Jorge Lorenzo unterhielt sich an der Yamaha-Box mit Giacomo Agostini

MotoGP 2012

— 14.09.2012

Fahrer-Stimmen: Der Freitag war nutzlos

Das Wetter ließ am Freitag kein vernünftiges Training in Misano zu - Die Reaktionen der Fahrer über den praktisch ausgefallenen Trainingstag

Der erste Trainingstag auf dem "Misano World Circuit Marco Simoncelli" war für die MotoGP-Fahrer wertlos. Der Kurs war zu wenig nass, um richtig mit Regenreifen fahren zu können. Für Slicks war er aber wieder zu nass. So warteten die Fahrer an den Boxen auf bessere Bedingungen, die nicht kamen. Die meisten Prototypen blieben an der Box. Fahrer wie Jorge Lorenzo (Yamaha), Dani Pedrosa (Honda) oder das Tech-3-Duo Cal Crutchlow und Andrea Dovizioso setzten sich am Freitag nicht einmal den Helm auf. Stefan Bradl (LCR-Honda) fuhr mit jedem seiner beiden Motorräder je eine Installationsrunde.

Auch Superstar Valentino Rossi (Ducati) fuhr eine Runde, in der es ausgerechnet wieder zu regnen begann. Andere Fahrer wie Ben Spies (Yamaha) und Nicky Hayden (Ducati) drehten eine handvoll Runden, aber es handelte sich um reine Besichtigungs- und Checkrunden. Die Claiming-Rule-Piloten waren dagegen etwas fleißiger und einige von ihnen nutzten die Möglichkeit und erhaschten etwas Zeit im Fernsehbild. Tagesschnellster war Karel Abraham mit der Pramac-Ducati. Der Tscheche war auch der fleißigste Pilot des Tages.

Warum wurde so wenig trainiert? "Man konnte nicht pushen und die Reifen lassen sofort nach. Nach zwei Runden muss man stehenbleiben, weil die Reifen nicht auf Temperatur kommen", begründet Pedrosa. "Bei den Regenreifen ist es genau gleich. Das Gefühl für das Motorrad ist auch anders und es hat keinen Sinn." Ist für einen WM-Kandidaten das Verletzungsrisiko zu groß? "Nein. Es liegt daran, dass die Wettervorhersage bessere Bedingungen vorhersagt. Deswegen ist so ein Training nutzlos", sagt der Honda-Pilot.

Aller Voraussicht nach werden die Fahrer ohne Trockentraining in ein trockenes Qualifying gehen. Die Aufgabe wird dadurch noch komplizierter. "Es wird knifflig das Motorrad abzustimmen. Alles wird komplizierter", meint der aktuelle WM-Zweite. "Als Fahrer verbesserst du dich ständig, kennst die Bodenwellen besser und so weiter. Die Strecke ist zwar gleich, aber sie ändert sich von Jahr zu Jahr immer. Wir sind auch zum ersten Mal mit der 1.000er hier, also wäre es für die Getriebeübersetzung wichtig."

Nicht nur für die Fans war es ein ungewöhnlicher Tag. "Man ist gewohnt, dass man nach den Trainings mit den Ingenieuren über die Mappings, Getriebeübersetzung und die Abstimmung spricht. Heute gab es keine Gespräche", sagt Pedrosa. Sein Titelkonkurrent Lorenzo konnte die Möglichkeit nutzen, um Laufleistung seines Yamaha-Motorenkontingents zu sparen. "200 Kilometer sind nicht viel, aber ich wäre lieber gefahren. Theoretisch sind wir sicher, wenn wir keinen weiteren Motor verlieren. Bei der Performance wird es aber keinen Unterschied machen", meint Lorenzo, dass er heute keinen Vorteil ziehen konnte.

"Der Tag war komplett nutzlos", bringt es Rossi auf den Punkt. "Es ist schade, denn es ist natürlich immer besser, wenn man fahren kann. Am Nachmittag wollte ich hinausgehen und einige Dinge probieren, auch ob der Motor vom letzten Rennen okay ist, aber es begann wieder zu regnen. Deshalb war es an der Zeit aufzuhören. Es gibt nicht viel zu sagen. Wir warten auf morgen."

Schwierge Situation für Neuling Rea

Problematisch sind solche Trainingstage für Neulinge wie Jonathan Rea. Der Brite braucht jeden Meter auf der Werks-Honda. Er brachte es am Nachmittag auf sechs Runden. "Ich verstehe das Motorrad ohnehin noch nicht. Es war einfach zu kühl, um die Slicks auf Temperatur zu bringen. Die Topfahrer sind wie Snobs an der Box gesessen. Es war nicht nass genug für Regenreifen. Für mich war es ein Desaster", lautet Reas Fazit.

Gelernt hat er nichts. "Absolut nichts. Nach eineinhalb Tagen in Aragon habe ich mir gedacht, dass ich für Misano vorbereitet bin, aber dann startet man hier und hat kein Vertrauen. Es ist schwierig. Ich brauche mehr Hitze damit ich pushen kann." Misano kennt er zwar aus der Superbike-WM, aber mit der MotoGP-Honda ist es eine andere Art von Strecke. "Körperlich ist es einfach, aber mental ist es schwieriger von der SBK in die MotoGP zu wechseln."

"Als ich nach Aragon zum Nürburgring gekommen bin, fühlte es sich sofort gut an. Das Motorrad bewegte sich viel, und das Chassis und die Reifen vermittelten viel Feedback. Ich konnte sofort das Limit verstehen. In Brünn spürte ich ein Limit, aber das richtige Limit ist eine Sekunde weiter. Das war schwierig." Für einen Neuling ist Sonne am besten: "Ich hoffe auf Sonne. Wenn es nass ist, dann macht es nicht so viel Spaß. Generell wünsche ich mir konstante Bedingungen, damit ich in einen Rhythmus kommen kann."

Hayden ärgert sich über verpasste Gelegenheit

Auch für Nicky Hayden war es eine verpasste Chance, denn er wollte den Zustand seiner verletzten rechten Hand auf dem Motorrad überprüfen. Dazu gibt es neue Teile, die sein Teamkollege Rossi vor zwei Wochen in Misano getestet hat. "Ich muss erst sehen wie ich damit zurechtkomme. Vielleicht hilft es bei der Elektronik, dass er schon damit gefahren ist und Mappings gefunden hat. Das gibt dir vielleicht einen guten Start, weil sich die Elektronik seit dem Vorjahr stark verändert hat."

"Ich kann einige seiner Informationen verwenden. Ich habe zwar das neue Chassis und die neue Hinterradschwinge, aber ich habe sie noch nicht im Motorrad verbaut", berichtet Hayden. "Ducati fand, dass es besser ist, wenn ich mit dem bewährten Material starte und dann wechsle, damit es nicht zu konfus wird. Heute wollte ich eine Basisabstimmung finden und morgen einen Gegentest absolvieren. Wenn ich okay bin, werde ich am Montag testen."

"Ich bin nur vier Runden gefahren. Es fühlte sich okay an. Ich möchte hier das Rennen fahren. Die Ärzte meinten zwar, dass ich in einer Woche bei 100 Prozent wäre, aber ich will hier fahren." Auch sein Landsmann Spies war kurz auf der Strecke, aber aus einem anderen Grund. "Wir haben nicht viel Zeit in diesen Bedingungen verbracht und man durfte nichts Dummes anstellen."

"Würden aber im Qualifying die gleichen Bedingungen vorherrschen - wonach es nicht aussieht, aber an der Küste kann immer alles passieren - dann wollte ich sehen, wie das Motorrad ist. Deshalb bin ich je vier Runden am Vor- und am Nachmittag gefahren. Mit Slicks konnte man unmöglich fahren", bestätigt der Yamaha-Pilot.

Tech 3 fährt gar nicht

Das Tech-3-Duo blieb dagegen komplett an der Box. "Es war ein frustrierender Tag, denn aufgrund der Streckenbedingungen konnte man heute nichts lernen", sagt Dovizioso und ergänzt: "Es ist nie gut, wenn man einen kompletten Tag verliert, aber auf einer langsamen Strecke wie hier könnte es noch schlimmer sein, denn es braucht Zeit, bis man einen Rhythmus gefunden hat."

"Ich bin hinausgefahren, um die Verhältnisse zu überprüfen, aber die Strecke war sehr rutschig. Es machte überhaupt keinen Sinn zu pushen, weil man dann einen Sturz riskiert. Also bin ich sofort zurück an die Box gekommen. Hoffentlich wird das Wetter besser, damit wir eine gute Show für die Fans zeigen können. Leider haben sie heute nicht viel Action gesehen."

Seinem Teamkollegen Crutchlow ging es ähnlich: "Es war merkwürdig, weil ich in beiden Trainings an der Box gesessen bin und darauf gewartet habe, dass die Streckenbedingungen besser werden. Es ist für alle enttäuschend und es tut mir für die Fans an der Strecke und vor dem Fernseher leid. Wenn der Asphalt so feucht ist, dann kann man kaum etwas lernen. Ich habe nicht einmal meinen Helm aufgesetzt. Es sieht so aus, dass sich das Wetter für den Rest des Wochenendes verbessern wird."

Fotoquelle: Yamaha

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