MotoGP 2013

— 24.05.2013

Nakamoto: Formel-1-Comeback schadet MotoGP nicht

HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto sieht durch das Honda-Comeback in der Formel 1 keine negativen Auswirkungen für das MotoGP-Engagement



Honda ist seit Jahrzehnten eng mit der Motorrad-WM verbunden. Nun wurde in der vergangenen Woche der Wiedereinstieg in die Formel 1 verkündet. Das letzte Gastspiel als reinrassiger Hersteller war nicht von durchschlagendem Erfolg geprägt. Als die Wirtschaftskrise begann, wurde Ende 2008 der Stecker aus dem Formel-1-Projekt gezogen und das Team an Ross Brawn weiterverkauft. Heute ist das ehemalige Honda-Team, das ursprünglich auf den Tyrrell-Rennstall zurückzuführen ist, das Mercedes-Werksteam.

Honda hat nun eine Partnerschaft mit dem McLaren-Team abgeschlossen. Ab 2015 will McLaren-Honda wieder um Siege kämpfen und an die legendäre Vergangenheit anknüpfen. Doch wie wirkt sich das Formel-1-Engagement auf das MotoGP-Programm aus? "Ich mache mir überhaupt keine Sorgen", wird HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto von 'GPOne.com' zitiert. "Sollte die Firma entscheiden, so wie es schon passiert ist, dass ich in der Formel 1 arbeiten soll, dann werde ich es machen. Es ist aber keine Priorität von mir." Zwischen den Jahren 2002 und 2008 arbeitete Nakamoto in verschiedenen Management-Positionen am Formel-1-Projekt mit.

Von den Comeback-Plänen in der "Konigsklasse" auf vier Rädern wusste der Japaner. "Ich wusste nicht die genauen Details, aber ich wusste, dass sie daran arbeiten und eine Chance auf das Comeback bestand. Einige Ingenieure arbeiten am Design des Motors", spricht Nakamoto mit offenen Karten. An einen negativen Einfluss auf das MotoGP-Projekt glaubt er nicht. "Wir sprechen immer noch über die gleiche Firma - Honda. Es ist aber so, als wären es zwei verschiedene Firmen. Nichts wird sich verändern."

Zwischen Autos und Motorrädern besteht ein großer Unterschied. Aus reiner Marketingsicht spricht die Formel 1 andere Fans an als die MotoGP. Honda hat sich seit jeher als Unternehmen präsentiert, das für Ingenieurskunst steht. "Nicht nur die Anzahl der Reifen ist anders. Der große Unterschied besteht darin, wie groß der Einfluss des Fahrers auf das Endergebnis ist", weiß Nakamoto. In den vergangenen Jahrzehnten traten für Honda in der 500er-Klasse beziehungsweise der MotoGP das "Who is Who" der besten Fahrer an.

Auch technisch gibt es viele grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Topklassen: "In der Formel 1 ist der Motor ein Teil des ganzen Autos. Die Aerodynamik ist dominant und der Fahrer hat einen Anteil von zehn Prozent. Bei Motorrädern ist es komplett umgekehrt", erläutert Nakamoto. "Ein Trial-Fahrer hat einen Einfluss von 90 Prozent und beim Motocross sind es 60 Prozent. In der MotoGP finde ich die Balance perfekt. Das Ergebnis wird zur Hälfte vom Fahrer und zur Hälfte vom Motorrad bestimmt."

In der Formel 1 konnte Nakamoto keine großen Erfolge feiern, während der letzte Fahrertitel in der MotoGP aus dem Jahr 2011 datiert (Casey Stoner). Aktuell zaubert Super-Rookie Marc Marquerz ein Lächeln ins Gesicht der Japaner. Deshalb fühlt sich Nakamoto auch im MotoGP-Fahrerlager wohl. "In der Formel 1 zu arbeiten ist vor allem aus technischer Sicht sehr interessant und aufregend", blickt er bei 'GPOne.com' auf seine Zeit zurück. "Trotzdem bevorzuge ich Motorräder. Ich habe nicht null Interesse für Autos, aber es hält sich in Grenzen."

Formel 1 bei der Vermarktung weit vor der MotoGP

Die Formel 1 und die MotoGP sind auch bei der Promotion zwei unterschiedliche Welten. Bernie Ecclestone und Co. haben die Formel 1 in den vergangenen 20 bis 30 Jahren zu einem riesigen Medienspektakel gemacht und fast alle anderen Motorsportserien aus dem Fernsehen und der Presse verdrängt. Lediglich die MotoGP konnte sich halten, doch im Vergleich zur Formel 1 sind die Gewinne verhältnismäßig klein, obwohl man einen weltweiten Superstar wie Valentino Rossi hat.

Kann die MotoGP von der Formel 1 etwas lernen? "In den vergangenen Jahren habe ich viel mit Ezpeleta (Dorna-Boss; Anm. d. Red.) über dieses Thema gesprochen", sagt Nakamoto diesbezüglich. "Ich habe ihm unsere Position erklärt. Schließlich hat er es verstanden und wir fanden einen guten Kompromiss." Honda will in der MotoGP Weltmeister werden und durch den Erfolg Motorräder verkaufen.

Wichtig ist auch die technische Entwicklung, von der auch die zukünftige Serienproduktion profitiert. "Wir sind sehr zufrieden mit unserer Zusammenarbeit. Viele Journalisten haben geschrieben, dass Ezpeleta und ich streiten, aber wir sind eigentlich gute Freunde", räumt Nakamoto klaren Tisch mit irgendwelchen Anfeindungen zwischen Dorna und Honda auf.

Geeinigt hat man sich auch auf das Reglement ab 2014. Honda sträubte sich lange gegen die Einführung der Einheitselektronik von Magneti Marelli. Sie kommt aber, dafür dürfen die Hersteller ihre eigene Software schreiben. Im Gegenzug steht ihnen ein Liter Benzin weniger für die Renndistanz zur Verfügung. Das war der Kompromiss. Trotz dieser technischen Einschränkungen wird fleißig entwickelt und geforscht. "Die Entwicklung geht ohnehin weiter. Die gleiche Power bei höherer Zuverlässigkeit zu erreichen, ist aus technologischer Sicht ein großes Ziel."

Superbike-WM für Honda nicht interessant

"Dazu kommt das Kraftstofflimit von 20 Litern. Das sind Herausforderungen und dieses Wissen kann dann in die Serienproduktion fließen", verdeutlicht Nakamoto. Honda und Yamaha konzentrieren sich voll und ganz auf die MotoGP. Honda ist noch über das Ten-Kate-Team in der Superbike-WM engagiert, während sich Yamaha komplett zurückgezogen hat. Ducati ist in beiden Serien mehr oder weniger erfolglos aktiv. BMW und Aprilia konzentrieren sich in erster Linie auf die Superbike-WM. Wäre eine einzige Weltmeisterschaft mit allen Herstellern nicht besser?

"Für Honda ist es unmöglich, sich auf zwei Meisterschaften zu konzentrieren. Wir entschieden uns für die MotoGP. Yamaha hat es auch so gemacht. Nur Ducati ist an beiden Fronten aktiv, aber es ist eine komplett andere Firma", streicht Nakamoto die Unterschiede hervor. Wir produzieren Motorräder von Mopeds bis zur Goldwing. Die technologische Entwicklung können wir in der MotoGP besser machen als in der Superbike-WM. Trotzdem glaube ich, dass eine Weltmeisterschaft genug wäre. Selbst die Superbikes wirken auf mich nicht wie Serienmaschinen."

Fotoquelle: Repsol

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