Insgesamt 42 Siege hat Casey Stoner bis heute in der Motorrad-WM gefeiert

MotoGP 2012

— 17.05.2012

Stoner hat die Leidenschaft verloren

Casey Stoner hat den Spaß und die Leidenschaft verloren - Außerdem ist die MotoGP nicht mehr die Serie, die ihn früher immer gereizt hat

Weltmeister Casey Stoner musste in seiner kurzen MotoGP-Karriere viel Kritik einstecken. Als er mit Ducati im Jahr 2007 Weltmeister wurde, wurden die Erfolge dem Motorrad zugeschrieben und nicht ihm. Valentino Rossi ordnete den Australier damals in die "PlayStation-Generation" ein, die sich stark auf die Elektronik verlässt. Dabei ist Stoner bis heute einer der Fahrer, die am wenigsten die elektronischen Helferlein nutzen. Erst mit seinem Titelgewinn im Vorjahr verstummten viele Kritiken. Der "Rolling Stoner" gehörte ebenfalls der Vergangenheit an. Er wurde außerdem oft dafür kritisiert, er jammere zu viel herum. In den vergangenen Monaten kritisierte Stoner oft die Dorna und die FIM, dass sie die Regeln ständig ändern und es in die falsche Richtung läuft.

Viele dieser Puzzlesteine haben schließlich zur Rücktrittserklärung beigetragen. "Ich verfolge diese Meisterschaft schon sehr lange und es ist einfach zu sehen, was funktioniert und was nicht. Man arbeitet sehr hart, um sich seinen Traum zu erfüllen", schildert Stoner seine Beweggründe." Dann kommt man hier an, fährt einige Jahre und realisiert viele Dinge: Leute, die kein Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten haben, oder die Veränderungen der Meisterschaft."

"2009 hat mir die Augen geöffnet. Bis heute versteht niemand, dass ich eine Laktoseallergie habe. Es ist eine andere Art als die meisten Menschen haben. Es verschlingt meine Energie. Niemand hat auf mich gehört. Es gab so viele Dinge, auch in welche Richtung sich die Meisterschaft entwickeln wird. 2009 habe ich realisiert, was wichtig ist: die Familie und glücklich sein. Geld ist nicht alles. Ich zähle zu den wenigen Fahrern, die sagen können, dass sie aufhören, wenn es keinen Spaß mehr macht. Die Leidenschaft hat immer mehr abgenommen."

Außerdem rechnet Stoner mit seinen Kritikern ab und sieht keine positive Zukunft für die Königsklasse: "Niemand versteht, dass alle die Meisterschaft niedermachen. Es heißt, die Rennen sind langweilig und so weiter. Die Leute müssen schätzen, was sie haben. Auch die Leute in diesem Raum müssen realisieren, was wir jetzt haben, bevor es vorbei ist", spricht er die Medienvertreter an.

Stoner kritisiert Claiming-Rule

"Es wäre schön, wenn wir wieder spannende Rennen sehen würden, aber da es nur wenige Werksmotorräder gibt, wird es nicht passieren. Es muss mehr hochqualitative Motorräder geben, damit Leute wie Randy dort sein können, wo sie hingehören. Die Meisterschaft in diesem Jahr ist zweigeteilt. Das ist keine Zweiklassengesellschaft, sondern eine Prototypen-Meisterschaft." Die Claiming-Rule war Stoner von Beginn an ein Dorn im Auge gewesen.

"Die Leute können über die Vergangenheit sagen, was sie wollen, dass die Serie mit Standardmotorrädern begonnen hat und sich zu Prototypen entwickelt haben. Jetzt entwickeln wir uns in die gegenseitige Richtung. Wir starten nicht neu, sondern es geht retour. Das ist nicht die Meisterschaft, die ich geliebt habe und nicht jene, in der ich immer fahren wollte."

"Nur zwischen uns Konkurrenten herrscht gegenseitiger Respekt. Es gibt viele verschiedene Gründe, aber prinzipiell habe ich die Leidenschaft für diesen Sport verloren. Natürlich werde ich es dieses Jahr noch genießen, aber ein weiteres Jahr wäre nicht korrekt für mich oder mein Team." Im Alter von 26 Jahren kommt der Rücktritt früh. Theoretisch könnte Stoner noch viele Jahre an der Spitze um Siege und Weltmeisterschaften kämpfen.

Stoner will das Leben mit seiner Familie genießen

"Für mich ist es keine Verschwendung eines Talents, sonder Verschwendung des Lebens, wenn ich das weitermache. Selbst wenn ich es nicht genieße, kann ich hinausfahren und immer noch die gleichen Resultate holen. Meine Wettbewerbsnatur wird das übernehmen, was die Leidenschaft nicht mehr kann. Es ist schwierig zu erklären. Vielleicht bin ich der erste junge Fahrer, der so früh aufhört."

"Ich habe immer die Wahrheit gesprochen. Auch in Estoril habe ich nicht gelogen." Vor zwei Wochen hatte Stoner die Rücktrittsgerüchte noch vehement dementiert. "Ich habe erst in der Vorwoche meinen Rücktritt entschieden. Ich habe in der Vergangenheit Fahrer gesehen, die ihre Leidenschaft verloren hatten und trotzdem weitergefahren sind."

In der 800er-Ära war Stoner der erfolgreichste Fahrer. Die 1.000er-ära hat er ebenfalls mit dem WM-Titel begonnen und liegt auch aktuell nach drei Rennen an der Tabellenspitze. Welchen Abdruck wird er in der Geschichte hinterlassen? "Es liegt nicht an mir. Ich hatte eine tolle Karriere und fantastische Rennen."

"Mit dem Weltmeistertitel 2007 hatte ich mein Ziel erreicht. Ich habe es immer versucht, egal wie sehr ich bei Ducati und für meine Stürze kritisiert wurde. Das hat alles dazu beigetragen, diese Entscheidung einfacher zu treffen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere, den Erfolgen und den Rennsiegen in dieser kurzen Zeit. Es war ein steiniger Weg, aber ich werde es nicht bereuen."

Im Winter testete Stoner ein Auto der V8-Supercars. Würde ihn die australische Tourenwagenmeisterschaft in Zukunft interessieren? "Das hatte keinen Einfluss auf meine Entscheidung. Ich habe das Auto getestet, aber das wollte ich schon in den letzten drei, vier Jahren ausprobieren. Schließlich ergab sich die Zeit dazu. Es hatte aber nichts mit meiner Entscheidung zu tun."

"Auch die Geburt meiner Tochter hat nichts damit zu tun, sondern nur wenig. Die Entscheidung fiel etwas leichter, aber es war nicht der Hauptgrund. Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben tun will. Ich will nicht an einem Punkt ankommen, wo ich keine Lust mehr am Rennsport habe. Ich liebe Motorräder, sie sind schon mein ganzes Leben meine Leidenschaft. Ich möchte nicht die letzte Lust daran verlieren, und dann zehn Jahre lang auf kein Bike steigen. Es gab viele Gründe. Die V8-Sache hatte damit nichts zu tun."

Fotoquelle: Honda

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