Jorge Lorenzo fuhr in Misano ein einsames Rennen an der Spitze

MotoGP 2012

— 16.09.2012

Sieg für Lorenzo - Rossi zurück auf dem Podium

Jorge Lorenzo fährt nach dem frühen Aus von Dani Pedrosa einsam zum Sieg in Misano - Valentino Rossi Zweiter, Stefan Bradl verpasst Podium

Der Grand Prix von San Marino auf dem "Misano World Circuit Marco Simoncelli" war eine klare Angelegenheit für Jorge Lorenzo. Die Vorentscheidung fiel aber beim Vorstart. Der erste Startversuch musste abgebrochen werden und in der zweiten Aufwärmrunde fiel Dani Pedrosa (Honda) hinter das Safety-Car zurück. Dadurch musste der Spanier statt von der Pole-Position als Letzter starten und wurde bereits in der ersten Runde von Hector Barbera (Pramac-Ducati) auf die Hörner genommen - Ausfall und null Punkte für Pedrosa.

An der Spitze war der Weg frei für Lorenzo. Der Spanier fuhr einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg nach Hause und vergrößerte seinen WM-Vorsprung auf 38 Punkte. Das Pendel hat wieder in seine Richtung umgeschlagen. Bist zum Schluss ging es spannend im Kampf um die letzten Podestplätze zu. Eine starke Leistung zeigte Valentino Rossi. Von Beginn an lag der neunfache Weltmeister auf dem zweiten Platz und er brachte die Ducati auch auf dieser Position ins Ziel. Vor zwei Wochen hatte Rossi in Misano ein neues Chassis und eine neue Hinterradschwinge getestet.

Zumindest in Misano haben sich diese Änderungen ausgezahlt, denn der zweite Platz ist im Trockenen das mit Abstand beste Ergebnis in seiner Ducati-Ära. Rang drei wurde im Zielsprint entschieden: Alvaro Bautista (Gresini-Honda) und Andrea Dovizioso (Tech-3-Yamaha) rasten nebeneinander über die Ziellinie. Die Zeitmessung ergab, dass Bautista um drei Tausendstelsekunden vorne war. Es war sein erster Podestplatz. Stefan Bradl (LCR-Honda) war lange auf Podestkurs, musste sich aber mit Rang sechs zufrieden geben.

Durch den Sieg machte Lorenzo einen großen Schritt Richtung WM-Titel. "Ehrlich gesagt hatten wir heute Glück. Ohne dem Problem mit der Startampel wäre Dani nicht gestürzt", sieht es der WM-Führende realistisch. "Das Pech aus Holland hat sich jetzt in Glück umgeschlagen. In der dritten Runde wäre ich fast in Kurve eins gestürzt, aber ich weiß nicht wie ich es gerettet habe. Dann war es nicht einfach, die Konzentration zu halten, denn ich sah Valentino hinter mir. Er war konkurrenzfähig. Für die WM ist dieser Sieg fantastisch."

Umjubelt wurde auch Rossi bei seinem Heimrennen. "Dieser zweite Platz ist aus mehreren Gründen sehr speziell. Nicht nur weil es in Misano ist, sondern auch meiner Heimat nahe. Viele Fans sind hier. Außerdem ist es die Strecke nach Marco (Simoncelli; Anm. d. Red) benannt. Ich möchte das Ergebnis ihm widmen, denn er hat mir geholfen. Es ist für seine Familie und auch für mein Team ein wichtiges Resultat. Ich bedanke mich bei allen Leuten, die hart arbeiten und immer an mich geglaubt haben. Auch für Ducati ist es ein wichtiges Resultat. Erstmals war es im Trockenen ein starkes Rennen."

Zum ersten Mal durfte Bautista Champagner verspritzen. "Ich bin sehr glücklich. Für das Team ist es sehr emotional, weil es ihr Heimrennen ist. Ich wollte ein gutes Rennen fahren. Gestern wusste ich, dass ich um das Podium kämpfen kann. Heute habe ich es geschafft. Es ist mein erster Podestplatz und ich widme ihn meinem Team, denn sie arbeiten immer hart. Die letzten Rennen waren schwierig, aber wir sind wieder zurück. Ich widme dieses Ergebnis Marco. Wo auch immer er ist, er pusht uns immer noch. Ich hoffe, ich kann noch weitere starke Rennen fahren."

Konfuse Startphase

Als die Fahrer in die Aufwärmrunde gingen, blieben zwei Fahrer stehen: Pole-Setter Pedrosa und Karel Abraham (Cardion-Ducati) mussten von ihren Mechanikern angeschoben werden. Dann liefen die Motoren und sie hetzten dem Feld hinterher. Die Voraussetzungen im Feld waren gleich, denn alle hatten sich für die weichere Reifenvariante von Bridgestone entschieden. Als sich die Fahrer auf den Start vorbereiteten, herrschte Konfusion. Es wurden gelbe Flaggen geschwenkt, einige Fahrer zuckten, aber es blieben alle stehen. Der Start war abgebrochen worden.

Die Wiederholung zeigte, was den Abbruch ausgelöst hatte: Abraham hob den Arm und signalisierte ein Problem. Deshalb wurden gelbe Flaggen geschwenkt und der Start abgebrochen. Chaotisch ging es erneut bei Pedrosa zu. Seine Honda wurde in die Boxengasse geschoben und anschließend wieder in die Startaufstellung, weil sich ein Reifenwärmer im Motorrad verfangen hatte. Der Spanier nahm schließlich die zweite Aufwärmrunde auf, Abraham hatte hingegen wieder ein technisches Problem. Pedrosa hetzte dem Feld hinterher, während die anderen Fahrer bereits in der Startaufstellung standen.

Da er im Laufe der Aufwärmrunde hinter dem Safety-Car war, musste Pedrosa von ganz hinten starten. Die Rennleitung verkürzte die Renndistanz um einen Umlauf auf 27 Runden. Als die Lichter der Startampel schließlich ausgingen, katapultierte sich Lorenzo in Führung. Dahinter sortierten sich Rossi und Bradl auf den Plätzen zwei und drei ein. Im hinteren Teil des Feldes musste Pedrosa den Preis für die Probleme zahlen. Noch im Laufe der ersten Runde knallte ihm beim Anbremsen Hector Barbera (Pramac-Ducati) ins Heck und beide Spanier flogen durch die Luft.

Barbera, der erst in Misano nach einer Verletzungspause zurückgekehrt ist, lag mit Schmerzen am Streckenrand. Pedrosa stapfte fassungslos davon. Für Abraham lief es auch nicht nach Plan. Er musste schließlich aus der Boxengasse starten und flog bereit in der ersten Runde per Highsider ab. Auch Mattia Pasini (Speed Master) beendete sein Heimspiel frühzeitig im Kiesbett. Die Yamaha-Mechaniker signalisierten Lorenzo den Ausfall seines WM-Konkurrenten.

Rossi & Bradl auf Podestkurs

Lorenzo seinerseits war alleine an der Spitze. Nach drei Runden führte der Spanier 1,7 Sekunden vor Rossi, der den zweiten Platz behaupten konnte. Dahinter übte aber Bradl großen Druck aus. Der Deutsche hatte eine große Chance auf seinen ersten Podestplatz. Hinter ihm folgten Dovizioso, Cal Crutchlow (Tech 3), Ben Spies (Yamaha) und Bautista. Die Stürze gingen weiter. In der vierten Runde lag Crutchlow auf der Nase und der Traum vom zweiten Podestplatz in Folge war vorüber.

Die Reihenfolge an der Spitze blieb im ersten Renndrittel unverändert. Lorenzo führte souverän und verwaltete seinen Vorsprung. Rossi konnte sich erstmals im Trockenen auf Platz zwei behaupten, stand aber unter Druck von Bradl. Dovizioso lauerte dahinter als Vierter auf seine Chance. Die Gruppe rund um Rossi schob sich bei Rennhalbzeit zusammen, denn Dovizioso und Bautista schlossen auf Bradl auf.

In der zweiten Rennhälfte wurde Bautista stärker. Zunächst schnappte er sich Dovizioso und anschließend auch Bradl. Der Deutsche konnte das Tempo von Rossi nicht mehr halten und musste abreißen lassen. Somit war Bautista Dritter und auf Podestkurs. Bradl musste sich gegen Dovizioso wehren und auch Spies nahte von hinten. Diese Duelle dauerten bis zum Zielstrich an. Einen kümmerte das alles nicht. Lorenzo fuhr den Sieg sicher nach Hause.

Es war sein sechster Saisonsieg in diesem Jahr. Da Pedrosa nicht ins Ziel kam, vergrößerte der Yamaha-Star seinen WM-Vorsprung auf 38 Punkte. Die 45.000 Fans auf den Tribünen jubelten aber einem anderen Fahrer zu: Wie ein Phönix aus der Asche präsentierte sich Rossi das gesamte Rennen über konstant und schnell. Gegen Lorenzo hatte der Italiener keine Chance, denn im Ziel fehlten 4,3 Sekunden. Dennoch ist der zweite Platz im Trockenen seine beste Performance in der Ducati-Ära. Die Umbauten an der Desmosedici haben sich ausgezahlt.

Rossi & Bautista jubeln, Bradl fällt zurück

Erstmals seit eineinhalb Jahren stieg Rossi in der Auslaufrunde von seiner Ducati und lief durch das Kiesbett zu seinen Fans, die mächtig Stimmung machten. Der Superstar war in Misano wieder zurück an der Spitze. In der letzten Runde wurde es noch einmal spannend um Platz drei. Dovizioso griff Bautista an und es kam zum Zielsprint. Auf der Linie hatte Bautista die Nase um 0,003 Sekunden vorne und sicherte sich damit den letzten Podestplatz. Der Spanier hat sein Tief überstanden und kletterte zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere auf das Podium.

Für seinen Teamchef Fausto Gresini könnte Misano kein besserer Ort für diesen Erfolg sein, denn es ist nicht nur das wichtige Heimrennen des Teams, sondern auch ein Gedenkplatz für seinen gefallenen Piloten Marco Simoncelli. Bradls Rundenzeiten brachen im letzten Renndrittel stark ein. Er musste das Tempo deutlich reduzieren und hatte gegen Bautista und Dovizioso keine Chance. Auch Spies zog problemlos an der LCR-Honda vorbei. Schließlich musste sich Bradl hinter der zweiten Werks-Yamaha mit Platz sechs zufrieden geben.

Vorletzter Prototyp im Ziel war Nicky Hayden auf Rang sieben. Der Ducati-Werksfahrer mühte sich mit seiner verletzten rechten Hand über die Distanz, hatte aber keine Chance gegen die übrigen Prototypen. Als Achter sah Stoner-Ersatz Jonathan Rea die karierte Flagge. Auch er schaffte Problemlos die Distanz und sammelte seine ersten WM-Punkte. Im Ziel hatte der Honda-Pilot 43 Sekunden Rückstand auf Sieger Lorenzo.

Bester Claiming-Rule-Fahrer war Aspar-Pilot Randy de Puniet als Neunter. Dahinter folgten Michele Pirro (Gresini-Honda), Colin Edwards (Forward), Yohnny Hernandez (Avintia), James Ellison (PBM), Danilo Petrucci (Ioda-Suter) und David Salom (Avintia). Der nächste Grand Prix findet am 30. September in Aragon statt.

Fotoquelle: Yamaha

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