Die MotoGP-Piloten müssen ab 2014 wohl mit einer Einheits-ECU klarkommen

MotoGP 2012

— 20.09.2012

Stellt die Einheits-ECU ein Risiko dar?

Die Hersteller weigern sich, die Fahrer haben Sicherheits-Sorgen: Kann sich die Dorna dennoch durchsetzen und ein Einheitssteuergerät etablieren?

Es sieht ganz danach aus, als ob in der MotoGP nach Formel-1-Vorbild ab 2014 ein Einheitssteuergerät vorgeschrieben sein wird. Seit Monaten und Jahren wird über die Zukunft und das Thema Kosten diskutiert. Die Hersteller stellten sich bis zuletzt quer und drohten sogar mit Rückzug, sollte die Dorna gegen ihren Willen durchsetzen. Doch klar ist auch: Die Kosten müssen gesenkt werden.

Ein Werksteam benötigt für eine Saison nach Expertenschätzungen zwischen 30 und 50 Millionen Euro. Die CRT-Teams kommen in der Regel mit einem Zehntel aus. Die erzielten Leistungen stehen damit in keinem Verhältnis. Mit drei Herstellern ist die MotoGP zudem nicht gerade üppig bestückt, obwohl auch BMW, Suzuki, Aprilia, Kawasaki und KTM wissen, dass die Medienwirksamkeit der Königsklasse ein schlagkräftiges Argument ist.

Setzt sich die Dorna durch?

Die Einführung einer Einheits-ECU könnte also trotz der Gefahr, einen bestehenden Wettbewerber zu verlieren, andere Hersteller anlocken. Oder etwa nicht? Suzuki war beim Rennen in Brünn vor Ort, um mit Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta Gespräche zu führen. Der Spanier machte den Japanern klar, dass die Einheits-Elektronik unumgänglich wäre. Suzuki missfiel diese Zukunftsvision.

Doch soll sich die Dorna von einem Hersteller erpressen lassen? Mit Blick auf die Vergangenheit lässt sich diese Frage einfach beantworten. Als Alvaro Bautista in die MotoGP aufsteigen wollte, drohte Suzuki der Dorna mit Rücktritt, sofern der Spanier trotz der bestehenden Rookie-Regel nicht ins Werksteam aufsteigen könnte. Die Dorna willigte ein. Suzuki verließ die MotoGP im Folgejahr.

Behält man diese Geschichte im Hinterkopf, dann darf man erwarten, dass die Dorna den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen wird. Aus diesem Grund sind die Pläne in Sachen Einheitselektronik bereits fortgeschritten. Es ist im Gespräch, dass für 2013 ein einheitliches Steuergerät entwickelt wird, das den CRT-Teams zur Verfügung gestellt wird und ein Jahr später für alle Motorräder Pflicht wird.

Fahrer sorgen sich um die Sicherheit

"Ich glaube, das wird die CRT-Bikes konkurrenzfähiger machen, was gut für die Meisterschaft ist. Mehr Motorräder werden enger beisammen liegen und es interessanter machen", prognostiziert WM-Leader Jorge Lorenzo, der aber auch eine Gefahr erkennt: "Wenn man mehr vorschreibt, wird es mehr Stürze geben. Es ist aber für alle gleich. Wir müssen bei der Beschleunigung vorsichtiger sein. Ich glaube, so wird es sein."

Fragt man die Piloten nach den Änderungen, die durch eine Einheits-ECU gemacht werden könnten, so erhält man meist die gleiche Antwort: "Die Anti-Wheelie-Kontrolle würde ich verbieten. Auf manchen Rennstrecken kann man nach dem Rennen nur sehr schwierig Wheelies machen", scherzt der Yamaha-Werkspilot.

Bessere Chancen für die Hinterbänkler?

Markenkollege Cal Crutchlow geht nicht davon aus, dass sich am Kräfteverhältnis in der MotoGP etwas ändern würde: "Zu einem gewissen Grad wird der Fahrer wichtiger, aber an der Spitze werden die gleichen Jungs sein. Versteht mich nicht falsch, aber die Werke würden weiterhin vorne sein und bestbezahltesten Fahrer würden gewinnen. Dafür sind sie da. Das ist die Wahrheit."

"Man muss aber auch bedenken, was die Werke im Umfeld der ECU machen, wie das Drehzahllimit und ihre Motorspezifikation aussieht. Wir wissen, dass Yamaha da noch nachlegen muss", fügt der Brite hinzu, der wie Lorenzo auch Sicherheitsbedenken hat: "Man muss auch über die Sicherheit der Fahrer nachdenken, aber auch über die Reifen. Vielleicht müssen sie deshalb auch ein neues Chassis bauen, das dann gut mit den Reifen harmoniert."

"Sie schränken die ECU aus gewissen Gründen ein, aber die Hersteller bauen vielleicht drum herum ein neues Motorrad. Wir werden es sehen, ich weiß es nicht", so Crutchlow. Während Honda mit Rücktritt droht, zeigt man sich bei Ducati recht offen, was die Einführung der Einheits-Elektronik angeht.

Ducati stellt sich nicht quer

"Ich habe mehrfach gesagt, dass ein Einheits-Steuergerät sehr effektiv ist, wenn es um die Reduzierung der Kosten und die Verkürzung des Abstandes zwischen Werken und kleineren Herstellern geht", bemerkt der Technische Direktor Filippo Preziosi, der die Einführung einer Einheits-Elektronik nicht mehr grundlegend verneint.

Der Italiener ist aber dennoch kein absoluter Befürworter der Idee: "Es ist ein Kompromiss. Man muss sich, abhängig von der wirtschaftlichen Lage in der Welt, für die eine oder die andere Richtung entscheiden", analysiert der Technische Direktor des Ducati-Werksteams. "Wir werden uns innerhalb des Unternehmens beraten, welche Position wir einnehmen möchten."

Fotoquelle: Bridgestone

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