Casey Stoner kämpft am Malaysia-Wochenende auf mehreren "Baustellen"

MotoGP 2012

— 20.10.2012

Stoner: "Wir haben in jeder Kurve Chattering"

Casey Stoner beklagt sich nach dem Sepang-Qualifying über massives Chattering und lässt kein gutes Haar an HRC, Bridgestone und den Streckenbetreibern

Casey Stoner hat in seinem letzten Malaysia-Qualifying die erste Pole-Position seiner MotoGP-Laufbahn auf dem Sepang International Circuit verpasst. In der Zeitenjagd am Samstag musste sich der Australier nicht nur Polesetter Jorge Lorenzo (Yamaha), sondern auch seinem eigenen Honda-Teamkollegen Dani Pedrosa (2.) und Tech-3-Yamaha-Pilot Andrea Dovizioso (3.) geschlagen geben.

Stoner startet am Sonntag von Startplatz vier aus Reihe zwei und rechnet sich nur geringe Chancen auf einen Podestplatz aus. Nachdem der Australier am Samstag mit massivem Chattering zu kämpfen hatte, erwartet er die ungeliebten Vibrationen seiner Honda RC213V auch im Verlauf der 20 Runden am Sonntag.

"Wenn sich alle anderen über Chattering beschweren, dann ist es bei uns zehnmal so schlimm", zeigt sich der Honda-Pilot nach dem Qualifying frustriert. "Wir hatten das Problem in diesem Jahr auf jeder Strecke. Hier haben wir es in jeder Kurve. Es ist unglaublich, wir können einfach nichts dagegen tun. Was wir auch probieren, es scheint die Sache nur noch schlimmer zu machen."

So spricht der noch amtierende MotoGP-Champion angesichts einer knappen halben Sekunde Rückstand auf die Bestzeit von Lorenzo von einer "ziemlichen Enttäuschung, denn unser Potenzial ist deutlich höher als das, was ich heute zeigen konnte. Wir gehen ohne eine klare Richtung in das Rennen. Es ist ein ständiger Kampf. Das ist sehr frustrierend."

Im dritten Freien Training am Vormittag kamen bei Stoner zu allem Überfluss noch Bremsprobleme hinzu: "Dadurch hatten wir keine Zeit mehr, rechtzeitig bis zum Nachmittag die notwendigen Veränderungen vorzunehmen. Abgesehen davon glaube ich nicht, dass wir die Bremsprobleme bis morgen lösen können."

Über die Ursache der an diesem Wochenende verstärkt auftretenden Vibrationen rätselt der Honda-Werksfahrer noch. "Ich bin mir nicht sicher, woran es liegt - sind es die Temperaturen oder das Griplevel oder die langgezogenen Kurven, in denen der Vorderreifen lange Zeit großen Belastungen ausgesetzt ist? Ich weiß es nicht." Da auch die übrigen Piloten im Feld über Chattering klagen, vermutet Stoner "eher den Streckenbelag als Ursache", als die Charakteristik der Honda.

Stoner kritisiert alles und jeden

Für das Rennen malt Stoner schwarz, was eine Lösung der Probleme betrifft: "Die anderen konnten keine Lösung finden und wir werden es auch nicht schaffen." Der Australier nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und beschwert sich darüber, dass bei HRC nichts getan wurde, um das Chattering zu beheben.

"Es gab nicht eine Strecke in diesem Jahr, auf der ich kein Chattering hatte. Auf den linksherumführenden Strecken wie Sachsenring, Laguna und Indy war es etwas besser, aber hier ist es wieder ganz schlimm. Als ich das Bike Ende des vergangenen Jahres erstmals testete, war es eines der besten Motorräder, die ich je gefahren habe. Inzwischen ist es eines der schwierigsten, die ich im Verlauf meiner Karriere jemals fahren musste", so der zweifache MotoGP-Champion.

Die Reifen tun nach Ansicht Stoners ein Übriges. Bridgestone brachte für die MotoGP-Saison 2012 nach massiver Kritik der Piloten im Vorjahr neue Reifen. Seit dem Grand Prix von Großbritannien Mitte Juni in Silverstone wird eine Spezifikation von Vorderreifen verwendet, die sich durch ein besseres Aufwärmverhalten auszeichnet. Das Honda-Werksteam rund um Stoner und Pedrosa kämpft mit diesen Reifen aber von Beginn an. So kommt Stoner zum Schluss: "Es ist sehr enttäuschend, dass ich meine Karriere mit derartigen Problemen beenden muss. Ich bringe meine Karriere mit Reifen zu Ende, mit denen das Fahren keinen Spaß macht."

Mit der vorherigen Generation der Bridgestone-Vorderreifen seien die Vibrationen zu Beginn der Saison laut Stoner weniger stark aufgetreten. "Wir haben schon die gesamte Saison über Chattering. Inzwischen ist das Chattering am Vorderrad aber deutlich schlimmer geworden. Auf meinem letzten Versuch heute war es wahrscheinlich schlimmer als jemals zuvor. Ich stützte mich mehr oder weniger auf meinen Ellbogen, um das Bike aufzurichten. So schlimm war das Chattering."

Die zahlreichen Bodenwellen rund um den Kurs verstärken das Problem sogar noch. "Einige Kurven wurden zwar neu asphaltiert, doch schon jetzt bricht der Belag an einigen dieser Stellen wieder auf. Es wurde einfach nur eine neue Schicht aufgetragen, damit alle zufrieden sind. Es wurde aber nicht langfristig gedacht", kritisiert der Australier schließlich noch die Streckenbetreiber in Malaysia.

Fragezeichen hinter der Fitness über die Renndistanz

Doch die lästigen Vibrationen seines Bikes und die am Samstagvormittag aufgetretenen Bremsprobleme sind für Stoner nicht die einzige Sorge an diesem Wochenende. Der Grand Prix von Malaysia ist für den zum Jahresende zurücktretenden MotoGP-Champion der zweite nach seinem Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause. Entsprechend zurückhaltend gibt sich der Australier im Hinblick auf seine zu erwartende Fitness über 20 Runden am Sonntag. "Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich körperlich fühlen werde, denn ich konnte an diesem Wochenende noch nicht sehr viele Runden am Stück zurücklegen."

Im Vergleich zu Motegi am vergangenen Wochenende fällt es Stoner in Malaysia aber etwas leichter, da es auf dem Sepang International Circuit weniger Richtungswechsel in langsamen Passagen gibt, wo das Bike aufgerichtet werden muss. "So gesehen ist das besser für meinen Fuß. Abgesehen davon ist die Strecke hier aufgrund der Temperaturen aber deutlich anspruchsvoller als die in Japan. Ich kann nur hoffen, dass alle anderen Fahrer ähnliche Probleme haben", spricht der Honda-Pilot die körperlichen Beanspruchungen in der Hitze Malaysias an.

"Eine ausreichende Erholungsphase hatte ich ohnehin nicht", bekennt der Australier mit Blick auf seine Knöchelverletzung, die er sich am 18. August im Qualifying in Indianapolis zuzog. "Mir wurde gesagt, dass es sechs bis acht Monate dauern würde, bis es akzeptabel ist. Mit der Belastung, die auf dem Knöchel lastet, verbessert sich die Situation ganz sicher nicht, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen."

Fotoquelle: Repsol

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