Genau in dieser Situation wollen die Fahrer so viel Grip wie möglich vom Hinterreifen

MotoGP 2013

— 20.06.2013

Die Gründe für die Wahl der weichen Reifenmischung

Trotz enormer Hitze wählten die Prototypen-Fahrer beim Grand Prix in Barcelona den weichen Hinterreifen - Bridgestone nennt die Gründe für diesen Trend

Die Reifenwahl stand am vergangenen Wochenende beim Grand Prix von Katalonien im Mittelpunkt. Die Sonne brannte alle drei Tage vom Himmel und es wurden Asphalttemperaturen von bis zu 60 Grad gemessen. An den beiden Trainingstagen machten sich die Prototypen-Fahrer Gedanken, ob sie mit der härteren (Hard) oder der weicheren (Medium) Mischung beim Hinterreifen fahren sollten. Für die CRT-Fahrer stand wieder die Mischung Soft bereit. Am Samstagabend kristallisierte sich schließlich heraus, dass alle Fahrer den weichen Reifen favorisierten. Mit Ausnahme von Andrea Dovizioso machten aber alle Stars ein Geheimnis daraus.

Schließlich nahmen alle Prototypen hinten die weichere Mischung mit. Bridgestone ist zufrieden, denn im Qualifying wurde nicht nur ein neuer Pole-Rekord aufgestellt, sondern die Rennzeit war auch schneller als im Vorjahr. "Am gesamten Wochenende herrschten heiße Asphalttemperaturen. Die höchsten Werte erreichten knapp 60 Grad. Deshalb änderten wir am Mittwoch vor dem Rennen noch unser Reifenkontingent auf die beiden härtesten Vorderreifenmischungen", erläutert Shinji Aoki, der Bridgestone-Manager für die Entwicklung von Rennreifen.

"Wir wussten, dass die Bedingungen zu den Reifen sehr hart sein würden. Diese hohen Temperaturen beeinflussten die Reifenperformance, denn die Strecke war recht schmierig. Zudem war der Verschleiß höher. Bei kurzen Versuche konnten wir sehen, dass die Performance der Reifen sehr gut war, denn Dani stellte im Qualifying einen neuen Streckenrekord auf. Die Rennpace war auch besser als im Vorjahr, aber wir haben über die Renndistanz gesehen, dass die Reifenperformance von der Hitze beeinflusst wurde."

"Die Hitze hat die Reifenwahl für das Rennen aber nicht wesentlich beeinflusst, denn sie wurde Anhand der Streckencharakteristik getroffen, weil die Fahrer viel Zeit in Schräglage verbringen", meint der Japaner. "Deshalb wählten alle Fahrer bis auf einen (Espargaro; Anm. d. Red.) den härteren Vorderreifen, denn diese Mischung bot in den Kurven die größte Stabilität. Zudem war die Haltbarkeit besser. Aus diesem Grund bevorzugten die Prototypen-Fahrer auch den weicheren Hinterreifen, denn sie wollten von der Reifenflanke so viel Grip wie möglich haben, wenn sie in Schräglage fahren."

Trotzdem war verwunderlich, dass trotz der hohen Temperaturen kein Fahrer auf die härtere Mischung setzte. Auch Bridgestone war davon ausgegangen: "Wir erwarteten, dass einige Fahrer auf die harte Mischung setzen würden, aber das geschah nicht. Wir können deshalb nicht sagen, ob dieser Reifen über die Renndistanz besser gewesen wäre", grübelt Aoki. "Einige Fahrer nutzten diesen Reifen in den Trainings und sie fuhren oft ein konkurrenzfähiges Tempo, aber für das Rennen setzten dann alle Prototypen auf die weiche Mischung."

Aoki hat auch eine Erklärung dafür parat: "Die Fahrer wollen von der Flanke des Hinterreifens immer so viel Grip wie möglich haben, weil sie der Meinung sind, dass ein gutes Tempo zu Rennbeginn sehr wichtig für ein gutes Endergebnis ist. Aus diesem Grund werden sie sich immer für den weichsten Slick entscheiden und dann einen Weg finden, um ihn über die Renndistanz zu managen."

Bridgestone entwickelt neue harte Reifen

Die weichere Mischung wird in diesem Jahr klar von den Fahrern bevorzugt. Oft waren Kommentare zu hören, dass die härtere Variante nicht zu gebrauchen sei. "Dieser Trend ist in diesem Jahr sehr auffällig", weiß auch der Bridgestone-Manager. "Selbst bei heißen Bedingungen arbeiten die Fahrer in den Trainings hart daran, die weiche Mischung für das Rennen zum Funktionieren zu bringen. Es ist offensichtlich, dass sich die Elektronik, die Abstimmung des Motorrades und der Fahrstil bis zu einem Punkt entwickelt haben, dass man die weichen Mischungen bei fast jedem Szenario verwenden kann."

"Wenn sie die Haltbarkeit der weichen Mischung kontrollieren können, dann gibt es keinen Grund für die härtere Variante. Deswegen entwickeln wir gerade experimentelle Reifen, damit wir das Arbeitsfenster unserer härteren Slicks erweitern können." Es ist ein Szenario, bei dem sich die Katze in den Schwanz beißt: Die Fahrer sagen, dass alles von Bridgestone abhängt, Bridgestone schiebt es wieder den Teams zu. Seit einigen Wochen fordern die Fahrer neue Reifen mit härteren Karkassen.

Derzeit entwickelt Bridgestone auch neue Reifen: "Unser Entwicklungsprogramm läuft ständig. Beim Test am Montag in Barcelona haben wir einen neuen harten Hinterreifen getestet. Das Feedback der Fahrer lautete, dass es ein großer Schritt in die richtige Richtung ist. Diesen Weg werden wir jetzt weiterverfolgen. Wir ziehen auch andere technologische Entwicklungen für unsere Hinterreifen in Betracht, die wir später im Jahr testen wollen."

"Wenn wir wir von allen Fahrern einen gemeinsamen Konsens haben, was am besten funktioniert, dann können wir darüber nachdenken, dass wir neue harte Hinterreifen in unser Kontingent aufnehmen. In der Zwischenzeit arbeiten wir eng mit der Dorna und der FIM zusammen, damit wir mit unserer aktuellen Reifenfamilie alle Fahrer mit einem Kontingent ausstatten können, das auf jeder Strecke gut funktioniert."

Fotoquelle: Honda

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