hatte ich dann auch viel mehr Vertrauen ins Vorderrad. Ich konnte also aggressiver in die Kurven hineinfahren und auch etwas aggressiver hinausbeschleunigen. So hatte ich ein fantastisches Motorrad für das Rennen."

Vorsprung in der WM vergrößert

Frage: "Es sind noch sieben Rennen zu fahren, aber der Sieg ist sicher doppelt schön, weil du dadurch deinen Vorsprung auf Lorenzo um weitere zwölf Punkte vergrößern konntest, oder?"
Stoner: "Wenn man sich den Punktestand anguckt, ist dieser Sieg natürlich wichtig. Aber dieses Rennen war genauso wichtig wie alle anderen auch. Man muss Rennsiege und viele Punkte sammeln, um Meisterschaften zu gewinnen. Natürlich kann man sagen, dass das wichtig war. Aber grundsätzlich wollen wir konkurrenzfähig sein - jetzt und bis zum Ende der Saison."

"In den vergangenen paar Rennen hatten wir Probleme, schnell auf Touren zu kommen. Es hat immer viel Zeit gebraucht, bis im Laufe eines Rennwochenendes schnell gewesen sind. Das hat etwas zu lange gedauert. Wir haben in den kommenden zwei Wochen etwas Arbeit vor uns, damit wir verstehen, in welche Richtung das Motorrad entwickelt werden muss. Sobald es für uns nicht optimal läuft, brauchen wir einfach immer etwas zu lange, bis wir das aussortiert haben. Wenn wir aber von Anfang an schnell sind, können wir nur besser werden."

Frage: "Glaubst du, dass das heute der entscheidende Moment der Saison gewesen sein könnte?"
Stoner: "Nein. Jeder versucht immer den einen entscheidenden Moment einer Saison herauszupicken. Dabei kann es jede Phase der Meisterschaft sein. So lange eine Saison nicht vorbei ist, kann man nicht wirklich sagen, welcher Moment letztlich entscheidend gewesen ist. Der entscheidende Moment ist grundsätzlich dann gekommen, wenn einer die Meisterschaft gewonnen hat."

Frage: "Hast du erkennen können, was Dani genau passiert ist?"
Stoner: "Für mich hat es so ausgesehen, als ob das Vorderrad ganz plötzlich weggeknickt ist. Es hat keinerlei Vorwarnung gegeben, sondern ihn einfach direkt runtergeworfen. Mein Sturz im Nassen war so ähnlich. Er hat sich schon in Schräglage befunden und es ist wirklich schnell gegangen. Ich kann also nicht genau sagen, was da passiert ist. Es hat so ausgesehen, als hätte er eine Bodenwelle getroffen. Aber da sind eigentlich keine Bodenwellen. Es war schon etwas merkwürdig."

Frage: "Hat Danis Crash etwas an deiner Strategie für dieses Rennen geändert?"
Stoner: "Nein. Vielleicht wäre ich ihm gerne noch ein paar Runden länger hinterhergefahren, da ich den Eindruck gehabt habe, dass wir so von Jorge hätten wegziehen können. Ich hätte gerne gesehen, welche Linien er wählt. Aber da wir unterschiedliche Abstimmungen bei unseren Motorrädern verwenden, hätte ich so oder so mein eigenes Rennen fahren müssen. Es wäre interessant gewesen zu sehen, welche Pace ich im Vergleich zu Dani hätte gehen können. Unglücklicherweise ist er gestürzt und ich musste mich so schnell wie möglich vom Rest des Feldes absetzen."

Überrascht von Lorenzos Reifenwahl

Frage: "Warst du von Lorenzos Reifenwahl überrascht? Er hatte sich vor dem Start für die weiche Mischung am Vorderreifen entschieden."
Stoner: "Um ehrlich zu sein wusste ich das gar nicht. Ich habe mich in diesem Rennen nur um mich selbst gekümmert. Mir war es egal, mit welchen Reifen die anderen fahren würden. Es ist darum gegangen, wie ich das Rennen kontrollieren würde, wie ich zurechtkommen würde."

"Jetzt, wo ich es weiß, bin ich ein wenig überrascht, ja. Ich kann es aber auch verstehen, denn einige von uns haben an diesem Wochenende über Chattering geklagt. Der weichere Reifen schenkt einem etwas mehr Vertrauen in den langen Kurven. Aber so heiß wie es im Rennen gewesen ist, ist das sicherlich eine außergewöhnliche Entscheidung gewesen."

Frage: "Bei der Siegerehrung hast du emotionaler als sonst ausgesehen. Oder täuscht dieser Eindruck?"
Stoner: "Inwieweit habe ich anders als sonst ausgesehen? Müder? [lacht; Anm. d. Red.] Dieser Sieg hat sich gut angefühlt, das ist klar. Vielleicht sogar noch besser als in Laguna, wo wir vorher nicht so weit weg gewesen sind. So überzeugend zu gewinnen, hat sich toll angefühlt. Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur mehr Schweiß in meinen Augen und habe müde ausgesehen. Speziell der erste Teil des Rennens war sehr anstrengend, denn ich musste das Motorrad viel härter rannehmen, als es mir lieb war, um diese Rundenzeiten herauszupressen."

Frage: "In zwei Wochen steht Indianapolis auf dem Programm. Was rechnest du dir dort aus?"
Stoner: "Jetzt, wo der Kurs dort neu asphaltiert wurde, sollte alles viel besser und wesentlich ebener sein. So wird die Strecke bestimmt viel mehr Spaß machen. Dani hat in der Vergangenheit gezeigt, dass die Honda dort extrem schnell ist. Aber Dani ist an sich einfach sehr schnell in Indianapolis. Ich war dort im vergangenen Jahr ganz gut, bin aber über das Vorderrad weggerutscht. In diesem Jahr sollte ich mich da etwas wohler fühlen."

Fotoquelle: Honda

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