Ducati konnte Valentino Rossi bisher kein siegfähiges Material bieten

MotoGP 2012

— 31.08.2012

Wie Furusawa Ducati helfen wollte

Ex-Yamaha-Ingenieur Masao Furusawa erklärt den Verlauf der Gespräche mit Ducati und spricht über Valentino Rossis Chancen bei Yamaha

Im Hochsommer sorgte Masao Furusawa immer wieder für Schlagzeilen. Der ehemalige Yamaha-Konstrukteur wurde mit Ducati in Verbindung gebracht. Es gab Gerüchte, die behauptete, dass Valentino Rossis Verbleib bei Ducati von der Verpflichtung des Japaners abhängt. Rossi hatte bei Yamaha fünf WM-Titel mit Furusawa gefeiert und hat bei Ducati bisher keine nennenswerten Erfolge erzielt.

"Filippo und Furusawa pflegen eine gute Beziehung. Sie haben sich 2010 getroffen. Filippo hat großen Respekt vor Furusawa als Ingenieur", berichtet Rossi. "Ich denke aus diesem Grund hat er Furusawa um Rat gefragt. Ich habe auch mit Furusawa gesprochen. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich glücklich wäre, wenn uns Furusawa in der zweiten Saisonhälfte helfen könnte."

Furusawa beeindruckt Preziosi

"Filippo wollte mit mir sprechen und meinte, dass er nach Japan kommt", verrät Furusawa dem japanischen Journalisten Akira Nishimura. "Ich dachte mir, dass es unnötiger Stress für ihn ist, zwischen zwei Rennen nach Japan zu reisen. Deswegen bin ich zu ihm gekommen. Sie haben mich seit Mitte der vergangenen Saison um Hilfe gebeten. Damals war es mehr oder weniger Spaß, doch dieses Mal war es recht ernst. Sie meinten, dass sie mich bei Ducati haben möchten, sofern das möglich sei."

"Wir haben uns bei ihm getroffen, weil es bereits Gerüchte gab. Wir wollten die Sache geheim halten. In seinem Haus habe ich mit ihm über grundsätzliche Dinge geredet - zum Beispiel, wie das Motorrad konstruiert werden muss. Er war sehr beeindruckt und wollte, dass ich seine Kollegen einweise", schildert Furusawa. "Zwei Tage später hat Filippo seinen Chassis-Ingenieur mitgebracht und wir haben uns erneut bei ihm unterhalten."

Dem Japaner, der mittlerweile ein ruhiges Leben in Kyoto hat, war von Anfang an bewusst, dass es problematisch sei, dem ehemaligen Konkurrenten zu helfen: "Ich kann nicht die Informationen preisgeben, die Yamaha betreffen. Wir haben keine Details besprochen. Ich habe ihnen lediglich meine Herangehensweise und Denkweise erklärt - besonders das, was ich 2004 getan habe."

Dem Feind Hilfe anbieten?

"Ich weiß, dass es in der japanischen Gesellschaft undenkbar ist, seinen Gegnern zu helfen. Andererseits ist Filippo ein Freund und ein exzellenter Ingenieur. Ich möchte ihm helfen", bemerkt der Japaner. "Zudem wäre es keine schlechte Sache, wenn ich ihm mit Hinblick auf Valentinos Rückkehr zu Yamaha für den Rest der Saison helfen würde."

"Filippo hat mir verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie ich ihnen helfen kann. Ich habe ihm gesagt, dass er innerhalb von einer Woche eine Antwort erhält und habe Italien verlassen", berichtet er. Nachdem er mit den Entscheidungsträgern bei Yamaha sprach, entschied sich Furusawa gegen das Ducati-Angebot. "Ich werde Ducati nicht helfen", verkündete er.

Während dem Aufenthalt in Italien nahm Furusawa Kontakt zu Rossi auf. "Als ich nach Italien kam, hatte sich Valentino bereits zu 99 Prozent dazu entschieden, das Team zu verlassen. Die Zeitschriften und Zeitungen behaupteten aber, dass ich zu Ducati gehen würde. Er meinte zu mir, dass es schrecklich wäre, wenn sich die Wege so kreuzen würden."

Treffen mit Rossi

"Als ich in Italien war, hat er mich jeden Tag angerufen. Wir waren der Meinung, dass es besser sei, sich zu treffen. Er hat mich nach Tavullia eingeladen. Nachdem ich ihm den Hintergrund meiner Reise erklärt hatte, sagte ich ihm, dass ich nach Japan zurückkehren würde, um bei Yamaha nachzufragen, ob ich Ducati helfen könne", erklärt der ehemalige Yamaha-Mitarbeiter. "Ich teilte ihm mit, dass er von der Antwort erfahren würde. Am kommenden Tag habe ich ihm nach dem Meeting im Yamaha-Hauptquartier eine E-Mail geschickt und ihm mitgeteilt, dass ich nicht helfen kann."

Für den Rest der Saison muss Rossi also ohne die Unterstützung von Furusawa zurechtkommen. Im kommenden Jahr steigt der Italiener wieder auf die Yamaha M1, mit der er bereits 46 Rennen gewinnen konnte. "Es gibt unterschiedliche Meinungen. Ich denke jedoch, dass er immer noch ein sehr hohes Potenzial hat", schätzt Furuswa mit Blick auf kommende Saison ein. "Dennoch ist Jorge konstanter und schneller denn je. Es wird nicht einfach, ihn zu schlagen, auch nicht für Valentino. Es wird sicher ein guter Kampf."

"Ich schätze, dass die Spannung zwischen beiden Fahrern wieder steigen wird. Ich wäre nicht überrascht, wenn Valentino denken würde, Jorge vor dem Rücktritt noch einmal schlagen zu können. Er ist so ein entschlossener Fahrer. Ich leide mit den Jungs in der Box, weil sie wieder Bauchschmerzen haben dürften", bemerkt Furusawa, der sich noch ganz genau an Trennwand und Co. erinnern kann.

"Abgesehen davon denke ich, dass die M1 beständiger sein könnte. Dieses wettbewerbsfähige Motorrad wurde mit Valentinos Hilfe entwickelt. Das hat viel Zeit in Anspruch genommen. Mit seiner Rückkehr zu Yamaha wird die Entwicklung geradliniger werden", ist sich Furusawa sicher.

Wer kann Ducati helfen?

Rossi selbst drückt Ducati für die Zukunft sicher die Daumen, weiß aber mittlerweile sehr gut, wie schwierig es sein wird, die Desmosedici zu verbessern: "MotoGP ist nicht Formel 1. In der Formel 1 können vier oder fünf Personen ein gutes Auto konstruieren. In der MotoGP ist es dagegen mehr eine Gruppe an Leuten. Deshalb denke ich, dass Ducati die richtige Gruppe an Leuten finden muss, die in der nächsten Saison das Motorrad verbessern", prognostiziert "Vale".

"Es wäre schwierig, wenn ein Japaner nach Borgo Panigale kommt und eine große Gruppe an italienischen Ingenieuren anführt. Das wäre schwierig, weil sie anders sind", bemerkt Rossi. "Ich glaube es wäre besser, wenn man jemand internen nimmt oder jemanden von einem anderen europäischen Hersteller."

Fotoquelle: Ducati

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