Kurve eins ist durch den steilen Anstieg eine Besonderheit des Kurses

MotoGP 2013

— 19.04.2013

Fahrer sind vom neuen CoTA beeindruckt

Die MotoGP-Stars schwärmen von der neuen Rennstrecke in Texas, aber sie ist für die Fahrer schwierig zu lernen - Schweigeminute vor dem Rennstart

Die MotoGP betritt an diesem Wochenende Neuland: Zum ersten Mal wird auf dem neuen "Circuit of The Americas" in Texas gefahren. Neben Laguna Seca und Indianapolis verfügt die USA damit über drei MotoGP-Rennen und ist der Formel 1 damit einen großen Schritt voraus. Allerdings eröffnete die Formel 1 den neuen 5,513 Kilometer langen Kurs im vergangenen November. Die Strecke besteht aus elf Links- und neun Rechtskurven und ist 15 Meter breit. Die längste Gerade geht über 1,2 Kilometer.

Einige Fahrer konnten sich bereits auf den neuen Kurs einschießen. Mitte März testeten das Honda-Werksteam und Stefan Bradl drei Tage lang, das Yamaha-Werksteam war zwei Tage lang unterwegs. Zudem fuhren bereits die beiden US-Amerikaner Nicky Hayden und Ben Spies mit Superbikes um den Kurs. Generell lautete der Eindruck, dass die Strecke schwierig zu lernen ist. "Wenn ich mir die Strecke und die Anlage ansehe, dann ist es fantastisch. Es ist auch fantastisch zu fahren", lobt Superstar Valentino Rossi.

"Kurve zwei und die Dreifachrechts vor den letzten beiden Kurven sind sehr technisch und schön. Das Problem ist, dass diese Tilke-Strecken mehr für die Formel 1 geeignet sind. Die drei breiten Haarnadeln sind auf dem Motorrad etwas langweilig", macht er einen Kritikpunkt aus. "Das ist mehr für die Formel 1 gedacht. Deshalb bevorzuge ich die alten Strecken." Sein Yamaha-Teamkollege Jorge Lorenzo sieht die Charakteristik des CoTA sehr ähnlich.

"Die Strecke ist sehr schwierig zu lernen. Ich glaube, das ist die schwierigste Strecke meiner Karriere, denn ich habe Probleme damit, die Geheimnisse der Strecke zu verstehen und das Limit zu finden", gibt der amtierende Weltmeister zu. "Ich glaube trotzdem, dass wir gegenüber den Fahrern, die leider nicht am Test teilnehmen konnten, einen Vorteil haben werden. Ein Monat Pause ist trotzdem sehr lange. Das erste Training wird sicherlich schwierig, um das gleiche Gefühl wie beim Test zu finden."

Speziell die veränderten Temperaturen werden einen Unterschied ausmachen. "Beim Test war es vor allem in der Früh sehr kalt. Deshalb war das Aufwärmen der Reifen nicht einfach. Jetzt sind die Temperaturen höher und es wird auch mehr Grip geben. Das macht es für Yamaha sicherlich einfacher", ist Lorenzo optimistisch. Trotz der Schwierigkeit ist er von der Anlage begeistert. "Die Strecke ist so komplett, dass es viele wichtige Abschnitte gibt. Die erste Kurve geht bergauf und es ist einer der steilsten Anstiege, die ich je auf einer Rennstrecke gesehen habe."

"Die erste Kurve ist auch sehr breit. Nach dem Start wird es sicher gefährlich für den Bremspunkt werden. Darauf muss man Acht geben. Außerdem gibt es Haarnadeln im ersten Gang. Das ist auch einer der Schlüsselpunkt. Im ersten Sektor gibt es auch viele blinde Kurven. Dort sind das Limit und die beste Linie schwierig zu finden. Dazu kommt die Zielkurve, denn es ist die letzte Überholchance."

Speziell die richtige Linie zu finden, wird nicht einfach sein, denn viele Kurven fließen ineinander. "Speziell im ersten Abschnitt gibt es viele Richtungswechsel", sagt Marc Marquez. "Dort muss man die richtige Linie finden. Aber auch im letzten Abschnitt ist es in den drei Rechtskurven nicht einfach, die richtige Linie und den besten Kompromiss zu finden. Die Strecke ist für alle neu und auch für die Meisterschaft wird es interessant sein zu sehen, wie es sich entwickelt."

Es stellt sich die Frage, wie groß der Vorteil der Fahrer sein wird, die schon auf diesem Kurs gefahren sind. "Am Freitag wird es sicher helfen und die Abstände werden größer werden. Am Samstag und Sonntag wird es wieder enger sein", schätzt Marquez die Situation ein. "Es ist ja nur eine Strecke. Wir haben bei den Tests gesehen, dass wir am ersten Tag zu kämpfen hatten, aber dann wurden die Zeiten viel schneller. Man braucht vielleicht 30 oder 40 Runden, bis man die Linien und alles kennt."

Auch Lorenzo glaubt nicht, dass die Konkurrenz im Nachteil ist, denn es gibt genug Trainingseinheiten. "Bei ein oder zwei Trainings wäre es ein großer Vorteil, aber es gibt mehrerer Trainings. Deshalb können die Fahrer den Nachteil wettmachen. Ich glaube, das reicht für die anderen Fahrer, um die Strecke kennenzulernen."

Crutchlow glaubt an Testnachteil

Dagegen glaubt Cal Crutchlow, der nicht testen konnte, dass er einen großen Nachteil hat und diesen nicht wettmachen kann. "Die Top 5 oder 6 Jungs sind immer am Limit. Wenn man zwei oder drei Tage weniger Streckenzeit hat, dann kann man das nie aufholen. Wenn ich ein gutes Resultat erreichen kann und mich jeden Tag steigere, dann wäre ich sehr glücklich. Ein solides Punkteergebnis ist hier der Schlüssel."

"Ich versuche von den Jungs zu lernen, die schon hier waren. Da es eine sehr lange und technische Strecke ist, werden wir gegen diese Jungs viel verlieren. Hoffentlich bin ich vor den Jungs, die hier nicht getestet haben", steckt sich der Brite seine persönlichen Ziele. "Auch Ben und Nicky haben hier schon Runden gedreht. Wenn ich der Beste des Rests bin und wir ein gutes Rennwochenende haben - ich werde das Rennen offensichtlich nicht gewinnen, aber die Hoffnung gebe ich nicht auf. Ich muss aber ruhig bleiben und darf mir nicht zu viel erwarten."

"Ich bin um die Strecke gegangen und es gibt viele blinde Kurven. Der erste Abschnitt ist sehr schnell und einige Kurven machen zu. Sie haben eine fantastische Anlage gebaut, die den Fahrern alles abverlangt. Es wird Zeit brauchen, die Strecke zu lernen. Ein gutes Rennen zu fahren ist mein Ziel." Ben Spies hat die Strecke bereits kennenlernen dürfen, aber auch er glaubt, dass er einen Nachteil haben wird, weil er erst am Freitag mit dem MotoGP-Motorrad ausrücken wird.

"Ich bin vor einigen Wochen mit einer Straßenmaschine 30 Runden gefahren und muss sagen, dass ich schon viele Strecken gelernt habe, aber das ist die technischste und längste Strecke überhaupt. Es gibt viele langsame, aber auch schnelle Abschnitte. Dass wir nicht mit unserem Bike getestet haben, ist sicher ein Nachteil für die Abstimmung, denn es gibt hier viele unterschiedliche Abschnitte", meint der Texaner.

Deswegen sagt er klar: "Natürlich ist es ein Nachteil. Ich bin mit einer Straßenmaschine einige Runden gefahren, aber dabei lernt man nur das Layout kennen. Mit dem MotoGP-Motorrad ändert sich alles, die Linien, die Bremspunkte. Bei der Abstimmung ist es nicht so ein großes Problem, aber bei einer Strecke dieser Art muss man am ersten Tag das Getriebe richtig übersetzen. Das ist bei diesen Motorrädern sehr wichtig. Wenn man das im ersten Training falsch macht, dann kann es die Balance des Motorrades verändern. Am Sonntag werden alle Fahrer die Strecke gelernt haben. Der erste Tag wird sehr wichtig sein."

Marquez schiebt Favoritenrolle von sich

Bei den Testfahrten war Marquez klar der schnellste Mann. Mit einem Sieg könnte er den Rekord von Freddie Spencer pulverisieren und der jüngste Sieger aller Zeiten in der Königsklasse werden. Verspürt der 20-Jährige deshalb Druck? "Nein. Darüber habe ich gar nicht nachgedacht", hält er den Ball flach. "Wenn jemand kommt und den Rekord bricht, dann erinnert sich niemand mehr daran. Der Test war sehr gut. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Yamaha nur mit einem Motorrad hier war."

"Das machte es für sie schwieriger. Das Rennwochenende ist aber immer etwas anderes. Bei den Tests fahren die anderen mit einem guten Rhythmus, aber im Rennen sind sie dann stärker. Deshalb wird es schwierig. Wir werden es sehen." Dagegen hat Crutchlow einen Plan, denn unter der Woche twitterte er, dass sich Marquez in den Bergen verlaufen soll. Da Marquez an der Strecke war, scherzte Crutchlow in der Pressekonferenz, dass die anderen Fahrer Marquez im Wald verstecken werden, damit ihre Chancen steigen.

Realistisch gesehen meint der Brite: "Er ist hier einen sehr guten Test gefahren, aber das Rennwochenende wird ganz anders. Die Jungs, die hier getestet haben, werden um den Sieg kämpfen. Marc war beim Test der Schnellste. Wir wissen nach einem Rennen, dass er auch in der MotoGP fahren kann. Er hat gegen seinen Teamkollegen und um das Podium gekämpft. Er ist schnell und kann um Siege kämpfen", ist Crutchlow überzeugt.

Derzeit wird hauptsächlich vom Lernprozess gesprochen, doch sorgt das Layout auch für spektakuläre Rennen? "Ich finde es sehr interessant, weil es viele Überholmöglichkeiten gibt", findet Marquez. "Das wird für die Show interessant. Vielleicht ist der erste Abschnitt mit den vielen Richtungswechseln der schwierigste Abschnitt. Dort kann man viel Zeit verlieren. Auch im letzten Abschnitt gibt es viele harte Bremspunkte. Für die Show wird es sehr gut sein, denn man kann andere Fahrer an vielen Stellen überholen."

Texas heißt die MotoGP willkommen

Die Bühne für die Texas-Premiere der MotoGP steht. Streckenpräsident Steve Sexton ist stolz: "Wir haben ein fantastisches Team, das viel für diese Veranstaltung gearbeitet hat. Jetzt heißen wir die MotoGP und die internationale Gemeinde willkommen. Wir freuen uns auf das erste MotoGP-Rennen. Soweit man bisher von den Fahrern gehört hat, ist es eine einzigartige Anlage. Nicht nur aus Fan-Perspektive, denn man kann an viele verschiedene Stellen gehen. Es gibt viele Überholmöglichkeiten und auch Höhenunterschiede."

"Für die Fans ist es eine tolle Möglichkeit, die Action aus unterschiedlichen Perspektiven zu beobachten. Es ist eine herausfordernde Strecke für die Fahrer. Als unser Team die Rennen in Laguna Seca und Indianapolis besucht hat, bemerkten wir, dass es ein sehr beeindruckender Sport für die Fans ist", so Sexton. "Wer noch nie die MotoGP gesehen hat, wird sicher sehr beeindruckt von diesem Sport sein. Das Wetter sollte nach dem gestrigen Regen auch gut sein. Wir freuen uns auf ein Super-Wochenende."

Der Streckenpräsident erwartet auch einen Ansturm der Fans: "Die Ticketverkäufe sind gut. Wir erwarten 100.000 Fans an diesem Wochenende." Am Sonntag wird es rund zehn Minuten vor dem MotoGP-Start eine Schweigeminute für die Opfer der Bombenanschläge in Boston geben. Außerdem gab es in Texas am Mittwoch eine gewaltige Explosion in einem Düngemittelwerk in Texas.

Fotoquelle: xpbimages.com

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