Entlang der Geraden verläuft eine Mauer, die bei den Fahrern nicht gut ankommt

MotoGP 2013

— 31.05.2013

Die Mauer muss weg: Marquez-Sturz entfacht Diskussion

Der MotoGP-Rookie stürzt am Freitagnachmittag in Mugello bei über 300 km/h und stößt damit eine Sicherheits-Debatte über die Mauer entlang der Geraden an

Es war die Schrecksekunde des zweiten Freien Trainings: Honda-Werkspilot Marc Marquez bremst im Linksknick vor der ersten Kurve zu stark, bringt das Vorderrad seiner RC213V zum Blockieren und driftet dann in Richtung Mauer. Mit einem beherzten Sprung vom Motorrad entgeht der Spanier einem Zusammenstoß mit der Mauer, die in Mugello nur wenige Meter neben der Gerade, die gar nicht so gerade ist, entlang verläuft.

Der Linksknick vor Kurve eins ist tückisch. Die Piloten bremsen bei etwa 340 km/h Top-Speed an. als Marquez' Vorderrad blockierte, war der amtierende Moto2-Champ laut Hondas Datenaufzeichnungen noch 320 km/h schnell. Mit 280 km/h schlug der zierliche Spanier mit dem Kinn auf den Boden auf. Marquez kam mit Prellungen und Schwellungen davon. Wäre er in die Mauer gefahren, hätte der Unfall mit Sicherheit einen verhängnisvolleren Ausgang gehabt.

"Das ist keine gute Stelle für einen Sturz. Glücklicherweise ist er okay", bemerkt Ducati-Werkspilot Nicky Hayden. "Da er bei so einer hohen Geschwindigkeit gestürzt ist, hat er Glück gehabt, dass er praktisch unverletzt davongekommen ist. Ich weiß nicht, was zu diesem Sturz geführt hat, aber glücklicherweise hat er sich nicht schwer verletzt." Der US-Amerikaner stellt Mugello kein besonders gutes Zeugnis in Sachen Sicherheit aus.

"Es ist dort eng. Wenn dort drei, vier Fahrer nebeneinander fahren, können Berührungen schnell passieren. Vielleicht können wir dort etwas mit der Mauer machen. Man muss nur an Nakano denken. Auf dieser Strecke gibt es einige enge Stellen", warnt Hayden. Marquez' Teamkollege Dani Pedrosa kann sich nicht erklären, warum das Vorderrad blockierte: "Ich habe auf dem Asphalt gesehen, dass ihm auf der Bremse das Vorderrad weggerutscht ist. Ich weiß aber nicht warum."

Pedrosa und Rossi wollen Mauer verschieben

"Die Mauer steht nahe an der Strecke, aber das ist schon seit einigen Jahren der Fall. Ich erinnere mich nicht genau, aber wir haben vor zwei Jahren in der Sicherheitskommission darüber gesprochen. Es wurde aber nicht verändert", bedauert WM-Leader Pedrosa. "Es ist eine sehr schnelle Strecke und nicht so gut. Dort bremst man nicht sofort, sondern erhöht langsam den Druck. Ich weiß nicht, was bei ihm passiert ist."

"Ich habe den Sturz von Marquez nicht gesehen", schildert Yamaha-Star Valentino Rossi. "Die Jungs haben es mir berichtet. Diese Stelle ist ziemlich gefährlich, weil man sehr schnell ist. Zudem ist es keine flache Gerade. Es gibt eine Überhöhung. Ich kann mir vorstellen, wo Marc die Kontrolle verlor. Die Wand ist sehr nah. Sie ist zu nah und wir haben es bereits in der Sicherheitskommission angesprochen und wollten die Streckenbetreiber von Mugello dazu bewegen, die Wand ein Stück weiter hinaus zu verschieben. Doch sie meinten, dass das nicht möglich sei."

Rossi ist aber entschlossen, das Thema erneut anzusprechen. "Ja, sicher", bestätigt der Italiener entschlossen. Markenkollege Bradley Smith litt mit Marquez, als er die Aufzeichnungen sah und fordert Änderungen: "Armer Kerl! Wir sprachen bei der Sicherheitskommission in Le Mans über die Mauer und bemerkten, dass sie zu nah ist. Bei der Geschwindigkeit und durch die Kurve ist der Abstand zu gering. Die Mauer steht auf der Liste der Dinge, die geändert werden sollen."

Crutchlow lobt Sicherheitsstandards

Teamkollege Cal Crutchlow sieht die Sache gelassener: "Ich sah den Sturz nicht, doch ich sah, wo er von der Strecke abkam. Wie viele Stürze hatte ich in meinem ersten Jahr in der MotoGP? Das Problem ist, dass Marc deutlich schneller ist als ich in meinem ersten Jahr. Es ist schwierig. Die Lernkurve ist steil", analysiert der Brite. "Das Problem ist, dass wir von ihm lernen. Ich denke nicht, dass er etwas falsch gemacht hat."

"Man konnte am Morgen sehen, wie Andrea (Dovizioso; Anm. d. Red.) stürzte - einer der Fahrer mit der meisten Erfahrung. Wo ist er gestürzt? Wir sind am Limit. Jeder geht bis ans Limit", betont Crutchlow. "Wir haben heute an dieser Stelle zwei Stürze gesehen. Wie viele haben wir in den anderen Jahren an dieser Stelle gesehen? Ich habe keine Stürze in den vergangenen fünf Jahren dort gesehen. Es ist schwierig zu beurteilen. Wir fahren mit Motorrädern Rennen und da kann das passieren."

Eine Verschiebung der Mauer würde Crutchlow begrüßen: "Ja, sicher. Es ist ein schmaler Grat in der MotoGP", bemerkt er. Der Brite kann aber auch mit der gegebenen Situation leben und denkt an die Zuschauer. "Wenn man alles verschiebt, dann sind wir meilenweit weg. Wir werden nie 150 Meter lange Auslaufzonen in jeder Kurve haben. Wir müssen realistisch bleiben. Ist diese Wand zu nah? Ich weiß es nicht. Ist sie am Limit? Wir haben immer ein Limit."

"Wenn man in Kurve eins geradeaus fährt, dann hat man 100 Meter. Wir versuchen immer, als Fahrer die Sicherheit zu verbessern. Doch ich denke nicht, dass wir auf einem der Kurse Sicherheitsprobleme haben. Nur weil zwei Fahrer an einem Tag an dieser Stelle gestürzt sind, heißt das nicht, dass etwas nicht richtig ist", stellt Crutchlow klar. "Die Dorna leistet tolle Arbeit. Carmelo (Ezpeleta; Anm. d. Red.) und die Sicherheitskommission sind immer offen für neue Vorschläge. Sie versuchen, uns so gut wie möglich zu helfen."

Fotoquelle: FGlaenzel

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