Michele Pirros Leistungen beim Rennen in in Jerez machten den Stammfahrern Mut

MotoGP 2013

— 08.05.2013

Ducati: Gemischte Gefühle und viel Arbeit

Das Labor-Motorrad hat sich beim Jerez-Test nicht als passende Antwort auf die Probleme herausgestellt - Bernhard Gobmeier analysiert die Lage

Trotz einiger positiver Trainings-Ergebnisse spielt Ducati auch in der Saison 2013 keine ernsthafte Rolle an der Spitze. Nach den ersten drei WM-Läufen in Katar, Texas und Spanien liegt Neuzugang Andrea Dovizioso (26 WM-Punkte) auf Position sieben. Teamkollege Nicky Hayden (24 WM-Punkte) folgt als Achter. Besonders in den Rennen sind die Rückstande groß. Hoffnung gab es zuletzt durch das Labor-Motorrad, das vom Testteam parallel entwickelt wurde.

Testpilot Michele Pirro fuhr damit beim Grand Prix in Jerez seinen ersten Wildcard-Einsatz in dieser Saison. Im Rennen war der Italiener etwa so schnell wie Dovizioso. Doch beim Test am Montag wurden die Hoffnungen der Ducati-Fans bereits gebremst. Die Werkspiloten sahen im Labor-Motorrad zwar kleine Fortschritte, sprachen aber nicht von einem Durchbruch. Einem etwas besseren Einlenkverhalten standen einige Nachteile gegenüber.

Labor-Motorrad als Zwischenlösung

"Die Feedbacks waren bisher positiv. Es wurde bestätigt, was Pirro vorher berichtet hatte. Es gab also keine Überraschungen", bemerkt Ducati-Corse-Chef Bernhard Gobmeier. "Wir wollten den Werksfahrern diese Zwischenlösung vorstellen, damit sie sehen, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder eben nicht. Sie haben uns zugestimmt. Das ist aber natürlich nicht das Ende unserer Entwicklungsarbeit. Ich wäre froh, wenn ich das bekanntgeben könnte. Doch soweit sind wir noch nicht."

"Wir sehen es als Zwischenlösung an und haben ein paar Dinge entdeckt, die wir neu überdenken müssen. Natürlich wird viel Arbeit mit dem Testteam und dem Testfahrer absolviert. Doch am Ende ist es doch am wichtigsten, was die Stammpiloten sagen. Die Fähigkeiten und die Erfahrung von Dovi und Nicky sind bei allem Respekt für Michele größer. Sie haben mehr Wissen und bessere Fähigkeiten, das Motorrad ans Limit zu bringen", stellt Gobmeier klar.

Die bisherige Saison bewertet der Deutsche weder gut noch schlecht: "Ich habe gemischte Gefühle. Einerseits starteten wir beim ersten Sepang-Test mit einer großen Katastrophe. Was die Rundenzeiten anging, konnten wir Verbesserungen erzielen. Wir konnten sehen, dass wir schneller werden. Zudem konnten wir sehen, wie schnell wir auf eine bestimmte Distanz sein können. Doch gegen Rennende gab es andererseits einen großen Rückgang der Performance. Das ist eine weitere Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wir müssen das Motorrad nicht nur schneller machen", fordert er. "Wir müssen es auch länger schnell und fahrbarer machen."

Viel Arbeit in Mugello

Das Untersteuern ist immer noch die größte Schwäche der Desmosedici. "Wir haben verschiedene Lösungsansätze, wie wir das Problem beheben können. Es ist nicht so einfach, weil wir es bereits geschafft hätten, wenn es einfach wäre. Doch wir werden beim anstehenden Test in Mugello ein paar Dinge aussortieren", berichtet Gobmeier. Von Dienstag bis Donnerstag arbeitet das Testteam in Mugello. Franco Battaini arbeitet an der Haltbarkeit, während Pirro sich um die weitere Entwicklung des Labor-Motorrades kümmert.

Auch Hayden und Dovizioso sind in Mugello. Deren Einsatz-Motorräder wurden direkt nach dem Rennen in Jerez in Richtung Mugello transportiert. Für die Werkspiloten steht vor allem die Vorbereitung auf das Rennen im Vordergrund. Um das lästige Untersteuern zu limitieren, versucht Ducati, viele Bereiche mit einzubeziehen. "Wir arbeiten an Setup-Änderungen, Steifigkeits-Modifikationen - wir haben das Labor-Bike, bei dem wir einige Steifigkeits-Parameter recht einfach einstellen können - und Geometrie-Änderungen. Das ist die normale Herangehensweise. Doch ein Motorrad ist eine sehr komplexe Angelegenheit."

Sollte das Labor-Motorrad irgendwann besser sein als die GP13, dann wird es die derzeitige Einsatz-Maschine dennoch nicht ablösen. "Das Labor-Motorrad kommt sicher nicht zum Einsatz, weil es eben ein Labor-Motorrad ist. Es wäre auf Grund der Regeln noch nicht einmal möglich. Es gibt einige Dinge, die nicht den Regeln entsprechen. Der Einsatz hier war nur möglich, weil es eine Wildcard war", stellt Gobmeier klar.

Was kann Audi bewirken?

Pirro wird weiterhin hart arbeiten, um Ducati voranzubringen. Bereits vor Saisonstart war klar, dass er in Jerez, Mugello und Misano als Wildcard-Pilot fahren wird. Zudem ersetzt er in Le Mans Ben Spies, der immer noch verletzt ist. Dann wird der Italiener aber mit der gewöhnlichen GP13 an den Start gehen. Die Evolution des Labor-Motorrades geht aber weiter. "Wir werden einige Entwicklungen sehen. Deswegen ist es ja ein Labor-Motorrad. Es gibt keinen Druck durch Ergebnisse oder andere Dinge", erklärt Gobmeier.

"Wir können experimentieren, um neue Dinge auszusortieren. Wie wir sehen konnten, gab es bereits am Sonntag Unterschiede. Es ist etwas anderes, ob man einen Test macht oder ein Rennen fährt", betont der Corse-Chef. Neben dem Rahmen widmet sich Ducati auch dem Motor und der Motorsteuerung, damit die Desmosedici einfacher zu fahren ist und die Reifen nicht so sehr fordert.

"Die Elektronik, Traktionskontrolle und Motorbremse haben einen Einfluss auf das Einlenkverhalten. Unterm Strich hängt es davon ab, was die Reifen auf dem Asphalt machen. Die Reifen sind die einzige Verbindung zwischen der Maschine und dem Asphalt. Die Elektronik, also die Reaktion des Motors, hat einen großen Einfluss auf das Einlenkverhalten des Motorrads. Es ist eine Verbindung von Chassis und dem Motorverhalten beziehungsweise der Elektronik", analysiert Gobmeier.

Bisher war nicht ersichtlich, welchen Einfluss Audi seit der Übernahme hatte. "Es gibt bereits einige Einflüsse, doch grundsätzlich handelt es sich mehr um einen Langzeitplan", schildert Gobmeier. "Beim aktuellen Motorrad hatte Audi noch keinen Einfluss. Bei Dingen, die parallel ablaufen, sieht das schon anders aus."

Fotoquelle: Ducati

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