Rookie Marc Marquez hat sich gut in seinem neuen Team eingelebt

MotoGP 2013

— 21.03.2013

Marquez' Crew-Chief über den Lernprozess

Santi Hernandez arbeitet nach dem Moto2-Titel auch in der MotoGP als Crew-Chief für Marc Marquez - Er beobachtet den Lernprozess des Talents aus nächster Nähe

Marc Marquez wurde in den vergangenen beiden Jahren in der Moto2 von Crew-Chief Santi Hernandez betreut. Der Spanier wird nun auch im Honda-Werksteam in dieser Funktion für Marquez arbeiten. Die beiden kennen sich gut und sind ein eingespieltes Duo. Hernandez kann im Alter von 37 Jahren schon auf viel Erfahrung zurückgreifen. Im Honda-Team hat er bereits als Dämpfungstechniker für Fahrer wie Alex Criville und Valentino Rossi gearbeitet. Erfahrungen als Crew-Chiew hat er in der 125er-Klasse und in der Moto2 gesammelt. Die Entwicklung von Supertalent Marquez beobachtet Hernandez aus nächster Nähe.

Frage: "Wie sind die drei Testtage in Austin verlaufen?"
Santi Hernandez: "Ich würde sagen recht positiv. Wir waren zum ersten Mal an dieser Strecke. Es war eine neue Strecke auf der noch nie zuvor ein Motorrad gefahren war. Nachdem ich an diesen drei Tagen gesehen habe, wie gut sich Marc darauf eingestellt hat, kann ich sagen, dass es sehr gut gelaufen ist. Wir hatten keine Daten aus den Vorjahren, weil es eine neue Strecke ist. Ich glaube, dass das Team und Marc das Motorrad und die Fahrweise sehr gut auf diese neue Strecke, die sehr kompliziert ist, eingestellt haben."

Frage: "Was kannst du aus technischer Sicht über diese Strecke sagen?"
Hernandez: "Wir gingen davon aus, dass die erste Streckenhälfte schwieriger sein würde, denn in den zusammenhängenden Kurven gibt es viele Richtungswechsel. In diesem Abschnitt muss der Fahrer richtig hart arbeiten. Dazu führt die erste Kurve bergauf, wo es eine harte Bremszone und unterschiedliche Linienwahlen gibt. Es ist ein ungewöhnlicher Kurs, wo der Fahrer die Linien variieren muss. Daran haben wir hauptsächlich gearbeitet. Speziell im ersten Sektor, bei Richtungswechseln und dem harten Bremspunkt auf der Gegengeraden - dort muss das Motorrad stabil sein."

Frage: "Du hast gesehen, wie sich Marc auf die Moto2 eingestellt hat. Hat dich seine Performance in Austin überhaupt überrascht?"
Hernandez: "Wenn ich mir ansehe wie die Tests bisher verlaufen sind, dann kann ich sagen, dass er sich sehr gut umgestellt hat. Das heißt aber gar nichts. Ich schätze, dass die anderen Fahrer wie Dani, Lorenzo, Valentino und Bradl verschiedene Dinge bei der Abstimmung mit dem Grand Prix im Hinterkopf getestet haben. Ich weiß nicht, wie oder woran sie gearbeitet haben, aber ich schätze, wenn wir zurückkommen wird es anders aussehen. Das Ergebnis dieser drei Tage in Austin bedeutet gar nichts. Wir können nur sagen, dass wir gut gearbeitet haben und das Ergebnis positiv ist."

Frage: "Glaubst du, dass es Marc geholfen hat, dass es in Austin keine Referenz aus der Vergangenheit gab?"
Hernandez: "Ja. Für Marc war es auch sehr wichtig die Elektronik besser zu verstehen, weil es keine Anhaltsdaten gab. Bei jedem Run mussten wir neue Dinge probieren. Logischerweise hat er mit jeder Kurve mehr über die Elektronik verstanden. Mehr Motorbremse, weniger Traktion, nicht das Vorderrad anheben und so weiter ... Wir haben an all diesen Dingen gearbeitet, weil es ein neuer Kurs ohne Referenzdaten für uns war. Es war auch eine positive Erfahrung, die Auswirkungen der Veränderungen zu sehen, um die Probleme mit der Elektronik zu lösen."

Frage: "Ihr seid am Ende aber keine Rennsimulation gefahren."
Hernandez: "Es stand im Aufgabenheft für diese drei Tage, aber am Ende entschieden wir uns dagegen, weil wir an zwei Testtagen viel gearbeitet und viele Veränderungen vorgenommen haben. Wir dachten, dass wir vor dem Grand Prix viele wichtige Dinge testen müssen, damit wir die Entwicklung des Motorrades besser verstehen. Dann muss man auch daran denken, dass wir noch einen weiteren Test in Jerez haben. Wir evaluierten beim Test mehr Sachen für den Grand Prix und wollten die Entwicklung des Motorrades verstehen, bevor wir eine Rennsimulation machen."

Rennen sind anders als Tests

Frage: "Wie beurteilst du als sein Renningenieur seinen bisherigen Anpassungsprozess an die MotoGP?"
Hernandez: "Die Gesamtanalyse fällt sehr positiv aus und er passt sich sehr gut an. Wir hatten drei Tests in Malaysia, bei denen man den ganzen Tag arbeiten musste, Dinge versucht, die Telemetrie studiert und mehr und mehr Änderungen vornimmt. Das gibt dir Zeit, um mehr nachzudenken, mehr Daten zu haben und sich sicherer bezüglich der Veränderungen zu sein. Bisher kann man sagen, dass er sich bei den Tests sehr gut einstellt. Wir müssen aber auch abwarten, wie es dann bei den Rennen ist, und bei neuen Kursen."

"Es wird weniger Testzeit geben, und wir müssen Reifen, die Getriebeübersetzung, die Aufhängung - und viele Teile in einer kurzen Zeit testen. Gleichzeitig muss man gute Zeiten fahren, damit man sich qualifiziert, speziell beim neuen System in diesem Jahr. Das wird erst wirklich zeigen, wie gut er sich auf die neue Klasse eingestellt hat."

"In der Moto2 hat Marc bewiesen, dass er ein harter Arbeiter ist und immer genau weiß was zu tun ist, um schneller zu fahren. Er gibt den Technikern auch immer gute Informationen. Das hilft dabei den gesamten Prozess zu beschleunigen. Wie ich immer sage, wir müssen die ersten Rennen abwarten. Dann könnte das Szenario ganz anders sein."

Frage: "Haben sich du und Carlos Linan (Mechaniker; Anm. d. Red.) schon an das neue Team gewöhnt?"
Hernandez: "In Wahrheit ist es ganz anders als unsere gewohnte Umgebung in der Moto2, weil wir ein Privatteam waren und die Ansprüche ganz anders waren. Wir sind jetzt in der MotoGP und im besten Team. Für uns ist das ein großer Schritt. Wir haben bisher gesehen, dass es viel mehr Leute gibt, viel mehr Ingenieure, aber gleichzeitig erkennt man auch, warum das in der MotoGP nötig ist. Es gibt so viele Dinge, so viele Parameter und so viele Motorradteile, die man im Blick haben muss."

"Deswegen ist das alles nötig. Wir haben das Team von Casey Stoner übernommen und sie haben lange zusammengearbeitet. Sie kennen sich gegenseitig sehr gut, es sind gute Techniker und Mechaniker. Schritt für Schritt lernen wir uns kennen. Wir kommen uns immer näher und ich muss sagen, dass ich sehr glücklich bin, dass ich mit ihnen und HRC zusammenarbeite."

Frage: "Gibt es große Veränderungen zwischen dem aktuellen Honda-Team und der Zeit, als du mit Criville zusammengearbeitet hast?"
Hernandez: "Damals sind wir mit der alten 500er Zweitaktmaschine gefahren. Alles hat anders funktioniert. Die Motorräder waren ganz anders. Es gab nicht so viel Elektronik. Meine Position war auch anders. Ich arbeitete als Showa-Techniker und war kein Teil von HRC. Es stimmt, dass mir große Veränderungen aufgefallen sind, weil viele Ingenieure von damals nicht mehr da sind. Es gibt neue Ingenieure und ein neues Motorrad. Man kann sagen, dass es sich stark verändert hat, aber aus meiner Sicht wurde es besser."

Fotoquelle: Repsol

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