Karel Abraham konnte in dieser Saison erst in zwei Rennen punkten

MotoGP 2012

— 15.08.2012

Abraham: "MotoGP ohne Elektronik ist zu gefährlich"

Karel Abraham erlebt eine schwierige zweite MotoGP-Saison - Die 1.000er sind nicht so anders als die 800er zu fahren, aber die Elektronik spielt eine sehr große Rolle

Der Tscheche Karel Abraham bestreitet seine zweite Saison in der MotoGP. Im Vorjahr mussten sich der 22-Jährige und sein Cardion-Team auf die Königsklasse umstellen und die Ducati kennenlernen. Bis zum letzten Rennen kämpfte Abraham gegen Cal Crutchlow um die Ehre, der beste Neuling zu sein. Schließlich entschied der Brite das Duell auf Augenhöhe für sich. 2011 konnte Abraham insgesamt 64 WM-Punkte sammeln. In diesem Jahr läuft es deutlich schwieriger, denn er hat lediglich zehn Zähler auf dem Konto. Stürze und Verletzungen haben die vergangenen Monate geprägt.

Abgesehen von den Verletzungen muss Abraham auch mit der schwierigen Ducati zurechtkommen, die technisch auf dem Stand der Valencia-Testfahrten im vergangenen November ist. "Die 1.000er ist ein anderes Motorrad, aber ich habe einen größeren Unterschied erwartet", spricht der Tscheche den Vergleich mit der alten 800er an. "Ich hörte, dass dieses Motorrad verrückt sein soll und man nach ein, zwei Runden müde wird, aber das habe ich nicht gefühlt."

"Es ist nicht so anders wie die 800er, obwohl das Chassis anders ist, aber es fühlt sich nicht so anders an. Natürlich gibt es wie bei jedem Motorrad auch schlechte Punkte. Wir müssen eine gute Abstimmung dafür finden, was immer schwierig ist." Im Verlauf der ersten zehn Rennen hat sich gezeigt, dass die stärkeren Prototypen oft nur mit Mühe an die alten 800er-Rekorde herankommen, je nach Streckencharakteristik.

Auf dem Motorrad ist der Unterschied zu den alten Maschinen nicht groß. Die Elektronik spielt die größte Rolle. "Eigentlich ist es gleich. Bei der 800er hat man am Kurvenausgang einen Slide oder einen Wheelie erwartet. Selbst bei der 800er mussten wir über die Elektronik die Power reduzieren", berichtet Abraham aus Pilotensicht. "Wenn man einen 1.000er Motor einbaut, dann geht man davon aus, dass der Motor doppelt so stark ist. Also muss man die Kraft wieder über die Elektronik beschneiden. Am Kurvenausgang fühlt es sich deshalb sehr ähnlich an. Man öffnet das Gas und die Elektronik setzt ein."

Elektronik spielt eine große Rolle

"Schon bei der 800er machten wir die halbe Gerade lang Wheelies. Auch da muss man die 1.000er über die Elektronik begrenzen. Beim Motor gibt es nur am Ende der Geraden im fünften und sechsten Gang Unterschiede. Da ist der Motor viel kräftiger und man kann den Speed spüren. Speziell in Malaysia spürt man den Geschwindigkeitsunterschied. Mit der 800er konnte man sich im fünften, sechsten Gang etwas ausruhen, aber mit der 1.000er geht das nicht mehr."

Seit Jahren sind die elektronischen Helferlein ein beliebtes Diskussions-Thema, doch könnte man die aktuellen Prototypen ohne Traktionskontrolle oder Anti-Wheelie-Kontrolle überhaupt beherrschen? "Es gibt so viel Elektronik, sodass man das Motorrad gar nicht so stark spürt. Würden sie die Elektronik komplett verbieten, dann würde man zwischen der 800er und der 1.000er einen großen Unterschied merken", findet Abraham.

"Man sieht heutzutage schon bei der Moto3 eine Traktionskontrolle, was ich verrückt finde. Mir gefällt das überhaupt nicht. In der 250er-Klasse gab es bis zum letzten Jahr keine Traktionskontrolle. Deshalb haben mir diese Motorräder sehr gut gefallen. In der MotoGP werden die Motorräder stark von der Elektronik kontrolliert. Ich würde gerne weniger sehen, aber es wäre unmöglich, diese Bikes ohne Elektronik zu fahren. Dieses Motorrad ist so kräftig."

"Als ich zum ersten Mal mit diesem Motorrad in Mugello gefahren bin, hatte ich Angst, weil man sehr sanft am Gas drehen muss. Ich habe die Traktionskontrolle auch schon abgeschaltet und glaube, dass es möglich wäre. Die Rundenzeiten wären aber deutlich langsamer. Man würde im Verlaufe einer Saison wahrscheinlich auch ernste Verletzungen zu sehen. Deshalb glaube ich, dass es zu gefährlich wäre, die 1.000er ohne Elektronik zu fahren. Es wäre etwas verrückt."

Abraham kämpft mit der Abstimmung der GP12

Die Elektronik spielt bei der Abstimmung an die jeweilige Strecke eine große Rolle, aber Abraham kämpft mit der GP12 auch in anderen Bereichen: "Ich würde nicht sagen, dass es ein großer Schwachpunkt ist, aber ich habe die größten Probleme mit der Abstimmung der Frontpartie. Wenn ich mich mit der Front nicht wohlfühle, dann kann ich nicht schnell fahren."

"Es ist schwierig, weil wir manchmal viel ausprobieren und es funktioniert nicht. Dann finden wir Fehler oder erkennen, dass wir in die entgegengesetzte Richtung hätten gehen müssen. Manchmal probieren wir etwas, das bei den gegenwärtigen Streckenbedingungen nicht funktioniert, ein anderes Mal aber schon. Es ist also sehr schwierig, eine optimale Abstimmung für die Front zu finden."

Jeder Fahrer ist anders, weshalb man eine Abstimmung nicht übernehmen kann. Die Cardion-Mechaniker dürfen sich die Daten und die Telemetrie des Werksteams ansehen. Ducati geht offen mit dem Kundenteam um. "In der Vergangenheit haben wir versucht, die Abstimmung zu kopieren. Es hat aber nie funktioniert, sondern es war nur schlechter. Mein Team kennt mich sehr gut. Sie wissen manchmal, dass ich eine verrückte Abstimmung brauche, die für mich funktioniert, aber nicht für die anderen Ducati-Fahrer", so der Tscheche.

Zuletzt in Laguna Seca musste sich Abraham bei seinem Comeback gegen die Claiming-Rule-Fahrer wehren. Für dieses Konzept hat er gemischte Gefühle. "Es sollte die gleichen Regeln geben. Wenn es eine Klasse mit dem Namen MotoGP gibt, dann sollten die Regeln für alle gleich sein. CRT ist eine gute Idee, weil wir mehr Fahrer gebraucht haben. Das ist auch gut für die Zuschauer, aber manchmal ist es nicht so leicht, wie man denkt. Es ist die gleiche Geschichte, wenn meine Freunde mir sagen, dass ich später bremsen soll...."

Deshalb ist Abraham auch nicht mit allen Regeländerungen der jüngsten Vergangenheit restlos zufrieden. "Superbikes basieren auf Straßenmodellen. Die MotoGP ist aber ein ganz spezielles Motorrad. Es ist ein Rennbike. Der Hubraum ist komplett egal und sie sollten sich nicht an den Straßenmodellen orientieren. Manchmal sind die Regeln in Ordnung, aber manchmal denken sie zu viel darüber nach."

"Ich sage nicht, dass die Regeln falsch sind, aber es war zum Beispiel nicht unbedingt notwendig, die Motorräder mit Lichtern auszustatten", spricht er Regenrennen an. "Die Lichtblitze können irritieren. Mir gefällt auch nicht der Schutz für die Vorderradbremse. Es sieht so aus, als würde es nicht zu diesem Motorrad passen. Ich glaube auch nicht, dass der Schutz viel hilft. Erst zweimal hätte es Unfälle verhindert. Aber was passiert, wenn man jetzt damit einen Unfall hätte? Ich glaube nicht, dass es notwendig ist."

Fotoquelle: Cardion AB

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