Die MotoGP soll sich ab 2014 stärker von der Superbike-WM unterscheiden

MotoGP 2012

— 11.10.2012

Ezpeleta strebt klarere Trennung der MotoGP und WSBK an

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta möchte die Seriennähe der Superbikes stärker betonen und die MotoGP weiterhin als Prototypen-Serie ansehen

Mit der Übernahme der Superbike-WM hält die Dorna für die Zukunft der beiden Motorrad-Weltmeisterschaften die Trümpfe in der Hand. Durfte bis jetzt eine sinnvolle Zusammenarbeit der MotoGP und Superbike-WM angezweifelt werden, soll es ab sofort eine bessere Abstimmung geben. Gerade bei der Zukunft in Sachen Reglement muss man dringend an einem Strang ziehen, möchte man langfristig volle Starterfelder und Zuschauerränge sehen.

"Vor einem Jahr, etwas mehr als einem Jahr, erwarb Bridgepoint - der größte Anteilseigner von Dorna Sports - Infront Sports und Media, die Besitzer von Infront Motorsport, die Veranstalter der Superbike-WM", erklärt Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta im Rahmen des MotoGP-Rennens in Motegi. "Seitdem Bridgepoint Infront Sports und Media übernommen hat, gab es einige Meetings mit Infront Motorsports, um die technischen Regeln beider Meisterschaften abzustimmen. Das war das größte Ziel von Bridgepoint - beide Meisterschaften gemeinsam zu sehen, um Vorteile und Synergien zu generieren."

Beide Serien gehen ihren Weg

"Im letzten Jahr gab es verschiedene Meetings, zuerst in Madrid, dann in Rom und Paris und zuletzt in Donington. Wir wollten zuerst die Regeln festlegen. Das war unmöglich. Bridgepoint entschied sich schlussendlich dazu, beide Meisterschaften als zwei verschiedene Unternehmen anzusehen, die unter dem Dach von Dorna Sports beheimatet sind", fügt Ezpeleta hinzu. "Im kommenden Jahr geht es natürlich so weiter wie bisher. Sowohl die MotoGP als auch die Superbike-WM werden weiterhin ihren Weg gehen. An der Organisation und den Regeln wird sich nichts ändern."

"Für 2013 werden die Regeln so bleiben, wie sie von der FIM und Infront Motorsports beschlossen wurden. Für 2014 arbeiten wir mit den Herstellern, um Regeländerungen festzulegen", schildert der Spanier, dem vor allem die aktuellen Regeln bei der Laufleistung der Motoren stören: "Wir denken, dass eine Meisterschaft, in der seriennahe Motorräder fahren, nicht 39 Motoren pro Saison verwenden sollten, während in der MotoGP lediglich sechs eingesetzt werden dürfen."

Motorlimit in der Superbike-WM notwendig

Ezpeleta möchte das Reglement so anpassen, dass es eine klarere Trennung zwischen den MotoGP-Prototypen und den Superbikes gibt. Im Moment stecken in den Motorrädern der Superbike-WM deutlich mehr Prototypen-Teile, als es von außen den Anschein erweckt. Das will er ändern: "Eine Serie setzt auf seriennahe Motorräder und die andere auf Prototypen."

Wie man in Zukunft vorgehen wird, weiß Ezpeleta bereits: "Das werden wir zuerst mit der FIM besprechen und danach mit den Herstellern, die in die jeweilige Serie involviert sind." Mit konstanten und klaren Regeln sollen in Zukunft weitere Hersteller den Weg in die MotoGP finden. Zur Zeit ist unklar, wie es nach 2013 weitergehen wird. Klar, dass die momentan nicht vertretenen Hersteller sich dadurch nicht auf das Risiko einlassen, ein MotoGP-Motorrad zu entwickeln.

BMW, Kawasaki, Aprilia und Suzuki haben Interesse an der MotoGP. "Ich versuche nicht, jemanden zu überzeugen. Die Pflicht der Veranstalter ist es, in Zusammenarbeit mit der FIM, die technischen Regeln der Meisterschaft zu beschließen", stellt Ezpeleta klar. "Doch es ist klar, dass die Regeln in beiden Meisterschaften so hohe Kosten verursachen, die uns zu Änderungen zwingen."

"Wir haben in der MotoGP lange mit der MSMA (Herstellervereinigung; Anm. d. Red.) gearbeitet, doch es ist widersprüchlich, wenn wir die Kosten und Performance limitieren möchten, indem wir sechs Motoren verwenden - die MSMA schlägt für kommendes Jahr sogar nur fünf Motoren vor - und die Superbikes, die Seriennähe verkörpern, 39 verwenden", schimpft Ezpeleta.

Reizthema Einheitselektronik

In der MotoGP soll 2014 eine Einheitselektronik eingeführt werden. Es ist nur logisch, dass die Superbike-WM demnach nicht mit der teuren Elektronikentwicklung weitermachen kann. Eine genaue Aussage über die Zukunft der Elektronik in der Superbike-WM möchte Ezpeleta aber noch nicht treffen: "Es ist zu zeitig, um über die Elektronik oder andere Dinge zu reden. 2013 werden genau so ablaufen, wie es von den unterschiedlichen Parteien beschlossen wurde. 2013 wird es keine Änderungen geben."

Eine Vereinfachung sieht Ezpeleta nicht in der neuen Struktur. Er geht davon aus, dass die Zukunft in der MotoGP wie gewohnt mit den Herstellern besprochen wird: "In der MotoGP wurden alle Entscheidungen mit den involvierten Parteien beschlossen. Wir werden das auch weiterhin so handhaben. Es ist wichtig, dass wir etwas beschließen, das aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und möglich ist. Die wirtschaftliche Situation ist schwierig. Wir wissen nicht, wie lange das noch so sein wird. Ich bin mir sicher, dass jeder dafür Verständnis hat."

An den Gesprächen über die Zukunft der jeweiligen Serie werden aber nur die involvierten Parteien teilnehmen. "Die Gespräche über die technischen Dinge werden getrennt erfolgen, weil sich die Hersteller in den beiden Meisterschaften unterscheiden", betont der Dorna-Chef. Bei den Kalendern der MotoGP und der Superbike-WM wird es vermutlich auch 2013 wieder Überscheidungen geben. "Beide Kalender sind provisorisch. Es kann also zu Änderungen kommen. Doch sicher ist es möglich, dass es zu Überschneidungen kommen kann", bemerkt Ezpeleta.

Ezpeleta hat Honda in der Hand

Das zentrale Thema Einheitssteuergerät ist aktuell wahrscheinlicher denn je, doch Ezpeleta weist darauf hin, dass man auch einen anderen Weg einschlagen kann, wenn dieser die beiden Zielsetzungen erfüllt: "Wir sind immer offen für Ideen von Außenstehenden. Wir sind nicht grundsätzlich für Einheits-Steuergeräte, Drehzahllimits oder ähnliche Dinge. Wir möchten aber die Kosten reduzieren und die Show verbessern. Das ist für beide Meisterschaften die Zielvorgabe: die Kosten reduzieren und die Show verbessern."

Honda hatte angekündigt, dass man die MotoGP in Richtung Superbike-WM verlassen würde, wenn die Einheits-ECU Pflicht wird. Durch die neue Struktur kann Honda diesen Joker nicht mehr ziehen. Sind die Voraussetzungen nun also einfacher, mit Honda Gespräche über die Zukunft zu führen? "Es ist immer problemfrei, mit Honda reden", berichtet Ezpeleta. "Wir haben keine Probleme dabei, mit Honda, Yamaha und Ducati zu reden. Wir werden auch weiterhin mit ihnen reden. Wir sind froh darüber, die Chance zu haben, mit den Herstellern über die Zukunft zu sprechen."

Offen ist noch, welche Rolle die Flammini-Brüder in der neuen Struktur der Superbike-WM einnehmen werden. "Wir führen weiterhin Gespräche mit den Leuten, um genau herauszufinden, wer die Serie betreiben wird. Doch sie wird unter dem Dach der Dorna stattfinden. An der Spitze beider Meisterschaften steht die Dorna", betont Ezpeleta.

Fotoquelle: RACE-PRESS.com

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