Casey Stoner will sich mit einem WM-Titel aus der MotoGP verabschieden

MotoGP 2012

— 01.08.2012

Stoner: "Ich werde so schnell nicht aufgeben"

Casey Stoner zieht Bilanz: Eigene Fehler und ein bärenstarker Jorge Lorenzo machen den Kampf um den MotoGP-Titel schwer, aber nicht unmöglich

Die MotoGP-Saison geht in die zweite Hälfte, und Titelverteidiger Casey Stoner liegt in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz. Im Interview blickt der Australier auf die bisherigen Rennen zurück und spricht über die Aussichten im WM-Kampf gegen Jorge Lorenzo und Dani Pedrosa und wie seine Taktik beim Rennen um seinen dritten MotoGP-Titel aussieht. Außerdem sagt Stoner neun Rennen vor den Ende seiner MotoGP-Karriere, was er von seinem Nachfolger Marc Marquez hält.

Frage: "Casey, wir haben jetzt Saisonhalbzeit. Wie würdest du deine Leistung, die des Teams und des Motorrads bis jetzt einordnen?"
Casey Stoner: "Mit meiner Leistung bin ich ziemlich zufrieden, aber wir haben leider in Mugello und am Sachsenring einige kleine Fehler gemacht, durch die ich in der Gesamtwertung weit zurückliege. Ich glaube, die Dinge würden anders aussehen, wenn das Wetter bei einigen Rennen anders gewesen wäre und wir diese Fehler nicht gemacht hätten; dann wären wir in einer guten Position. Aber so hinken wir ein Stück hinter unseren Zielen zurück."

Frage: "Vor einem Jahr hast du zu diesem Zeitpunkt der Saison die Meisterschaft angeführt und hattest 20 Punkte mehr als jetzt. Was hat sich seitdem verändert?"
Stoner: "Wie schon gesagt, wären wir in Le Mans im Trockenen gefahren, wären wir in einer guten Position gewesen, um zu siegen. Und hätte ich am Sachsenring gewonnen, würde ich die Meisterschaft jetzt vielleicht anführen. Aber leider habe ich diese Fehler gemacht, es ist nicht nach Plan gelaufen. In Katar, wo wir klar die Schnellsten waren, hatte ich Probleme mit den Unterarmen. Es lief einfach nicht perfekt. Die neue Regel bezüglich der Reifen war für uns eine Katastrophe und hat es uns sehr schwer gemacht, das Motorrad zum Arbeiten zu bringen."

Frage: "Jorge Lorenzo, Dani Pedrosa und du führen die MotoGP derzeit an. Wie kannst du die beiden schlagen, was sind ihre Stärken und Schwächen?"
Stoner: "Ich glaube das ändert sich von Woche zu Woche. Klar, Jorge ist immer vorne dabei, immer sehr stark und konstant, und er kommt mit dem neuen Reifen offenbar sehr gut zurecht. Diese Mischung haben sie schon bei den Tests vor der Saison bevorzugt, während Dani und ich die Einzigen waren, die sie überhaupt nicht gemocht haben. Deine Stärken und Schwächen wechseln bei jedem Rennen. Das musst du im Verlauf des Wochenendes einschätzen, was nie einfach ist."

Stoner, Pedrosa und Lorenzo eine klasse für sich

Frage: "Ihr drei standet öfter als alle anderen Fahrer auf dem Podium. Ist das Niveau in der Weltmeisterschaft höher als je zuvor?"
Stoner: "Ich glaube schon, es wird von Jahr zu Jahr besser. Die ersten vier aus dem vergangenen Jahr haben schon immer gegeneinander gekämpft. Wir sind schon in den unteren Klassen gegeneinander gefahren, und in dieser Saison sind wir noch stärker geworden. Es ist ein tolles Gefühl, so oft mit Dani und Jorge auf dem Podium zu stehen. Wir respektieren einander sehr, genießen unsere Zweikämpfe und Rennen. Ich freue mich, mir in meiner letzten Saison so oft mit ihnen das Podium zu teilen.

Frage: "Mit Ausnahme der Niederlande war Lorenzo in diesem Jahr immer entweder Erster oder Zweiter. Kann er diese Form während der gesamten Saison halten?"
Stoner: "Ja, ich sehe keinen Grund, der dagegen spricht. Er hat dieses Niveau bis jetzt gehalten und kann das auch bis zum Ende der Saison. Er war sehr konstant. Auch wenn er manchmal nicht schnell genug war, tauchte er immer wieder vorne auf, und wenn er nicht Erster wird, dann Zweiter. Es wird sehr schwierig, am Ende vor ihm zu liegen, aber wir müssen es versuchen."

Frage: "Ging es in Deutschland um alles oder Nichts?"
Stoner: "Nein, sicherlich nicht. Ich war ehrlich gesagt sehr zufrieden mit meiner Position und hatte meinen Angriff für die letzte Kurve geplant, wo ich auf der Bremse viel stärker war als Dani. Ich habe in der Kurve vorher die Bremse etwas zu früh gelöst und war damit wohl etwas zu sanft. Das Vorderrad war nicht stark genug belastet und ich stürzte. Ich war darüber sehr überrascht, denn ich war zuversichtlich, ihn überholen zu können. In diesem Moment habe ich vielleicht die Meisterschaft weggeworfen, das war kein gutes Ende des Wochenendes."

Frage: "Glaubst du, dass die Leute dich nach dem Unfall und dem Resultat in Italien zu früh abgeschrieben haben?"
Stoner: "Das tun sie immer, sogar im Vorjahr. Sobald ich in der Meisterschaft nicht mehr in Führung lag, haben sie mich vergessen. Ich habe in jedem Jahr einige schlechte Rennen und die Leute vergessen schnell. Aber man muss sich vor Augen führen, was wir hier tun. Ich bin Weltmeister und werde so schnell nicht aufgeben."

Frage: "Wie sieht deine Strategie für die zweite Saisonhälfte aus?"
Stoner: "Es gibt keine Strategie, niemals. Während der Saison musst du versuchen, in jedem Rennen und in jedem Training der Schnellste zu sein, dein Motorrad und die Reifen zu gut wir möglich zum Arbeiten zu bringen und mehr Punkte als jeder andere Fahrer zu gewinnen. Das ist das Beste, was du tun kannst."

Marquez kann es schaffen

Frage: "Du hattest schon immer eine hohe Meinung von Marc Marquez. Was kann er im nächsten Jahr auf deinem Motorrad erreichen?"
Stoner: "Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn ich bin mir nicht sicher, wie das Niveau in der Moto2 ist. Wir sehen, dass er auf einem höheren Niveau als die anderen Fahrer fährt, aber wie gut seine Rivalen sind, kann ich nicht einschätzen. Bisher hatte noch kein Moto2-Fahrer bei uns große Erfolge. Stefan Bradl hatte einige gute Ergebnisse, aber in diesen Rennen habe ich Fehler gemacht, daher sehen die Dinge vielleicht etwas besser aus, als sie in Wirklichkeit sind. Wir warten noch auf den ersten Sieg eines Moto2-Fahrers in der MotoGP, aber wenn es einer schaffen kann, dann Marc."

Frage: "Wenn Marc dich um Rat fragen würde, was würdest du ihm sagen?"
Stoner: "Ich glaube jeder Fahrer hat seine eigene Meinung, ich glaube nicht, dass Marc mich um Rat fragen wird. Vielleicht denkt er sogar, dass er besser ist als ich, denn er ist von sich selbst und seinen Fähigkeiten sehr überzeugt. Ich glaube, er sollte es ein wenig entspannter angehen, denn in dieser Kategorie ist es nicht so einfach."

Frage: "Es sind noch neun Rennen, bis du deine Karriere in der MotoGP beendest. Denkst du manchmal: 'Hier werde ich nie wieder fahren', wenn du zur Strecke kommst? Was glaubst du, wirst du am meisten vermissen?"
Stoner: "Nein, darüber denke ich nicht nach. Ich kann ja jederzeit zurückkommen. Vielleicht nicht im Rennen, aber ich kann auf allen Strecken fahren. Das Rennfahren wird mir fehlen, aber das ist leider nur ein kleiner Teil des Sports - ein sehr kleiner. Ich werde die Menschen vermissen, mit denen ich zusammenarbeite und mit denen ich gerne meine Zeit verbringe. Sie nicht mehr zu sehen, wird mich traurig stimmen."

Frage: "Nach dem Rennen in Laguna Seca folgt nun eine Pause von zwei Wochen. Ist das die richtige Zeit, um mit deiner Tochter zu spielen, die Gesellschaft deiner Frau zu genießen, beim Angeln zu entspannen oder hart zu trainieren?"
Stoner: "Sowohl als auch. Ich werde ein wenig angeln, außerdem besuchen uns einige Freunde. Ansonsten werden wir die Zeit miteinander verbringen und entspannen. Aber ich werde auch trainieren, um in Indianapolis fit zu sein."

Fotoquelle: Repsol

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