Valentino Rossi blickt auf eine große Vergangenheit bei Yamaha zurück

MotoGP 2012

— 29.08.2012

Rossi & Yamaha: Zurück in die Zukunft

Teamchef Lin Jarvis bestätigt, dass Valentino Rossi die Rückkehr zu Yamaha vorantrieb und hofft auf ein gutes Klima mit zwei Topstars im Team

Neben dem Karriereende von Casey Stoner ist die Rückkehr von Valentino Rossi zum Yamaha-Werksteam abgesehen von der Action auf der Strecke das bestimmende Thema der laufenden MotoGP-Saison. Für den siebenfachen Weltmeister der Königsklasse ist es nach zwei mageren Jahren bei Ducati eine Rückkehr an die alte Erfolgsstätte. In seiner ersten Yamaha-Zeit von 2004 bis 2010 fuhr Rossi nicht weniger als 46 Siege und vier WM-Titel ein.

"Wir hatten zusammen mit Valentino sieben großartige Jahre", blickt Yamaha-Teamchef Lin Jarvis angesichts der neuerlichen Verpflichtung des ehemaligen Teamleaders zurück und stellt heraus: "Wir haben zusammen vier Weltmeisterschaften gewonnen und einen Teil der Geschichte dieses Sports geschrieben. Zudem sorgte die Verbindung für jede Menge positive Publicity für Yamaha. Wir haben uns noch einmal für Valentino entschieden, weil wir zu den guten alten Zeiten zurückkehren wollen."

Rossis Abschied aus dem japanischen Werksteam zum Ende der Saison 2010 lag nicht zuletzt in der ansteigenden Formkurve von Jorge Lorenzo begründet. Der zur Saison 2008 in die Königsklasse aufgestiegene Spanier drohte dem Italiener teamintern den Rang abzulaufen, kürte sich schon in seiner dritten Saison zum Champion und wurde anschließend die klare Nummer eins bei Yamaha. Von einer Trennung im Streit mit Rossi will Teamchef Jarvis rückblickend allerdings nichts wissen: "Natürlich gibt es für jede Trennung Gründe. Wir von Yamaha kommen mit Valentino aber seit jeher gut aus."

Rossi machte den ersten Schritt

In der Pause zwischen den beiden USA-Rennen in Laguna Seca und Indianapolis wurde die Verpflichtung Rossis schließlich offiziell gemacht, nachdem die Gespräche im Juli entscheidend an Fahrt aufgenommen hatten. Grund war die Entscheidung von Ben Spies, der in der Woche vor dem Laguna-Seca-Rennen überraschenderweise aus eigenem Antrieb seinen Abschied aus dem Yamaha-Werksteam zum Ende der Saison verkündete.

"Valentino traf seine Entscheidung im Anschluss an Laguna Seca", sagt Jarvis und fügt hinzu, dass "die letzten Verhandlungen schnell über die Bühne gingen, da wir eine gemeinsame Vergangenheit haben und die wesentlichen Aspekte kennen." Nach Aussage des Yamaha-Teamchefs war es Rossi, der zuerst Kontakt mit dem Team aufnahm und nicht umgekehrt: "Valentino machte den ersten Schritt und tat sein Interesse an einer Rückkehr zu Yamaha kund. Der erste Kontakt kam durch Valentinos Seite zustande."

Wenngleich noch nicht offiziell bestätigt, gilt es mittlerweile als offenes Geheimnis, dass Rossi seine Technikercrew rund um Crewchief Jeremy Burgess von Ducati zu Yamaha mitbringt. "Wir gehen davon aus, dass Jeremy und die Crew zu uns stoßen werden", bestätigt Jarvis und erklärt, warum dieser Teil des Rossi-Wechsels bisher nicht offiziell gemacht wurde: "Es wird weitere Gespräche mit Valentino geben. Wir kümmern uns zunächst um den Fahrer und dann um die Pläne für die Crew und die weitere Belegschaft."

Kein Veto von Lorenzo möglich

Yamaha-Speerspitze Lorenzo wurde laut Jarvis im Rahmen eines Meetings in Mugello erstmals darauf vorbereitet, dass Rossi nach den Jahren 2008 bis 2010 in den kommenden zwei Jahren erneut sein Teamkollege werden könnte. "Um ehrlich zu sein, hätte Jorge wohl Ben als Teamkollegen bevorzugt, denn mit ihm kam er während der zurückliegenden zwei Jahre sehr gut aus. So sah auch unser Plan zunächst aus, doch dann kam es anders und das Ergebnis ist wie es ist", so der Teamchef vielsagend.

Spies selbst hatte im Zuge seiner Abschiedserklärung von "einer ganzen Reihe von Gründen" gesprochen. In diesem Zusammenhang verwies der US-Amerikaner wiederholt auf ein hochrangiges Yamaha-Mitglied. Den Namen von Teamchef Jarvis erwähnte er allerdings ebenso wenig konkret wie die genauen Beweggründe für seinen Abschied. Fakt ist, dass die Trennung von Spies die Tür für die Rückkehr von Rossi endgültig öffnete. "Unterm Strich respektiert Jorge die Entscheidung von Yamaha, Valentino zurückzuholen. Jetzt liegt es an uns, die Situation zu managen", so Jarvis.

Ein Veto gegen die Verpflichtung von Rossi stand Lorenzo vertraglich ohnehin nicht zu, wie der Teamchef betont: "Bei all unseren Fahrerverträgen haben wir stets das letzte Wort, wenn es um den Teamkollegen geht. Natürlich sprechen wir darüber, aber die endgültige Entscheidung trifft Yamaha. Das galt schon damals für Valentinos Vertrag und gilt auch für den Vertrag von Jorge."

Nach seinem WM-Titel von 2010 und dem Vizetitel aus dem vergangenen Jahr gilt der aktuelle Tabellenführer Lorenzo auch künftig als Nummer eins im Team. Dies geht laut Jarvis aber nicht soweit, dass der Spanier gegenüber Rossi in puncto Material bevorzugt wird. "Auch wenn wir Jorge angesichts seiner gegenwärtigen Performance und seines zukünftigen Potenzials als Nummer eins ansehen, werden wir beide Fahrer gleich behandeln. Beide werden die gleiche Unterstützung, die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Zugriff auf Teile haben", versichert der Teamchef.

Erneut gespanntes Verhältnis im Team oder eitel Sonnenschein?

An eine Wiederauffrischung der gespannten Situation, wie sie zwischen Rossi und Lorenzo gegen Ende ihrer ersten gemeinsamen Zeit als Teamkollegen zu beobachten war, glaubt Jarvis nicht. "Im damaligen Team war Valentino die Nummer eins und Jorge der aufstrebende Youngster. Das sorgte ganz offensichtlich für einige Spannungen", spricht er unter anderem das beinharte Duell der beiden in Motegi 2010 an, als es Rossi Lorenzo im Kampf um Platz drei alles andere als leicht machte und schließlich vor ihm ins Ziel kam und das, obwohl er selbst nach seiner Verletzungspause im Sommer keine Chance mehr auf den Titel hatte.

Auch die berühmte Trennwand in der Yamaha-Box ist aus dieser Zeit noch nachhaltig in Erinnerung. Teamchef Jarvis ist dennoch optimistisch, dass die neuen alten Teamkollegen in den beiden kommenden Jahren gut miteinander auskommen werden. "Die Dynamik ist inzwischen eine andere. Wir haben die Probleme der Vergangenheit aus der Welt geräumt und klargemacht, dass wir es nicht dulden, wenn einer unserer Fahrer die Ergebnisse des anderen in Gefahr bringt."

Ein leicht mulmiges Gefühl überkommt Jarvis beim Gedanken an die Yamaha-Fahrerpaarung für die Jahre 2013 und 2014 dann aber doch: "Ich sage nicht, dass die beiden kommenden Jahre einfach werden. Es ist nie einfach, ein Team mit zwei Topfahrern zu managen, aber ich glaube, dass wir es schaffen können."

Rossi wird die aktuelle M1 nach dem Saisonfinale in Valencia erstmals testen. Mit einer Prognose, was das Abschneiden des "Dottore" in seiner Comeback-Saison bei Yamaha angeht, hält sich der Teamchef noch zurück: "Ich bin überzeugt, dass er in der ersten Saison Rennen gewinnen kann. Ob er einen weiteren Titel holen kann, weiß ich nicht. Ich glaube, das kann derzeit niemand sagen."

Fotoquelle: Yamaha

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