HRC möchte an der Elektronikentwicklung in der MotoGP auch weiterhin festhalten

MotoGP 2012

— 02.11.2012

Honda kann die Dorna-Ideen nicht nachvollziehen

HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto rätselt, wie Einheits-Steuergeräte und ein Drehzahllimit die Kosten senken sollen und wünscht sich einen Reifenkampf

Der MotoGP und Superbike-WM drohen für 2014 drastische Änderungen. Die Dorna, die ab jetzt für beide Serien verantwortlich ist, möchte eine klarere Trennung der beiden Serien erzielen. Das heißt, die Superbikes sollen ihren artverwandten Straßenvorbildern ähnlicher werden und somit weniger Prototypen-Teile verwenden, wie es bisher der Fall war. Dadurch soll der Abstand zur MotoGP vergrößert werden.

In der Königsklasse drohen aber ebenfalls Änderungen, die vor allem zwei Vorgaben einhalten sollen: Die Kosten müssen sinken und die Show soll besser werden. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta möchte das durch die Einführung eines einheitlichen Steuergeräts und eines Drehzahllimits erreichen. Dadurch werden die Entwicklungskosten geringer und die Unterschiede zwischen den Werks-Mannschaften und den Privatteams kleiner - so die Theorie.

Nakamoto wirkt gereizt

Honda ist derzeit der größte Gegner dieser Vorschläge. HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto wirkt gereizt: "Wir sind in der Saison 2012 und sprechen über 2014. Es ist noch ein Jahr dazwischen. Natürlich führen wir Gespräche, aber ich kann dazu keinen Kommentar abgeben. Es gibt viele Gerüchte und viele Geschichten. Wenn ich jetzt etwas sage, wird es weitere Gerüchte geben", schimpft er im Gespräch mit 'SpeedTV.com'. "Das gefällt mir nicht."

"Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Carmelo Ezpeleta. Wir sind Freunde und sprechen miteinander. In der Presse gibt es immer viele Geschichten. Unsere Gespräche finden auf freundschaftlicher Basis statt", stellt der Japaner klar. Dennoch macht er den Standpunkt von Honda klar: "Die Hersteller sind an Entwicklungen interessiert. Das ist nicht nur für die MotoGP wichtig."

HRC will weiterhin Entwicklungen testen

"Die Motorsteuerung ist für die Zukunft der Straßenmotorräder von großer Bedeutung. Wir benötigen eine Entwicklungsplattform. Wenn jemand Einheits-ECUs vorschreibt, haben wir hier keine Chance für Entwicklungen. Die MotoGP eignet sich besonders gut für Entwicklungen dieser Art", erklärt Nakamoto. "Wenn die Dorna eine verrückte Entscheidung trifft und die Einheits-ECU einführt, dann müssen wir uns eine neue Plattform für die Entwicklung suchen."

Der HRC-Vize drohte im Sommer mit einem Wechsel in die Superbike-WM. Seit der Dorna-Übernahme kann Nakamoto diese Karte nicht mehr spielen. Mittlerweile liebäugelt Honda mit einem stärkeren Engagement in der Japanischen Meisterschaft. HRC dürfte aber bewusst sein, dass es derzeit keine Serie gibt, die ähnlich viele Zuschauer und Fans erreicht als die MotoGP.

Nakamoto betont immer wieder, dass sich die MotoGP perfekt eignet für die Hersteller. "Die Fahrer geben uns sehr gute Feedbacks. Wir geben das Geld so oder so aus, würden es aber lieber hier investieren", schildert er. Den Vorwurf, die Technologien der MotoGP - wie Karbonbremsen, pneumatische Ventile oder die komplexe Elektronik - würde es so oder so nicht in die Serie schaffen, weist er zurück: "Selbst die Karbonbremsen können für die Zukunft ein Thema sein. Ferrari-Straßenautos verwenden Karbonbremsen. Und pneumatische Ventile sind auch möglich."

Die Reduzierung der Maximaldrehzahl wird von Honda genau wie das Einheits-Steuergerät abgelehnt. "Das ist eine verrückte Idee. Das reduziert nicht die Kosten", begründet Nakamoto. "Wenn man das Drehzahllimit herabsetzt, muss Honda einen neuen Motor bauen. Das verursacht große Kosten. Warum muss Honda diese Ausgaben hinnehmen? Wofür? Wenn es dafür einen vernünftigen Grund gibt, dann sind wir damit zufrieden. Die Dorna muss uns den Sinn erklären."

Fällt das Reifen-Monopol?

Die Rennen der MotoGP waren in den vergangenen Jahren deutlich unspannender als die der Moto2 und Moto3. Nakamoto möchte aber nicht von einer Negativentwicklung reden: "Man redet immer wieder von Problemen, Problemen und Problemen. Sicher waren in Mugello weniger Zuschauer, doch an den meisten anderen Strecken waren in etwa genauso viele Fans wie vorher", stellt er klar.

"Der Rennsport hat sich nicht verändert. Die schnellen Fahrer gewinnen. Selbst zu Mick Doohans Zeit wurde beinahe jedes Rennen von Mick Doohan gewonnen. Danach war es Valentino, der siebenmalige Weltmeister, der so gut wie alle Rennen gewann. Wo ist der Unterschied?", fragt sich der Japaner, der sich wieder mehr als einen Reifenhersteller wünscht.

"Einheitsreifen bringen mit sich, dass nichts passiert. Doch wenn es mehrere Anbieter gäbe, wäre die eine Firma auf der einen Strecke besser und die andere Firma auf der nächsten Strecke. Dadurch würde es Überraschungen, Veränderungen und Verbesserungen geben. Doch das passiert bei Einheitsreifen nicht", bedauert er. "Die schnellen Fahrer und Maschinen gewinnen ständig. Tamada gewann 2004 mit Bridgestone-Reifen mit einem Satelliten-Team, als die anderen Fahrer noch die Michelin-Reifen verwendeten."

"Uns an der Strecke würde es sicher mehr Spaß machen", verrät Bridgestone-Servicetechniker Steve Jenkner 'Motorsport-Total.com'. "Ob dann unser Vorstand in Japan das auch so sehen würde, ist noch nicht klar, weil die Kosten steigen würden. Die vorrangige Entscheidung muss von der Dorna kommen. Im Moment sind sie recht zufrieden, wie es läuft. Sie werden momentan also eher nicht daran denken, wieder einen Wettbewerb zuzulassen." Der Alleinausrüstervertrag von Bridgestone geht bis 2014.

Wie viel Macht hat die MSMA?

Derzeit macht es den Eindruck, als ob die Verhandlungen zwischen der Dorna und der Hersteller-Vereinigung MSMA festgefahren sind. Ezpeleta hat mehrfach bedauert, dass die Hersteller bisher nur Dinge ausschließen, aber keine eigenen Vorschläge bringen. Der Spanier drohte bereits, seine Ideen dann ohne die Zustimmung der Hersteller durchzudrücken. Aber darf er das überhaupt?

"Jeder von uns ist über die Einheits-ECU unglücklich - Honda, Yamaha, Ducati. Wir haben die Sache in Motegi erneut besprochen. Alle Hersteller sind mit der Einheits-ECU nicht zufrieden. Wenn es einen vernünftigen Grund gibt, sind wir zufrieden. Doch was soll die Einheits-ECU bringen?", fragt Nakamoto.

Bei einer technischen Änderung müssen die Hersteller zustimmen. Ansonsten droht eine Auflösung des Vertrages. Honda, Yamaha und Ducati haben bis 2016 einen Vertrag mit dem Rechteinhaber der MotoGP abgeschlossen. Wenn alle Parteien innerhalb der MSMA gegen eine Änderung sind, kann ein Veto eingelegt werden.

Der einzige Vorschlag der MSMA ist eine weitere Reduzierung der Triebwerke. "Im kommenden Jahr gibt es anstatt sechs nur noch fünf Motoren", so Nakamoto. Doch auch der Benzinverbrauch liegt Honda am Herzen: "Der Spritverbrauch ist bei Motorrädern wie auch Autos ein sehr wichtiger Punkt. Die Autos liegen derzeit vor den Motorrädern. Deswegen sind im Motorradbereich verbesserte Technologien nötig", bemerkt Nakamoto.

Fotoquelle: Repsol

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