Jonathan Reas sieht die MotoGP nicht nur positiv

MotoGP 2012

— 10.10.2012

Rea: "Als ob ich Motorradfahren neu lernen müsste"

Jonathan Rea analysiert die Unterschiede zwischen MotoGP und Superbikes und kann dabei der vermeintlich schwächeren Klasse durchaus Positives abgewinnen

Jonathan Rea erhielt in dieser Saison die Möglichkeit zu einem direkten Vergleich, der sich nur wenigen Rennfahrern bietet. An zwei Rennwochenenden tauschte der Honda-Pilot sein Superbike-Motorrad gegen die MotoGP-Maschine ein, als er in Misano und Aragon den verletzten Casey Stoner im Werksteam ersetzte. Zuvor absolvierte der Brite einen Test in Brünn, bei dem er sich jedoch fast wie in der Fahrschule vorkam: "Brünn würde ich nicht als Test bezeichnen, das war fast so, also müsste ich das Motorradfahren neu lernen", sagt Rea.

Die Umstellung vom Superbike auf die MotoGP fiel dem 25-Jährigen sichtlich schwer: "Die Elektronik bietet hier unendliche Möglichkeiten, das ist der Hauptunterschied. Bei den Superbikes macht der Fahrer in viel höherem Maße den Unterschied aus", vergleicht Rea seine beiden Arbeitsgeräte. Die Elektronik sei in der MotoGP jedoch seiner Meinung nach unbedingt notwendig: "In der MotoGP haben wir einen solch starken Motor, dass man die Elektronik benötigt, um am Ende des Rennens überhaupt noch Gummi auf dem Hinterreifen zu haben. Das war für mich am schwierigsten zu verstehen."

Bei der Traktionskontrolle musste der Brite sogar völlig umdenken: "Bei den Superbikes verändere ich die Traktionskontrolle während des Rennens so, dass sie immer früher eingreift. Dort willst du den Reifen so lange wie möglich schonen. Hier ist es genau umgekehrt, du musst die Traktionskontrolle immer weiter zurückstellen und den Reifen stärker durchdrehen lassen, denn sonst bremst die Elektronik das Motorrad zu stark ein", so Rea.

Die Hightech-Klasse MotoGP bietet laut Rea jedoch nicht nur Vorteile: "Das Superbike ist am Kurvenausgang wesentlich fahrbarer. Wenn ich bei der MotoGP am Kurvenausgang das Gas aufdrehe, passiert erst einmal nicht viel. Bei den Superbikes spüre ich eine wesentlich direktere Verbindung zwischen Gashebel und Hinterrad", so der Brite. Unter dem Strich hätten die Superbikes zwar "weniger Motorleistung, aber wir können sie wesentlich besser nutzen. Dort sind wir nicht so abhängig von der Elektronik. Das ist ein Vorteil der Superbikes."

Es ist ein großer Unterschied sei auch die finanzielle Ausstattung der Teams: "In der MotoGP betreibt die Rennfirma HRC das Programm. In der Superbike-WM ist es Ten Kate", so Rea. "Sie haben etwas finanzielle Unterstützung von Honda-Europa. Wir müssen viel lernen und im Vergleich zu HRC fehlt uns etwas. Ich mag aber mein Team und meine Jungs und es ist toll, mit ihnen zu arbeiten", so der Brite, der vorerst nicht an einen dauerhaften Wechsel in die MotoGP denkt.

Allerdings gäbe es auch in der Superbike-WM Unterschiede zwischen den Teams. So antwortet Rea auf die Frage, ob es sich bei den Motorrädern von Aprilia und BMW im Vergleich zur Honda nicht im Grund um Prototypen handeln würde: "Ich weiß es nicht, aber ich denke schon. Das Elektronikpaket hilft ihnen viel." Auch bei anderen Teams sei die Werksunterstützung deutlich größer als bei Honda: "Man muss sich nur das Kawasaki-Team ansehen, denn für Sykes arbeiten Leute, die früher bei Hayate in der MotoGP waren. Das macht einen großen Unterschied", so Rea.

Fotoquelle: Repsol

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