MotoGP 2013

— 02.01.2013

Das Leben im MotoGP-Paddock

'Motorsport-Total.com'-Mitarbeiter David Emmett und Bridgestone-Servicetechniker Steve Jenkner sprechen über ihre Lieblingsrennen und den Reiz der MotoGP



Bei den 18 Rennen der Saison hat die MotoGP vier Kontinente bereist und viele Millionen an Fans erreicht. Die Akteure der Königsklasse im Motorradsport haben für viele enge Zweikämpfe und spannende Rennen gesorgt. An den Rennwochenenden teilten sich die Piloten und Teams die Fahrerlager mit zahlreichen Journalisten und Verantwortlichen für Organisation und Technik. Zu diesen Personengruppen gehören 'Motorsport-Total.com'-Mitarbeiter David Emmett und Bridgestone-Servicetechniker Steve Jenkner. Beide kennen das Geschäft bestens und blicken auf eine ereignisreiche Saison zurück.

Das Rennen auf Phillip Island ist für Ex-Grand-Prix-Pilot Jenkner Jahr für Jahr das Highlight der Saison. "Abgesehen vom langen Flug ist Australien mein Lieblingsrennen. Die Leute sind sehr nett, die Gegend ist super und die Strecke ist toll", schwärmt der Deutsche. "Das war schon in meiner aktiven Laufbahn eine meiner Lieblingsstrecken und ist es immer noch. Die Atmosphäre ist einfach toll."

"Es gibt einige Rennen, die besonders sind", analysiert Experte Emmett. "Mugello ist durch die Umgebung wundervoll. Der Kurs selbst ist beeindruckend. Doch das Rennen hat durch die Verschiebung von Ende Mai auf Anfang Juli viel von der ursprünglichen Atmosphäre eingebüßt. Das hatte neben der wirtschaftlichen Situation einen großen Einfluss auf die Zuschauerzahlen."

Sachsenring fällt positiv auf

"Ich mag aber auch Brünn und den Sachsenring. Das sind tolle Veranstaltungen mit eine fantastischen Atmosphäre. Die Strecken sind auch großartig", lobt Emmett und berichtet überraschend: "Doch wenn es eine Veranstaltung gibt, die ich besonders mag, dann ist das Indianapolis: Auch wenn der Kurs nicht ideal für die MotoGP ist, so ist die Atmosphäre fantastisch."

"Am Samstag gibt es ein Rennen auf der Dirttrack-Strecke. Das ist ein beeindruckender Event. Der Sound, die Geschwindigkeit und das Spektakel sind etwas, das nicht von dieser Welt kommt. Indianapolis selbst ist eine tolle Stadt, die sehr gastfreundlich ist. Der einzige Nachteil ist, dass es nahezu unmöglich ist, eine anständige Tasse Kaffee in Indiana zu bekommen", scherzt Emmett.

"Mit Indianapolis verbinde ich meine Lieblingserinnerung: Ich war abends an der Dirttrack-Piste, als Kenny Robers mit seiner TZ750 Flattrack-Maschine ein paar Paraderunden drehte. Doch Kenny Roberts fährt keine Paraderunden. Er jagte das Biest mit Vollgas um den Kurs", erinnert sich der MotoGP-Journalist. "Das zu beobachten war beeindruckend. Noch beeindruckender war es, den Vierzylinder-Reihen-Zweitakter zu hören, wie er um das Dirttrack-Oval heulte."

Unfreundliche und aggressive Leute in Frankreich

Deutlich weniger euphorisch fällt Emmetts Beschreibung vom Grand Prix in Frankreich aus: "Das schlechteste Rennen ist meiner Meinung nach Le Mans. Der Kurs ist okay, aber die Belegschaft ist furchtbar, unfreundlich und absolut nicht hilfsbereit. Wenn man nichts für die 24 Stunden macht, dann wird man einfach nicht ernst genommen", kritisiert er.

Doch nicht nur die Mitarbeiter haben keinen positiven Eindruck hinterlassen. Auch die Fans sind laut Emmett gewöhnungsbedürftig: "Die Zuschauer sind ziemlich feindlich gesinnt. Wenn es dunkel wird, dann hat man das Gefühl, sich in einem Mad-Max-Film zu befinden." Jenkner stimmt seinem Fahrerlager-Kollegen zu und stellt Le Mans kein gutes Zeugnis aus.

"Es gibt Strecken, die haben wenig Charakter. Le Mans ist eine von ihnen. Die kurze Strecke, die wir zum Grand Prix fahren macht kaum jemandem im Fahrerlager Spaß. Das Drumherum ist auch nicht so schön", schildert der Sachse, der zwischen 1997 und 2005 in der Motorrad-Weltmeisterschaft aktiv war.

"Silverstone ist ein toller Kurs und hat tolle Rahmenveranstaltungen. Doch weil der Kurs so eben ist, ist es für die Zuschauer ein schreckliches Rennen", fügt Emmett hinzu. Ein etwas ruhigeres Rennen ist der Grand Prix von Japan. Seit der Nuklear-Katastrophe hat sich die Anzahl der anwesenden Journalisten und Mitarbeiter stark reduziert. Auch Jenkner macht um das Rennen in Motegi einen Bogen.

"Seit der Katastrophe lasse ich Motegi aus", gesteht der Deutsche. Für Arbeitgeber Bridgestone ist das Fehlen des erfahrenen Servicetechnikers aber kein allzu großes Problem: "Da es das Mutterland unserer Firma ist, gibt es genug Leute, die meine Arbeit in Motegi übernehmen können."

Keine Zeit für Sightseeing

Das Reisen von Rennen zu Rennen erweckt bei Außenstehenden schnell einen paradiesischen Eindruck. Doch die wenigen freien Minuten an den Rennwochenenden ermöglichen nur selten einen Ausflug. "Der Mangel an Zeit ist das, was mich bei den Rennen am meisten frustriert", bedauert Emmett, der sich die meiste Zeit im Media Center aufhält.

"Barcelona ist vermutlich meine Lieblingsstadt. Doch beim MotoGP-Event bin ich im Hotel in Sabadell, außerhalb von Barcelona. Ich arbeite von acht Uhr bis Mitternacht, aktualisiere Ergebnisse, schreibe Artikel über das Renngeschehen und komme nicht dazu, die Stadt anzusehen. Bei allen Orten, an denen wir sind, sehen wir den Flughafen, die Straße vom Flughafen zum Hotel und zur Strecke und den Kurs selbst. Von allem Anderen bekommen wir nur sehr wenig mit. Das ist wirklich schade", bemerkt der in Holland lebende Brite.

Auch Bridgestone-Servicetechniker Jenkner hat in der Regel einen straffen Zeitplan: "Ich reise meist Dienstag oder Mittwoch an. Wenn es ein Überseerennen ist, dann bin ich einen Tag eher da, sollte es wegen einer Verspätung oder etwas Ähnlichem Probleme geben. Dann hat man einen Tag als Puffer." Im Gegensatz zu vielen Piloten reist Jenkner erst am Montag ab.

"Sonntag brauchen wir am längsten. Da sind wir meist bis um neun vor Ort und machen den Bericht für Japan fertig. Wenn wir dann zusammengepackt haben, ist es schon sehr spät. Dann gehen meist keine Flieger mehr, wenn man weiter weg ist", berichtet er. "Mit dem Auto loszufahren, muss auch nicht unbedingt sein."

Die Marotten der "Alten Hasen"

Obwohl sich die Berichterstattung in den vergangenen Jahren stark verändert hat, gibt es zahlreiche Medienvertreter, die bereits seit mehreren Jahrzehnten im Media Center Zuhause sind. Emmett vergleicht: "Einer der großen Unterschiede zwischen Leuten, die schon lange im Fahrerlager zu tun haben und Leuten wie mir, die relativ neu sind, ist die Wahl der Hotels: Die 'Alten Hasen' buchen meist Unterkünfte, die sehr nah an den Strecken sind. Sie stehen sehr zeitig auf, weil sie Angst haben, im Verkehr stecken zu bleiben."

"Doch in den vergangenen 30 Jahren haben sich die Dinge geändert. Die Zubringer wurden verbessert und die Regelung des Verkehrs ist viel besser. Die Zeiten, in denen man vier Stunden gebraucht hat, um nach Mugello oder Jerez zu kommen, sind lange vorbei. Heutzutage verbringe ich durchschnittlich zehn Minuten im Stau", erklärt er.

Ob "Alter Hase" oder Fahrerlager-Neuling - alle eint die Liebe zum Sport: "Das Beste an der Arbeit in der MotoGP ist die Möglichkeit, mit einigen brillanten Köpfen der Motorradwelt zu reden. Die Crewchiefs, die Ingenieure, einige der Teammanager und einige der Fahrer sind außergewöhnlich intelligent und interessant. Sie regen einen an, über den Sport nachzudenken. Es ist immer faszinierend und eine große Freude", schwärmt Emmett.

Fotoquelle: MST/S.Fränzschky

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