In der Pressekonferenz schüttelten sich Marquez und Lorenzo die Hände

MotoGP 2013

— 16.05.2013

Lorenzo/Marquez: Es herrscht Frieden

Jorge Lorenzo und Marc Marquez haben in Le Mans Frieden geschlossen - Lorenzo fordert dennoch Strafen, um die generelle Sicherheit des Sports zu verbessern

Zwei Wochen nach dem vieldiskutierten berholmanver in Jerez trafen Marc Marquez (Honda) und Jorge Lorenzo (Yamaha) in Le Mans wieder aufeinander. Zuletzt in Spanien wollte sich Lorenzo direkt nach dem Rennen nicht zu diesem Vorfall uern. Er gab am anschlieenden Testtag aber zu, dass er einen Fehler gemacht hatte. Seiner Einschtzung nach war Marquez nicht so nahe an ihm dran. Gergert hat den Weltmeister das Manver trotzdem, denn er verlor den zweiten Platz. Im Anschluss an das Rennen diskutierte Lorenzo auch mit der Rennleitung, ob es eine Strafe fr Marquez geben sollte.

Es wurde aber keine Strafe ausgesprochen. Trotzdem ist der Yamaha-Werksfahrer auch in Frankreich mit dieser Situation nicht glcklich. Fr diese Saison wurde ein neues Strafenregister eingefhrt. Lorenzo ist der Meinung, dass Marquez fr sein berholmanver Strafpunkte bekommen htte mssen. "Selbst jetzt, nachdem ich mich beruhigt habe, bin ich der Meinung, dass die Aktion in Jerez zu hart war. Ich bin immer noch dieser Meinung", legt Lorenzo seine Gedanken mit etwas Abstand offen.

"Ich habe nichts gegen Marc persnlich. Er ist noch jung und wenn man jung ist, dann versucht man es, wenn man die Lcke sieht. In Jerez hat er eine groe Lcke gesehen und hat es versucht. In diesem Jahr haben wir ein neues Strafpunktesystem und wir verwenden es nicht. Ich wnsche mir, dass die Rennleitung dieses neue System in Zukunft verwendet. Meiner Meinung nach htte es in Jerez mindestens einige Strafpunkte geben mssen. Eine gelbe Karte htte verwendet werden sollen", so Lorenzo.

Am Donnerstag gab es auch ein Meeting der Fahrer. Hauptschlich wurde ber Rennabbrche diskutiert, wie sie bei den letzten beiden Moto3-Rennen vorgekommen sind sowie das Prozedere bei Neustarts. Zudem wurde ber langsame Fahrer diskutiert, die im Qualifying in der letzten Kurve auf schnelle Fahrer warten. Erst am Ende wurde der Vorfall zwischen Lorenzo und Marquez kurz angesprochen. "Fr mich ist es so, wie ich es in Jerez gesagt habe", meint Marquez. "Wenn das in der ersten Runde oder bei Rennmitte vorkommt, dann sollte vielleicht etwas unternommen werden."

"Aber am Ende ist es Racing - es war die letzte Runde. Man hat das bei Motorradrennen schon oft gesehen. Wenn man so etwas im Motorradrennsport sieht, dann gefllt es den Fans noch besser. Es muss immer ein Limit geben, aber wenn ich in der letzten Runde in der letzten Kurve eine Lcke sehe, dann werde ich es wieder versuchen. In Jerez habe ich etwas spter gebremst als in der Runde davor, aber Berhrungen knnen vorkommen. Das ist Racing."

Lorenzo geht es in erster Linie um den Sicherheitsaspekt. Die MotoGP ist gefhrlich, wie die jngere Vergangenheit deutlich gezeigt hat. "Im Rennsport ist es mglich, dass man einen anderen Fahrer berhrt, aber wenn man mit einem anderen Fahrer kollidiert, dann ist es eine andere Geschichte, vor allem wenn man den anderen Fahrer zu einer anderen Linie zwingt", meint der Weltmeister. "Es ist schwierig, aber auch beim Fuball knnen dem Schiedsrichter Fehler passieren."

Lorenzo: Strafen sorgen fr Umdenken

"Wenn man im Rennsport aber mit einem anderen Fahrer kollidiert, dann mssen Strafpunkte die Folge sein. Man kann sich verschtzen und einen anderen Fahrer berhren. Ich wiederhole, dass ich nichts persnlich gegen Marc habe. Ich glaube aber, dass wenn man eine Strafe bekommt, dann ndert man seine Einstellung und wird ein logischerer Fahrer. Das ist mir passiert", sagt Lorenzo und verdeutlicht das an einem Beispiel: "Im Jahr 2005 habe ich viele Fehler gemacht und ich habe mich erst gendert, als ich fr ein Rennen gesperrt wurde. Wenn das nicht passiert wre, dann htte ich vielleicht auf die gleiche Art weitergemacht und htte weitere Unflle provoziert."

Lorenzo sprach das 250er-Rennen in Japan an, als er einen Unfall mit Alex de Angelis verursachte und dafr eine Rennsperre aufgebrummt bekam. Die brigen Spitzenfahrer werten die Lorenzo/Marquez-Situation als Rennvorfall. "Es ist die letzte Kurve im letzten Rennen", meint Dani Pedrosa. "Jorge hat die Tre nicht ganz zugemacht, wie er es htte tun mssen, und Marc hat es hart probiert. Dann waren sie an der gleichen Stelle. Ich habe Erfahrungen mit Unfllen und Berhrungen gemacht. Fr die Fahrer sollte es klarer sein, wo man sein Manver machen kann, denn im Moment ist es nicht ganz klar, wofr man eine Strafe bekommt. Das ist derzeit das Thema."

Auch Valentino Rossi findet das Marquez-Manver nicht zu schlimm. "Ich finde, dass Marc das gesamte Rennen sehr aggressiv war. Er war sicherlich in der letzten Kurve sehr aggressiv. Ich kann auch Jorge verstehen, dass er wtend war. Aus meiner Sicht knnen in der letzten Kurve des Rennens bestimmte Dinge passieren. Jerez ist eine berhmte Stelle. Nicht nur wegen mir und Sete, denn schon davor gab es den Vorfall zwischen Doohan und Criville. Es gab dort noch weitere harte Duelle. Man kommt aus einer schnellen Kurve und bremst ab. Das Tempo ist nicht sehr hoch. Man kann sich berhren. Es kann in der letzten Kurve passieren."

Cal Crutchlow ist der Meinung, dass man den Unfall nun abhaken soll: "Es hat mein Rennen nie beeinflusst, deshalb habe ich mir nicht viel Gedanken darber gemacht. Marc ist ein hartes Manver gefahren, aber ich finde, dass so etwas schwierig mit Strafpunkten zu belegen ist, denn jeder Vorfall ist anders. Die Renndirektion macht viel, damit die Dinge besser werden. Ich glaube, dass sie das auch machen. Wir fahren Motorradrennen. 24 Fahrer fahren herum. Zu gewissen Zeitpunkten wird es Berhrungen geben. War es ber dem Limit? Ich wei es nicht."

"Ich kann Jorges Reaktion verstehen, denn er hat Platz zwei verloren. Aber Marc hat eine Lcke gesehen und wollte eine Position gutmachen. Aus den verschiedenen Standpunkten ist es schwierig zu verstehen. Die Rennleitung hat einen schwierigeren Job als wir, denn wir sehen eine Lcke und nutzen sie. Im Vorjahr gab es den gleichen Vorfall zwischen Nicky (Hayden; Anm. d. Red.) und mir. Wir haben es als Rennvorfall abgehakt. Es ist niemand gestrzt, niemand hat sich verletzt. Deshalb denke ich, dass wir es vergessen und weiter Rennen fahren sollten."

Warum es keine Strafe gab

Nach dem Rennen in Jerez nahm sich die Rennleitung eine halbe Stunde Zeit und bewertete den Vorfall. Schlielich kamen sie zu dem Schluss, dass es ein normaler Rennzwischenfall war und sprachen keine Strafe aus. "Alle waren der Meinung, dass es ein Rennzwischenfall war", wird Renndirektor Mike Webb von 'Motor Cycle News' zitiert. "Wir haben uns alle Aufnahmen angesehen, inklusive der Helikopter-Bilder. Es wurde viel diskutiert. Die Entscheidung war aber einstimmig.

"Es war die letzte Kurve der letzten Runde. Wir haben das gleiche Manver schon oft in der Vergangenheit gesehen. Von Zeit zu Zeit geht man davon aus, dass zwei Fahrer in der gleiche Kurve gleichauf sind und unterschiedliche Linien nehmen wollen. Wenn das im Freien Training vorgekommen wre, dann htte es Strafen gegeben. Es war aber die letzte Runde des Rennens", hlt Webb deutlich fest.

Der Brite kann Lorenzos Reaktion verstehen: "Es war sehr offensichtlich, dass er nicht glcklich war und auch nicht unserer Meinung war. Ich respektiere seine Meinung und wei, dass sie anders als unsere oder jene von Marc ist. Ich erwartete aber keinen Protest von Yamaha, aber ich verstehe voll und ganz, dass sie nicht glcklich waren, weil sie durch ein hartes berholmanver eine Position verloren haben."

Beobachter hatten nur darauf gewartet, bis Marquez, der fr seinen kompromisslosen Fahrstil bekannt ist, in der MotoGP anecken wird. Nun passierte es schon beim dritten Rennen gegen den amtierenden Weltmeister. Wurde Marquez aufgrund seiner Vergangenheit von der Rennleitung anders behandelt? "Die Antwort ist nein, aber niemand wird mir glauben", sagt Webb. "Als es passierte und wir uns der Sache widmeten, bewertete ich es objektiv und nicht anhand der Persnlichkeiten. Es geht darum, wie sich das Rennen entwickelt und nicht ber die Vergangenheit."

Lorenzo & Marquez gemeinsam im Flugzeug

Die Leser von 'Motorsport-Total.com' bewerten den Vorfall gemischt. In einer Umfrage, bei der 1.091 Stimmen abgegeben wurden, sprachen sich 39,50 Prozent dafr aus, dass Marquez den Killerinstinkt eines Weltmeisters gezeigt hat. Aber auch 30,25 Prozent meinten, dass das berholmanver absolut unsportlich zu werten ist. Die restlichen 30,25 Prozent der Stimmen meinten, dass es Lorenzo gar nicht soweit htte kommen lassen sollen. Unter dem Strich fhrt Marquez mit einem dritten Platz, seinem Sieg in Austin und Platz zwei in Jerez die WM-Wertung an.

Kann der Rookie gleich in seinem Premierenjahr Weltmeister werden? Die Leser von 'Motorsport-Total.com' glauben daran. Deutliche 64,85 Prozent trauen Marquez in einer Umfrage, bei der 751 Stimmen abgegeben wurden, zu, dass es der Youngster schafft. Zwischen Lorenzo und Marquez fliet kein bses Blut. Als beide die Heimreise von Jerez antraten, saen sie zuflligerweise im Flugzeug in der gleichen Reihe.

"Es waren rund 300 Leute in diesem Flugzeug und wir saen nebeneinander. Es war lustig", berichtet Lorenzo. "Dann haben wir uns die Hnde geschttelt. Wie gesagt, ich habe kein Problem mit Marc. Ich mchte nur die Sicherheit meines Sports verbessern. Das ist meine Prioritt." Auch in Le Mans schttelten sich die beiden Spanier in der Pressekonferenz die Hnde.

Fotoquelle: FGlaenzel

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung